Ausbildung

Ausbildungsmarkt bricht in Selm weniger stark ein als im Kreis

Auch für den Ausbildungsmarkt war das Jahr 2020 ein schweres Jahr. Während kreisweit deutlich weniger Ausbildungsverträge geschlossen wurden, sieht es in Selm aber besser aus.
Solange das Kaufkhaus Berken geschlossen hat, denken die Inhaber nicht darüber nach Auszubildende einzustellen. © Marie Rademacher (A)

Jennifer Sommer ist verhalten optimistisch. Schon seit längerem möchte die Egotherapeutin in ihrer Praxis in Selm eine zusätzliche Therapeutin einstellen. „Aktuell ist das aber eine absolute Katastrophe“, sagt Sommer. Während Sommer in der Vergangenheit meist drei Auszubildende beschäftigte, die bei ihr den praktischen Teil ihrer schulischen Ausbildung absolvieren, beschäftigte sie 2020 auf Grund der Pandemie nur einen Azubi. Der Platz würde sonst zu eng, um der Corona-Schutzverordnung gerecht zu werden.

Um dem Therapeutenmangel entgegenzuwirken hat das Land NRW mit diesem Jahr die Kosten für die schulische Ausbildung der Ergo-, und Physiotherapeuten, Logopäden, Podologen sowie der pharmazeutisch- und der medizinisch-technischen Assistenten übernommen. Ob das nun etwas bewirkt, weiß Jennifer Sommer allerdings nicht.

Drei Verträge weniger

Auch andere Betriebe haben aktuell Schwierigkeiten, Nachwuchs zu bekommen oder sie haben ihre Ausbildungstätigkeit heruntergefahren. Im Gesamtkreis Unna ging die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge laut Industrie- und Handelskammer (IHK) Dortmund im Jahr 2020 um 15,7 Prozent zurück. Besonders betroffen ist das Gastgewerbe, die Veranstaltungsbranche oder der Einzelhandel.

In Selm hingegen sank die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge von 53 (2019) auf 50 (2020) um nur 5,7 Prozent und lediglich drei Verträge.

Zu unsichere Zeiten

Beim Kaufhaus Berken wurden seit zwei Jahren keine Auszubildenden mehr eingestellt, wie Dennis Berken mitteilt, der gemeinsam mit seinem Vater Hans-Georg Berken-Schirmeisen die Geschäfte leitet, aber die Corona-Krise macht die Situation noch deutlich schwieriger.

„Wir haben festgestellt, dass Ausbilden so nebenbei nicht funktioniert“, sagt Beken. Um eine Person freizustellen, die sich eigens um die Auszubildenden kümmert, fehle es in Selm ohnehin an Mitarbeitern. „Und im Moment überlegt man sich natürlich sehr genau, neue Mitarbeiter einzustellen.“ Und wie soll ich einem Azubi etwas beibringen, wenn das Geschäft geschlossen ist?“, fragt er. „Die Zeiten sind einfach zu unsicher.“

Ähnlich zeigt sich die Situation für das An-Hotel. „2020 hat es sich nicht angeboten, einen Auszubildenden einzustellen. Es war einfach kein passender Bewerber da“, so Inhaberin Kaira Eistel. Beim Hellweg- Baumarkt wurden hingegen 2020 laut Personalreferentin Anna Bleicher genauso viele Auszubildende eingestellt, wie in anderen Jahren auch. Und die Bäckerei Kanne schloss für alle Standorte mit 19 Ausbildungsverträgen sogar sechs mehr ab, als im Jahr zuvor.

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