Dieses Bild wurde nach dem ersten Lockdown im Juni 2020 aufgenommen: Silvia Lorscheider (v. l.), Ulrike Kerschek und Silke Focke freuten sich damals, dass bald wieder Kunden in die Bücherei St. Ludger kommen © Marie Rademacher
Coronavirus

Corona und Lesen: Büchereien in Selm reagieren auf die Notbremse

In der Pandemie wird mehr gelesen. Aber inzwischen besteht wieder weniger Gelegenheit dazu, an Lesestoff zu kommen: eine Folge der wachsenden Infektionszahlen.

Silvia Lohrscheider macht es kurz und bündig: „Die Bücherei St. Ludger am Ludgerikirchplatz in Selm bleibt aufgrund der aktuellen Coronalage bis auf weiteres geschlossen“, hat sie am Samstag (10. April) in einer Mail geschrieben. Sie hat schon Routine darin. Genauso wie andere.

Bereits Ende März hatte Jutta Quante vom Büchereiteam St. Stephanus im Ortsteil Bork die Reißleine gezogen. Gerade einmal drei Wochen nach der Wiederöffnung der Bücherei war wieder Schluss mit dem Stöbern in den Regalen. Der Grund: Drei Tage in Folge war der Inzidenzwert im Kreis Unna über die kritische Marke von 100 geklettert. Der Kreis musste die Notbremse ziehen – und die Borker Pfarrbücherei hat geschlossen. Dass die Selmer Bücherei erst fast zwei Wochen später ihre Schließung bekannt gibt, hat einen einfachen Grund.

Skepsis gegenüber der momentanen Inzidenzwerte

„Wir hatten ohnehin nicht vor, in den Osterferien zu öffnen“, sagt Lohrscheider. Von daher habe sie noch Hoffnung gehabt, dass sich die Lage entspanne. Davon ist aber nichts zu sehen. Der Kreis Unna hat zwar inzwischen Inzidenzwerte unter 100 – die Voraussetzung, um die Bremse wieder zu lockern -, aber momentan sei diesen Zahlen nicht zu trauen, warnt das Robert-Koch-Institut. Wegen der Ferien und der Feiertage sei weniger getestet und zum Teil auch nur verzögert gemeldet worden. Bundesweit wächst indes die Sorge vor den Folgen der dritten Welle. Auch bei Silvia Lohrscheider.

Angesichts der aktuellen Entwicklung sei es das beste zu schließen, sagt sie. Weder sie und die anderen zwölf ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bücherei noch die Leserinnen und Leser sollten ein Ansteckungsrisiko eingehen. Dabei ist der Bedarf nach Lektüre so hoch wie selten zuvor.

„In der Pandemie wird mehr gelesen“

Im Auftrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hatte das Institut GfK im Herbst 2020 ermittelt, dass in der Pandemie deutlich mehr gelesen werde. Verglichen mit der Zeit vor Corona sei vor allem ein Zuwachs zu verzeichnen bei der Jüngeren Leserschaft: In der Altersgruppe 10 bis 19 liest danach fast ein Drittel (32 Prozent) häufiger als vor der Pandemie. In der Altersgruppe 20 bis 29 ist

es mehr als ein Viertel (26 Prozent).

Egal, wie alt: Für alle Leserinnen und Leser der Pfarrbüchereien gilt, die ausgeliehenen Medien werden automatisch verlängert, wie Lohrscheider sagt. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen haben darin schon Routine. Bereits im Frühjahr 2020 und im Winter 2020/21 waren sie im Lockdown.

Stadtbibliothek Selm hat Abholservice

Die öffentliche Stadtbibliothek am Willy-Brandt-Platz hat zwar seit der Corona-Notbremse Ende März auch die Türen geschlossen, aber nicht ganz. Der Ausleihbetrieb bleibt seitdem auf einen Abholservice beschränk. Und für den Buchhandel gilt: anmelden und einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter ist als 24 Stunden.

Über die Autorin
Leiterin des Medienhauses Lünen
Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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