Coronavirus

Corona-Test für Urlauber aus dem Kreis Unna: Ein Irrgarten ohne Ausweg

Nicht älter als 48 Stunden dürfen Corona-Tests sein, wenn es um eine Reisegenehmigung oder Beherbergungserlaubnis geht. Doch ohne Symptome an einen Test zu kommen, ist derzeit im Kreis Unna unmöglich.
Corona-Abstriche sind im Moment sehr gefragt im Kreis Unna. © picture alliance/dpa

Bei den Arztpraxen standen am Freitagmorgen die Telefone nicht still. Durchkommen war Glückssache. „Es rappelt bei uns ohne Ende“, sagte eine Sprechstundenhilfe in Selm, und auch in Lünen klagten viele Praxen über Chaos. „Es melden sich viele Patienten wegen Corona-Tests, deren Hausarzt wir nicht einmal sind“, hieß es in einer anderen Praxis. Etwa 30 Prozent des Tagesgeschäfts, so eine Einschätzung bei einer Umfrage in den Praxen der Region, drehte sich am Freitag um Coronatests.

Test darf nicht älter als 48 Stunden sein

Denn nachdem der Kreis Unna am Vortag angesichts des überschrittenen Grenzwerts von 50 Neuinfizierten je 100.000 Kreis-Einwohner in den vergangenen sieben Tagen Alarmstufe Rot gemeldet hatte, waren vor allem diejenigen verunsichert, die in den Herbstferien verreisen wollen. Etliche Bundesländer haben bekanntlich Beherbergungsverbote für touristische Zwecke ausgesprochen, sofern die Gäste aus Risikogebieten stammen. Aufgehoben werden kann solch eine Bestimmung lediglich durch ein negatives Coronatestergebnis, das nicht älter als 48 Stunden ist.

Arztpraxen testen nur bei Symptomen

Auf der Homepage des Kreises Unna gibt es eine Liste mit Ärzten, die Corona-Tests durchführen. Und in diesen Praxen riefen am Freitagmorgen viele Reisewillige an, um einen Test machen zu lassen. Doch bei den Tests, die für eine Reiseerlaubnis notwendig sind, handelt es sich um asymptomatische Tests – und die werden in den heimischen Arztpraxen gar nicht angeboten. Schnell-Tests ohnehin nicht, denn jeder Hausarzt arbeitet mit einem Labor zusammen.

Getestet werden in den gelisteten Praxen daher nur Personen, die einschlägige Corona-Symptome haben – und bei denen der Hausarzt einen Test auch anordnet.

Viele Arztpraxen verwiesen die Testwilligen ohne Symptome daher an das Gesundheitsamt des Kreises Unna, wo sie allerdings komplett falsch waren.

„Wir kümmern uns nur um die Kontaktpersonen-Nachverfolgung“, erklärte Kreissprecher Max Rolke. „Und wir testen nur, wenn Kontakt zu einem Cornona-Infizierten bestand.“ Auf Menschen, die lediglich auf Nummer sicher gehen und nachweisen wollen, dass sie aktuell nicht mit Corona infiziert sind, treffen diese Grundlagenkriterien nicht zu.


Eine spezielle Corona-Teststelle für Reisende wurde von der Landesregierung in Zusammenarbeit mit den Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe jedoch am Flughafen Dortmund eingerichtet. Doch wer glaubt, dort einen Text bei einer geplanten Abreise machen zu können, der irrt. Getestet werden dort ausschließlich ankommende Reisende – und auch nur, wenn sie aus einem explizit deklarierten Risiko-Gebiet kommen. Dann werden auch die Kosten für den Test übernommen. Übrigens: Für Ankommende aus Risiko-Gebieten, die nicht mit dem Flugzeug, sondern auf anderen Wegen kamen, steht das Testzentrum am Flughafen ebenfalls nicht zu Verfügung.

Doch wohin sollen sich nun Leute wenden, die in den Urlaub möchten und dazu einen maximal 48 Stunden alten negativen Test vorzeigen wollen? Darauf gibt es derzeit noch keine Antwort, teilt die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe in Dortmund mit. „Wir warten auf eine Einschätzung des Robert-Koch-Instituts, die die Lage und die Testpflicht beurteilen müssen“, sagte eine Sprecherin. Ob dann zentrale Anlaufstellen gebildet würden, würde dann das Gesundheitsministerium des Landes entscheiden.

Zentrale Anlaufstellen dringend erwünscht

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