Die beiden Pfarreiratsmitglieder Thomas und Birgit Weckwerth verabschieden zwischen Schlosstheater und Stiftskirche sich von Pater Gregor Pahl (r.). © Sylvia vom Hofe
Katholische Kirche

Abschied von Cappenberg: Pater Gregor Pahl wirbt für Tradition

Zum Abschied gab es ein Bekenntnis. Pater Gregor Pahl stellte seine letzte Predigt als Gemeindepfarrer von Cappenberg und Langern unter ein Thema, das ihm besonders wichtig ist: Tradition.

Vier Jahre lang stand Pater Gregor Pahl (39) der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Evangelist vor: der zweitkleinsten Gemeinde des Bistums Münster, gleich nach der Dom-Gemeinde. Am Sonntag, 28. Februar, ist diese Zeit zu Ende gegangen – unter besonderen Rahmenbedingungen.

Nur 60 der rund 1200 Gemeindemitglieder hatten sich zum Abschiedsgottesdienst versammelt. Mehr Besucher sind aufgrund der Abstandsregelungen in der Corona-Pandemie nicht zugelassen im gräflichen Schlosstheater. Die altehrwürdige Stiftskirche steht der Gemeinde seit rund einem Jahr nicht mehr für Gottesdienste zur Verfügung. Sie wird generalsaniert anlässlich des bevorstehenden Jubiläumsfeier im Jahr 2022: der Erinnerung, dass Gottfried von Cappenberg vor 900 Jahren Burg und Besitz dem damals jungen Prämonstratenser-Orden übertragen hatte.

Turbulente Zeit mit Sanierung und Pandemie

Kirchensanierung, Jubiläumsvorbereitungen und Corona: „Das war eine turbulente Zeit, die du hier erlebt hast“; sagte Prof. Alfons Rinschede vom Kirchenvorstand. Von anderen Turbulenzen, die die katholische Kirchengemeinde gerade bundesweit erlebt – Kirchenaustritte, Missbrauch, Synodaler Weg – und die Thema in der drei Tage zuvor zu Ende gegangenen Bischofskonferenz waren, war am Sonntag nicht die Rede. Dafür von der Kraft der Tradition.

Hielt zum letzten Mal eine Predigt als Pfarrer Von St. Johahnnes Evangelist Cappenberg. © Sylvia vom Hofe © Sylvia vom Hofe

Die wolle er aber nicht als Rückwärtsgewandtheit missverstanden wissen, sagte Pater Gregor. „Es geht nicht darum, das Gestern einzufrieren, sondern es lebendig weiterzutragen.“ Dass dabei auch das eine oder andere los- und zurückgelassen werden müsse, steht für ihn fest: „Unser Glaube ist kein Museumsstück.“

Pahl warb für einen „positiven Zugang zur Tradition im Sinne von: an Bewährtem festhalten.“ Das sieht er verdichtet im Begriff Heimat. Viele, die längst nicht mehr In Cappenberg oder Langern wohnten, sei die Stiftskirche nach wie vor ein wichtiges Stück Heimat mit vielen Glaubenserinnerungen.

Von der entlastenden Kraft der Tradition

Der scheidende Pfarrer bekannte: „Ich selbst bin ein Priester, der davon ausgeht, dass die Kirche und ihre Tradition gut sind.“ Es sei eine große Entlastung, nicht jeden Tag das Rad neu erfinden zu müssen. In den Ohren von Mitgliedern der katholischen Reformgruppe Maria 2.0 muss so ein Satz befremdend klingen.

In Cappenberg hatte es keinen Thesenanschlag an der Kirchentür gegeben. In manchen anderen Gemeinden im Bistums hängen dagegen seit einer Woche sieben Forderungen, unter anderem die nach einem Zugang von Frauen zu allen Kirchenämtern.

Pater Gregor Pahl will eigene Wege gehen

Der 39-jährige Prämonstratenser kehrt auf Wunsch des Abtes zurück ins Kloster in der Abtei Hamborn. Dass er in Cappenberg auf Abruf stehen würde, stand schon kurz nach seiner Ankunft dort fest. Pater Gregor Pahl möchte mit drei Mitbrüdern von dort eine eigene Kommunität unter dem Dach des Ordens bilden: ein Ablösungsprozess von der Abtei, der noch nicht abgeschlossen ist. Pater Dr. Rudolf Branko Hein, Prior der Abtei, war zum Abschiedsgottesdienst nach Cappenberg gekommen.

„Es ist schade, dass du schon gehen musst“, sagte der Vorsitzende des Pfarreirates, Thomas Weckwerth. „Wir hätten dich gerne behalten, und Du wärest gerne geblieben, wie ich weiß“, bekräftigte Alfons Rinschede vom Kirchenvorstand. Dass das wohl auch andere Gemeindemitglieder so sehen, zeigte nach dem Gottesdienst die Menschenschlage zwischen Schlosstheater, eingerüsteter Kirche und dem Pfarrhaus, das auch bald saniert werden wird.

Pater Dr. Joachim Hagel tritt am nächsten Sonntag, 7. März, die Nachfolge an. Sein Einführungsgottesdienst ist ebenso wie der Abschiedsgottesdienst bereits ausgebucht.

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Leiterin des Medienhauses Lünen Wer die Welt begreifen will, muss vor der Haustür anfangen. Darum liebe ich Lokaljournalismus. Ich freue mich jeden Tag über neue Geschichten, neue Begegnungen, neue Debatten – und neue Aha-Effekte für Sie und für mich. Und ich freue mich über Themenvorschläge für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen.
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