Volker Schöttler betreibt mit seinem Bruder Guido Schöttler die Schwerter Orchideenzucht. Der Onlineshop kompensierte die Ausfälle durch die Corona-Krise. © Carina Strauß
Schwerter Orchideenzucht

Schwerter Orchideenzucht: “Beim Onlineversand einen absoluten Rekord aufgestellt”

Dank Onlineshop kommt die Schwerter Orchideenzucht recht gut durch die Krise. Welche Güter knapp werden und wie Orchideen eigentlich auf Reise geschickt werden erzählt Volker Schöttler.

Bei der Schwerter Orchideenzucht an der Bergstraße in Schwerte läuft der Betrieb auf Hochtouren und das trotz Corona-Krise. Der Grund: Der Onlineshop. „Im Onlineshop haben wir in der Regel über 1000 Artikel im Angebot”, erzählt Volker Schöttler, der den Betrieb zusammen mit seinem Bruder Guido Schöttler leitet.

Doch die Auswahl im Onlineshop ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. „Insgesamt haben wir wahrscheinlich 2000 bis 2500 Artikel, das ist aber nicht alles immer schon für den Shop geeignet, denn es muss ja erstmal bewurzelt werden.” Sechs bis zwölf Monate dauert es, bis die kleinen Orchideen bewurzelt sind.

Phalaenopsis größtenteils aus Holland

Bei der Schwerter Orchideenzucht findet man größtenteils Naturarten. „In der Natur gibt es 25.000 verschiedene Orchideenarten. Davon haben wir ca. 10 Prozent im Angebot. Wir züchten aber auch Hybriden, also Kreuzungen aus Naturarten, insbesondere bei der Phalaenopsis.”

Die “normalen” Phalaenopsis kommen größtenteils aus Holland. © Carina Strauß © Carina Strauß

Das was die meisten von uns kennen, die normale Phalaenopsis, wird in Schwerte aber nur noch zu einem ganz kleinen Teil selbst produziert. „Die sind alle aus Holland. Dort ist kein Betrieb unter 100.000 Quadratmeter, sonst kann man das nicht mehr rentabel produzieren. Wir haben das früher auch gemacht, aber wir haben es eingestellt, damit konnte man keinen Blumentopf mehr gewinnen”, sagt Schöttler.

Im Onlinegeschäft interessiere die normale Phalaenopsis so gut wie keinen. „Da interessieren sich die Leute für Naturformen, ausgefallene Blütenfarben, etc.”, so Schöttler.

Zwischen 300.000 und 500.000 Pflanzen

Bei einem Rundgang durch die Häuser der Schwerter Orchideenzucht kann man nur erahnen, wie viele Pflanzen hier wachsen. Der Betrieb erstreckt sich über 1600 Quadratmeter. „Die Anzahl der Pflanzen kann ich nur ganz grob schätzen. Ich denke, es sind immer so 300.000 bis 500.000. Man hat auf dem Quadratmeter ganz schnell mal 300 Pflanzen liegen”, so Schöttler.

Auf einem Quadratmeter liegen bei der Schwerter Orchideenzucht schnell mal 300 Pflanzen. © Carina Strauß © Carina Strauß

Auch Deko wird bei der Schwerter Orchideenzucht verkauft, wenn nicht gerade Corona-Zeit ist. Doch das ist nicht das einzige Problem, das sich für den Betrieb ergibt. „Wir liefern an andere Orchideen-Gärtner, die auf Ausstellungen verkaufen. Aber es gab das ganze Jahr keine Ausstellung. Da sind wir auf viel Ware sitzen geblieben.”

„Absoluter Rekord” beim Onlineversand

Doch zum Glück betreibt man einen erfolgreichen Onlineshop. „Wir konnten die Ausfälle durch den Onlineversand mehr als kompensieren. Im letzten Jahr haben wir beim Onlineversand einen absoluten Rekord aufgestellt”, erzählt Volker Schöttler.

Mit einem speziellen Programm, können die Mitarbeiter (und auch der Kunde zuhause) genau sehen, wo die Pflanzen derzeit liegen. © Carina Strauß © Carina Strauß

Der Onlineshop habe den Vorteil, dass man nicht auf Deutschland oder Europa beschränkt ist. „Wenn es das Wetter zulässt, haben wir so im Schnitt 150 Bestellungen die Woche.”

