Der Selmer Baumarkt hat trotz Einschränkungen eine Lösung für seine Kunden. © Foto: Theo Wolters
Notbremse

Baumarktbesuch mit Test: Das gilt nicht für alle Kunden im Kreis Unna

Dass Corona-Regeln nicht immer logisch sein müssen, hat sich inzwischen herumgesprochen. Auf eine neue Unstimmigkeit ist ein 71-jähriger Selmer gestoßen, als er den Baumarkt besuchte.

Schnell ein Ersatzteil vom Hellweg-Baumarkt holen, damit es zuhause mit der Reparatur im Badezimmer schnell weiter gehen kann. Das hatte ein 71-jähriger Selmer im Sinn, als er zum Hellweg-Baumarkt an der Lüdinghauser Straße fuhr. Weiter als bis zur Tür kam er aber nicht – wegen des fehlenden Corona-Tests. So weit ist das nicht ungewöhnlich. Etwas anderes schon. Es gibt Kundinnen und Kunden, die ohne Test einkaufen gehen dürfen. Ganz offiziell.

Der Kreis Unna hatte zum 31. März die Corona-Notbremse ziehen müssen, nachdem der Inzidenzwert innerhalb von drei aufeinander folgenden Tagen über 100 lag. Für die Ausführung des Bremsmanövers gibt es in NRW zwei Möglichkeiten: alles wieder schließen oder Öffnungen im Handel weiter zulassen nach Anmeldung (Click and Meet) und nach Vorlage eines negativen Tests, der nicht älter sein darf als 24 Stunden. Der Kreis entschied sich wie die meisten Kommunen im Land für die sogenannte Testoption. Eine Gruppe blieb bei der Anpassung der örtlichen Rechtslage aber außen vor.

Der 71-jährige Selmer, der noch unverrichteter Dinge vor der Baumarkttür stand, rieb sich die Augen: „Da ging an mir einfach jemand vorbei, der nur mit seinem Gewerbeschein winkte.“ Völlig korrekt sei das, habe ihm die Verkäuferin versichert. Und augenzwinkernd ergänzt: „Gewerbetreibende werden eben nie krank.“ Darauf allein wollte sich der Selmer draußen vor der Tür nicht verlassen. Er schrieb an den Kreis Unna. Und erhielt umgehend Antwort.

Gewerbetreibende, Handwerker und Landwirte

Gewerbetreibende mit Gewerbeschein, Handwerker mit Handwerkerausweis sowie Land- und Forstwirte werden nach Mitteilug des Kreises von der „Corona-Notbremse“ des Landes NRW gar nicht erfasst. Und damit auch nicht von der aktualisierten Allgemeinverfügung des Kreises Unna, die auf den Vorgaben des Landes fußt. Das Land hatte die Profis unter den Baumarktkunden bewusst ausgenommen, als es Ende 2020 den Lockdown verhängte.

Seitdem heißt es in der Coronaschutzverordnung unter Paragraf 11: „Der Betrieb von Bau- und Gartenbaumärkten sowie Baustoffhandelsgeschäften ist zur Versorgung von Gewerbetreibenden mit Gewerbeschein, Handwerkern mit Handwerkerausweis sowie Land- und Forstwirten mit den jeweils betriebsnotwendigen Waren (…) zulässig.“ Das ist es immer noch, ohne Wenn und Aber – und ohne negativen Test.

Im Kreis Coesfeld geht es für alle ohne Test

Warum? Das konnte auch der Kreis dem überraschten Selmer nicht erklären: „Eine weitergehende, wirklich plausible und für die Menschen nachvollziehbare Erklärung“ der jüngsten Bund-Länder-Beschlüsse und der daraus resultierenden Umsetzung durch das Land NRW „vermag ich Ihnen nicht zu geben“, hieß es in der Mail aus dem Kreishaus.

Der Selmer fuhr übrigens 13 Kilometer weiter vom Selmer Hellweg- zum Toom-Baumarkt in Lüdinghausen. Dort konnte er ohne Test einkaufen. Denn im Kreis Coesfeld gibt es keine Notbremse.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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Sylvia vom Hofe
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