Menschenleer war die Hüsingstraße nach Inkraftttreten der Ausgangssperre am Montagabend um 21 Uhr. © Reinhard Schmitz
Corona in Schwerte

Tag 1 der ersten Ausgangssperre im Frieden: So sah es in Schwerte aus

Wer den Krieg nicht erlebt hat, kannte so etwas nicht: Die Ausgangssperre wegen der Corona-Pandemie trat am Montagabend in Kraft. Mit dem Presseausweis haben wir uns in Schwerte umgesehen.

Selbst die Stadttauben, die den ganzen Tag versucht hatten, ihr Nest auf einem Rollladenkasten der Sparkasse zu bauen, waren verschwunden. Das Leben verschwand aus der Stadt, als die Zeiger der goldglänzenden Kirchturmuhr von St. Viktor sich am Montagabend (19.4.) der magischen „9“ näherten. Der Stunde, in der sie zum ersten Mal in Friedenszeiten den Beginn einer nächtlichen Ausgangssperre verkünden mussten. Kurz vorher sah man noch ein paar Menschen durch die Fußgängerzone huschen. Offensichtlich auf dem Nachhauseweg oder beim unaufschiebbaren Gassi-Gang mit ihrem Hund.

Plötzlich schallten Stimmen durch die Fußgängerzone

Doch dann wurde es leer. Für einen, der auszog, nach Corona-Maßnahmen-Brechern zu suchen, wäre nicht allzu viel zu erleben gewesen. Er hätte nur aufgehorcht, als in Höhe eines Telefon-Shops an der Hüsingstraße Wortfetzen herüberschallten. Das Geschäft war dunkel, die Bildschirm-Werbung im Schaufenster lief ohne Ton. Von wo kamen die Stimmen? Beim genauen Hinhören war es ein Gespräch aus einer Wohnung über den Geschäftsetagen, das bis auf die Straße zu verfolgen war – so menschenstill war es in Schwertes Einkaufsmeile.

Straßensozialarbeiter „Quarterback
Straßensozialarbeiter „Quarterback” Peter Blaschke hatte vor Inkrafttreten der Ausgangssperre noch einmal die informellen Treffpunkte der Jugendlichen in Schwerte abgefahren, um sie an die Maßnahme zu erinnern. Auch an der Halfpipe neben der Rohrmeisterei hielt sich nach 21 Uhr niemand mehr auf. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Lediglich am Cavaplatz gackerten noch zwei ausgelassene Mädchen. Offensichtlich hatte sie der Appetit verführt, die Pommesbude neben dem ehemaligen Blumen-Risse-Laden anzusteuern – doch dort gab es in der Ausgangssperre nichts mehr. Der Betreiber machte die Tür zu. Die jungen Frauen, jetzt leiser geworden, verschwanden in einer Seitengasse.

Peter Blaschke hatte vorher die Treffpunkte der Jugend abgefahren

Nicht ein einziger Mensch verlor sich auf dem Marktplatz, wo die Lokale eh geschlossen waren. Die Gitter an der Einfahrt zur Tiefgarage waren heruntergelassen – genauso wie diejenigen an den Zugängen der Passage im City-Center. Selbst an der Rohrmeisterei herrschte tote Hose. So leer wie an diesem Abend 1 der Ausgangssperre hätte sich mancher den großen Parkplatz zu anderen Zeiten gewünscht. Aber halt, da stand doch ein Elektro-Smart. Er gehörte Peter Blaschke, dem Straßensozialarbeiter, der sich als „Quarterback“ im Auftrag des Vereins für soziale Integrationshilfen (VSI) um Jugendliche in Schwerte kümmert.

Kurz vor 21 Uhr verschwanden die letzten Fußgänger aus der Mährstraße.
Kurz vor 21 Uhr verschwanden die letzten Fußgänger aus der Mährstraße. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Peter Blaschke hatte vor 21 Uhr noch einmal eine Runde gedreht, um alle bekannten Treffpunkte anzusteuern und dort auf die vom Kreis neu verhängte Sperrstunde aufmerksam zu machen. Überall sei es anschließend ruhig gewesen, berichtete er. Jugendliche hätten sich sogar für seinen Hinweis bedankt. Und auch an der Skater-Halfpipe neben der Rohrmeisterei hielt sich nicht ein Mensch auf.

Auch das letzte Schwätzchen vor der Post endete irgendwann

Die einzigen, die man noch draußen sah, waren drei Personen an der kleinen Mauer vor der Post. Sie hielten noch ein kleines Schwätzchen in irgendeiner Sprache, bis auch sie nach Hause gingen. Vielleicht hatte auch die einsetzende Abendkälte ihren Beitrag dazu geleistet.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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