Bürgermeister Dimitrios Axourgos hielt die Eröffnungsrede. Das Forum Zukunft der Innenstadt wurde ausschließlich ins Internet übertragen. © Muehlbauer, Heiko
Zukunftsforum Innenstadt

Schwerte nach der Pandemie: Weniger Geschäfte, aber dafür neues Leben

Wie sieht die Schwerter Fußgängerzone nach Corona aus? Eines steht fest: Auf H&M und Co. darf man nicht hoffen. Überhaupt wird es weniger Geschäfte geben, sagen die Experten.

Im vergangenen Jahr war die Halle 2 der Rohrmeisterei beim ersten Zukunftsforum Innenstadt proppenvoll. Bei der zweiten Auflage am Donnerstag (21.1.) war man zwar auch in der kleinen Halle der Rohrmeisterei, aber ohne Publikum. Dafür aber mit Kamerateam, denn das zweite Forum wurde wegen des Lockdowns nur live ins Internet übertragen.

Pandemie erschwert die Entwicklung

Klar, Corona war auch ein wichtiges Thema in allen Beiträgen. „Natürlich erschwert die Corona-Pandemie die Entwicklung der Innenstädte“, sagte Bürgermeister Dimitrios Axourgos gleich zu Beginn seiner Eröffnungsrede. Aber eben nicht das einzige. Und die Entwicklung der City sei durch Gestaltung und nicht nur durch Abwehr von Problemen zu bewerkstelligen.

Stadtmarketingchef Michael Kersting: „Ich bin davon überzeugt, dass die Innenstadt der Postcorona-Zeit nicht durch Primark und Zara bestimmt ist.“
Stadtmarketingchef Michael Kersting: „Ich bin davon überzeugt, dass die Innenstadt der Postcorona-Zeit nicht durch Primark und Zara bestimmt ist.“ Während des Livestreams wurden immer auch Präsentationen gezeigt. © Muehlbauer, Heiko © Muehlbauer, Heiko

Corona sei nicht die einzige Bedrohung für Handel und Leben in den Fußgängerzonen. Die Pandemie beschleunige aber die Vorgänge. „Schon vor der Corona-Pandemie standen die Innenstädte vor großen Herausforderungen“, erklärte Stadtmarketingchef Michael Kersting. Und das liege nicht an der mangelnden Konsumfreude. Denn 2021 verbuchte der Umsatz im Einzelhandel Rekorde. Das lag jedoch hauptsächlich am Onlinehandel. Vor allem im Textilsektor gingen die Umsätze deutlich zurück.

„Nicht mehr Leerstände als vor einem Jahr“

Dabei steht Schwerte nach Ansicht des Stadtmarketingchefs gar nicht so schlecht dar: „Es gibt aktuell nicht mehr Leerstände als vor einem Jahr.“ Elf Ansiedlungen und drei Zwischennutzungen seien neu. Insgesamt gibt es in ganz Schwerte derzeit 44 Leerstände, acht davon in der Hauptlage, also an Hüsingstraße und Mährstraße. Die mit Filialisten zu füllen, sei keine Option.

„Ich bin davon überzeugt, dass die Innenstadt der Postcorona-Zeit nicht durch Primark und Zara, sondern durch die Individualität der Produkte und ihrer Händler bestimmt sind“, so Kersting.

Was der Schwerter Innenstadt fehlt, da hatten die Teilnehmer viele Ideen, vom Pop-up-Store über die Nutzung der Flachdächer bis hin zu einer Überdachung der Fußgängerzone. Deutlich wurde aber auch: Für die Stadt nach Corona gilt immer mehr, sie lebt nicht mehr so sehr vom Einzelhandel, sondern von einer Mischung – als Treffpunkt, durch Gastronomie, vielleicht auch durch Kindergärten, Schulen oder andere Einrichtung, die Menschen in die Stadt ziehen.

City der Zukunft besteht aus weniger Geschäften

Was nach Corona in den Innenstädten folgt? Professor Frank Othengrafen versuchte sich an einer Antwort. Der Raumplaner empfiehlt eine Nutzungsmischung. Nicht jede Einzelhandelsfläche müsse eine bleiben. Leerstände könnten mit urbanem Handwerk oder auch als Architekturbüro oder ähnliches genutzt werden.

Und auch Pop-up-Stores, also Läden auf Zeit, seien möglich. Die gibt es zum Beispiel in Warburg, wo Bürger, Künstler, Gewerbetreibende oder Handwerker sich für ein Jahr in einem Laden ausprobieren können. Letztlich sei die Krise für die Innenstädte auch eine Chance.

Enteignung von Alt Schwerte nur eine Option

Natürlich gehört aber auch die Abwehr von Problemen zur Entwicklung der Innenstadt. Und da gibt es zumindest zwei Punkte, die vor allem die Stadtverwaltung umtreiben. Dazu zähle, dass man einen Schandfleck wie Alt Schwerte beseitige, zur Not auch durch Enteignung, sagte Axourgos und fügte an: „Darüber verhandeln wir gerade mit der Bezirksregierung.“ Stadtplaner Christian Voecks ergänzte, dass man aber auch mit dem Besitzer weiter intensiv verhandele, denn eine Enteignung sei ein sehr langwieriger bürokratischer Prozess.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer
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