Alleine löffeln muss Milica „Cica" Mihelj ihre mexikanische Bohnensuppe im Restaurant Haus Pferdekämper. Die Wirtin vermisst im nicht enden wollenden Corona-Lockdown ihre Gäste, für die sie aber immer noch Gerichte zum Abholen kocht. © Reinhard Schmitz
Restaurants in Schwerte

Wirtin Cica Mihelj rätselt: Wie geht es weiter mit Haus Pferdekämper?

Seit über 40 Jahren führt „Cica“ Mihelj das Restaurant Haus Pferdekämper. Mit aller Energie kämpft sie gegen die Corona-Krise. Doch jetzt bedroht eine ganz andere Entwicklung ihre Existenz.

Dass sie nicht mehr auf ihrem Stammplatz auf dem hölzernen Tischpodest neben der Eingangstür sitzt? Vor dem weißen Sprossenfenster, durch dessen Scheiben man das Treiben auf der Ostenstraße jederzeit so gut im Blick hat? Man kann es sich nicht vorstellen. Alles in dieser rustikalen Gaststube atmet den Geist von Milica Mihelj, die alle Gäste nur Cica nennen. Seit über 40 Jahren ist sie Wirtin und Seele der Traditionsgaststätte Haus Pferdekämper. Ans Aufhören hat die 73-Jährige nie auch nur einen einzigen Gedanken verschwendet. Doch jetzt macht sie sich Sorgen, wie es weitergeht. Der Anlass ist weit schwerwiegender, als es Corona sein könnte.

Den neuen Hauseigentümer kennt die Wirtin noch gar nicht

„Das Haus ist verkauft“, berichtet Cica Mihelj. Das habe sie vonseiten der Erben des Mannes erfahren, mit dem sie im August 1980 den Mietvertrag für das Restaurant an der Ostenstraße 11 abgeschlossen hatte: „Die Frage ist groß, ob ich hier bleiben darf oder nicht.“ Angeblich werde ihr Mietvertrag übernommen. Aber für wie lange? Und wer ist der neue Eigentümer? „Ich weiß es gar nicht“, sagt die beliebte Wirtin. Bisher habe er sich noch nicht vorgestellt. Dem Vernehmen nach solle er aber aus Schwerte kommen.

Seit 1764 prägt das Haus Pferdekämper das Bild an der Ostenstraße 11. Jetzt hat es einen neuen Eigentümer bekommen, wie Wirtin Milica „Cica
Seit 1764 prägt das Haus Pferdekämper das Bild an der Ostenstraße 11. Jetzt hat es einen neuen Eigentümer bekommen, wie Wirtin Milica „Cica” Mihelj mitgeteilt wurde. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

„Ab 1. März wahrscheinlich zahle ich die Miete an den neuen Besitzer“, erklärt Cica Mihelj. Wenn der aber das Restaurant selber betreiben wolle, befürchtet sie, gehen zu müssen. Dabei habe sie seinerzeit mit dem alten Eigentümer per Handschlag eine Vereinbarung getroffen: „Pferdekämper hat mir gesagt, dass ich hier bleiben kann, so lange ich lebe.“ Dafür gebe es auch drei Zeugen, die sie namentlich aufzählen kann: „Aber was nutzt das. Er ist unter der Erde.“

Sie hat ganz viel Mühe und Geld in das Objekt gesteckt

Cica Mihelj erinnert sich noch ganz genau an die Momente, als sie am 1. August 1980 den Vertrag unterschrieb und am 29. August eröffnete: „Das war ein Samstag, das weiß ich noch bis heute.“ Vorher war großes Aufräumen und Saubermachen in dem 1764 gebauten Haus angesagt, das Pferdekämper seit 1950 als Kneipe betrieben habe. Mühe und Geld steckte die Wirtin auch später in ihr Herzensprojekt, als sie die Kegelbahn einbaute, die Biertenne einrichtete und den kleinen Raum im hinteren Bereich herrichtete: „Das habe ich alles selber bezahlt.“

Eigentlich wollte Milica „Cica
Eigentlich wollte Milica „Cica” Mihelj im August 2020 ihr 40-jähriges Wirtejubiläum im Haus Pferdekämper groß feiern – wenn nicht Spaßverderber Corona gekommen wäre. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

„Meine schönste Zeit habe ich hier gelassen“, sagt Cica Mihelj. Die Gäste bedeuten ihr weit mehr als zahlende Kunden. Sie sind für die Wirtin zu einer Familie geworden: „Ich sage immer wieder, ich habe die besten Gäste der Welt.“ Es ist diese einmalige Atmosphäre, die das Leben im Haus Pferdekämper ausmacht. Keiner möchte sie missen: „Die Leute sagen: Cica, verlass uns nicht. Wenn du auch noch gehst, wo gehen wir dann hin?“

Nach Corona wird das 40-jährige Jubiläum groß nachgefeiert

Das ist der Grund, trotz aller Schwierigkeiten weiter nach vorne zu schauen. „Nur wegen meiner Gäste, die liebe ich“, erklärt die Wirtin, die eigentlich längst von ihrer Rente leben könnte. Deshalb lässt sie sich auch von Corona nicht stoppen. Selbst wenn die zweite verordnete Zwangsschließung ihr die Einnahmen der besten Monate von Oktober bis Januar genommen hat. Als kleinen Ausgleich bietet Haus Pferdekämper Essen zum Selbstabholen an. Täglich außer donnerstags ist das von 12 bis 20 Uhr möglich, wenn man das Gericht einen Tag vorher unter Tel. (0170) 3461073 bestellt hat.

„Die Stammgäste unterstützen mich mit Essen zum Mitnehmen“, freut sich Cica Mihelj. Aber sie weiß auch: „Das können sie nicht jeden Tag machen.“ Außerdem macht das leckerste Gericht nicht mehr so viel Spaß, wenn man sich wegen der Pandemie-Vorschriften auch zu Hause nur noch mit zwei Leuten am Tisch treffen darf. „Es ist eine Katastrophe, was man mit uns macht“, sagt die Wirtin. Doch sie kämpft weiter und hat ein Ziel: „Wenn Corona vorbei ist, dann feiern wir mein 40-jähriges Jubiläum nach.“

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
Zur Autorenseite
Reinhard Schmitz
Lesen Sie jetzt