Doch bei Orchideen ist das nicht so einfach wie bei Büchern oder Handys. „Wir packen nur Montags bis Mittwochs, damit die Pflanzen alle noch vor dem Wochenende ankommen”, so Schöttler. Den Pflanzen mache der Aufenthalt im Karton in der Regel nicht viel aus. „Wir haben auch schon Lieferungen nach Saudi Arabien gehabt. Der Karton war sechs Wochen unterwegs. Die waren trotzdem okay.”

Viel Papier, möglichst wenig Plastik

Die Pflanzen werden ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend verpackt. „Wir versuchen möglichst alles in Papier zu packen. Unser Plastikmüll hat sich im Gegensatz zu früher ganz massiv reduziert. Ein bisschen was lässt sich aber nicht vermeiden, zum Beispiel bei kleineren Pflanzen, wo sonst die Erde aus dem Topf fällt”, weiß Schöttler.

Wenn es beim Empfänger zu kalt ist, müssen Bestellungen zunächst liegen bleiben. © Carina Strauß © Carina Strauß

In dieser Woche konnten nicht alle Bestellungen auf den Weg gebracht werden. Auf mehreren Wagen stehen noch Pflanzen – offene Bestellungen. „Die konnten aufgrund der Temperaturen nicht verschickt werden. In Bayern war es zu kalt. In Deutschland verschicken wir bei Temperaturen von bis zu -4 Grad.” Da reicht dann aber einfaches Papier nicht mehr aus. Bei niedrigen Temperaturen werden die Pflanzen zusätzlich in Luftpolsterfolie gepackt und ein „Heat-Pack” dazugelegt.

„Man muss die Pflanzen sehen”

Wer jetzt denkt, in einem so großen Betrieb laufe das Meiste vollautomatisiert, der irrt. Lüftung, Schattierung und Energieschirm laufen vollautomatisch. Die Bewässerung dagegen nicht. Aus einem ganz einfachen Grund. „Sonst sieht man die Pflanzen zu selten. Mann muss die Pflanzen ein bis zweimal die Woche sehen, um zum Beispiel Schädlingsbefall früh genug zu erkennen”, erklärt Schöttler.

So kommen die angezüchteten Pflanzen aus dem Labor bei der Schwerter Orchideenzucht an. Ein eigenes Labor hat man hier nicht mehr. © Carina Strauß © Carina Strauß

Was Heizung und Strom angeht, so ist wohl kaum ein Betrieb in Schwerte sicherer vor einem Ausfall als die Schwerter Orchideenzucht. „Wir haben drei Heizungen. Damit sind wir, auch wenn eine Heizung mal ausfällt, immer auf der sicheren Seite. Dazu kommen drei Stromversorgungen.”

Im Prinzip also ein Hochsicherheitstrakt, aber warum eigentlich? „Das hat was mit der Versicherung zu tun. Wenn man nur eine Heizung hat, dann sind die Prämien irre hoch. Wenn die Heizung im Winter ausfällt, dann sind die Pflanzen nach zwei Tagen hinüber.”

Probleme mit der Lieferung

Viele Naturformen macht das Team der Schwerter Orchideenzucht oft selber, „weil sie einen höheren Ertrag bringen.” Die Hybriden dagegen werden oft importiert. „Bei uns würde es acht bis zehn Jahre dauern, bis die Pflanze blühstark ist. In Thailand dauert es keine vier”, begründet Volker Schöttler.

Auch die Rinde aus Indonesien kann aufgrund von erhöhten Frachtraten derzeit nicht geliefert werden. © Carina Strauß © Carina Strauß

Doch das wurde durch die Corona-Krise zum Problem. „Im Moment ist das sehr schwierig. Im Frühjahr haben wir fast gar nichts reinbekommen, weil es keine Flüge gab. Die meiste Fracht geht mit den Linienflügen und nicht mit Frachtflügen. Außerdem sind die Frachtraten teilweise bis zu 500 Prozent erhöht.” Und auch die Rinde, mit der die Erde der Pflanzen abgedeckt wird, kommt aus Indonesien und kann derzeit aufgrund zu hoher Frachtraten nicht geliefert werden.

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