Jan-Philipp Braß vom Hof Kückshausen demonstriert Hygiene auf dem Reiterhof: Hand-Desinfektion, Mundschutz und Eintrag in die Namenslisten. © Holger Bergmann
Strikte Quarantäne auf Pferde-Höfen

Noch ein Virus verändert das Leben einiger Menschen in Schwerte und Dortmund

Mit Corona bestimmt seit einem Jahr ein Virus unser Leben. Nun mischt sich ein zweites ein. Die Pferde-Höfe in Schwerte und auch das Gut Kückshausen in Syburg haben eine strikte Quarantäne ausgerufen.

Das Corona-Virus ist im Vergleich mit dem Pferde-Herpes ein junger Krankheitserreger. Pferdebesitzer und Mitarbeiter von Reiterhöfen kennen den Pferde-Herpes-Erreger seit vielen Jahren. In Abständen kommt das Virus immer wieder und bringt das Leben von Menschen, die mit Pferden zu tun haben, durcheinander.

„In Spanien ist es aktuell ganz schlimm“, sagt Jan-Dirk Braß vom Gut Kückshausen in Syburg. „Im Rheinland soll es ein paar Fälle geben“, berichtet Kornelia Schulte von der Reitanalage Schulte in Schwerte-Ergste. Ein Hufschmied habe ihr das erzählt.

Dass niemand Genaues weiß, zeigt, wie unübersichtlich die Lage ist. Obwohl es in Schwerte noch keine Fälle gab, haben alle Pferde-Höfe eine strikte Quarantäne ausgerufen.

Alle Reitwettbewerbe abgesagt

Damit reagieren die Reitbetriebe auf die Entscheidung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN – Fédération Équestre Nationale), bis Ende März alle Reitwettbewerbe abzusagen.

Wegen Corona gab es im Amateurbereich schon lange keine Wettbewerbe mehr, doch ähnlich wie beim Fußball fanden professionelle Veranstaltungen immer noch statt.

Das Pferde-Herpes-Virus (Equinen Herpesvirus (EHV-1)) hat einige bestimmte Eigenheiten. So geht man davon aus, dass 80 Prozent aller Pferde das Virus in sich tragen. Erst bei einer Neuinfektion bricht die Krankheit aus.

Schwere Verläufe sind tödlich

In leichten Verläufen bemerkt man an den erkrankten Pferden Fieber, Ausfluss aus der Nase und geringen Appetit. In schweren Fällen befällt das Virus das Nerven-System des Pferdes. Die Folge ist der Tod.

Das ist jetzt in Valencia passiert. Mindestens fünf Pferde aus Deutschland, die gerade dort bei einem Turnier waren, sind bislang gestorben, meldet die FN. Gegen die Verbreitung des Virus helfen nur Quarantäne und Impfungen. Aber bei Impfungen gibt es ein Problem.

„Das Serum ist gerade vergriffen“, berichtet Jan-Dirk Braß. Und obwohl die hundert Pferde auf seinem Hof bereits geimpft sind, stehen sie nun unter einer scharfen Quarantäne. Die Pferde dürfen das Gelände nicht verlassen, wer sie besucht, darf nur diesen einen Hof besuchen.

Einmal komplett umziehen

Auf Hof Böckelühr in Schwerte gilt eine etwas andere Regel. Wer Pferde auf zwei Höfen hat, muss sich zwischen den Besuchen einmal komplett umziehen. Zusätzlich gelten überall die Corona-Hygiene-Regeln mit Mundschutz und Hand-Desinfektion.

Mehrere Schwerter Höfe sind die Heimat von Pferden, die von Profis geritten werden. Sie mussten bereits am vergangenen Wochenende im Stall bleiben. Normalerweise wären sie in Warendorf bei einem Turnier des Hofes Schulze Niehues angetreten. Momentan findet auch kein Training statt.

Die Pferde werden nun täglich begutachtet. Mitarbeiter der Höfe beobachten das Fressverhalten. Veterinäre messen Fieber, um einem Ausbruch sofort zu bemerken.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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