Anna Denno ist Mitarbeiterin bei "Hörakustik Hesselbach" . Die 38-jährige Mutter eines Sohnes hat erzählt, warum das Unternehmen, in dem sie arbeitet, besonders familienfreundlich ist. © Martina Niehaus
„Pluspunkt Familie“

Mitarbeiterin und Mama: „Die Chefin hat immer ein offenes Ohr für uns“

Das Bündnis für Familie Kreis Unna zeichnet familienfreundliche Unternehmen aus. Unter den Schwerter Kandidaten: Hörakustik Hesselbach. Warum Familien es dort gut haben? Wir haben gefragt.

Wenn Mitarbeiterin Anna Denno (38) über ihre Chefin Britta Hesselbach-Komander redet, wird schnell klar: Der Begriff „ein offenes Ohr haben“ ist kein interner Hörakustiker-Witz. Anna Denno meint es ernst damit.

Die 38-Jährige hat mit Anfang 20 im Geschäft am Schwerter Westwall angefangen. Hörakustikmeisterin Britta Hesselbach-Komander führt das Familienunternehmen, das im Kreis Unna inzwischen fünf Fachgeschäfte hat: in Schwerte, Unna, Frödenberg, Hemer und Iserlohn.

„Hier fühlt sich die Arbeit nicht wie Arbeit an“

Anna Denno kam im Jahr 2003, um ein Praktikum zu absolvieren – und ist geblieben. „Ich habe mir früher immer gewünscht, dass ich einen Job finde, in dem ich gerne arbeite. Hier fühlt sich die Arbeit nicht wie Arbeit an“, sagt die Mutter eines fast fünfjährigen Sohnes.

Was macht das Unternehmen so besonders? Anna Denno muss nicht lange überlegen: „Nur wenige Jahre nach meiner Ausbildung habe ich 2011 meine Meisterin gemacht. Die Chefin hätte mich als Meisterin gar nicht im Geschäft gebraucht, aber ich durfte mich weiterentwickeln.“

Die Wertschätzung, die sie erfahre, sei sehr hoch, erzählt Anna Denno. „Nie heißt es hier: Du kannst etwas nicht. Vielmehr wird gefragt: Wie kann ich dich fördern?“ Außerdem habe Britta Hesselbach-Komander ein gutes Gespür für ihr Team.

Die Chefin macht vieles möglich

So auch vor knapp fünf Jahren: Als Anna Denno ihren Sohn Joris bekommt, ist eigentlich verabredet, dass sie für ein Jahr aussetzt. Ein weiterer Mitarbeiter wird eingestellt. Doch wenige Wochen nach der Geburt fällt der jungen Mutter die Decke auf den Kopf – und die Chefin hat Verständnis.

„Ich wollte unbedingt wieder arbeiten gehen. Sie hat das möglich gemacht und alle neu eingeteilt. Obwohl ich die Planung ganz schön durcheinandergewirbelt habe. Das gesamte Team hat mitgemacht, und acht Wochen später war ich wieder da. Mein Mann hat dann Elternzeit genommen“, erzählt sie.

Sie sei nicht die Einzige, sagt die 38-Jährige. „So viele Mitarbeiter sind seit Jahren hier, und so viele Kinder wurden geboren. Mit 18 Jahren Zugehörigkeit bin ich hier eine der Jüngsten.“

Zweifache Mutter kennt den Spagat zwischen Job und Familie

Britta Hesselbach-Komander ist bei diesem Gespräch übrigens nicht dabei. Sie hat kurz zuvor mit uns gesprochen. Aus- und Fortbildung, diese Dinge seien ihr wichtig, sagt sie. „Ich möchte meine Mitarbeiter fördern und stärken, für uns ist das Wir-Gefühl wichtig.“

Britta Hesselbach-Komander (r.) und ein Teil ihres Teams von Hörakustik Hesselbach. Das Unternehmen beteiligt sich beim Wettbewerb
Britta Hesselbach-Komander (r.) und ein Teil ihres Teams von Hörakustik Hesselbach. Das Unternehmen beteiligt sich beim Wettbewerb „Pluspunkt Familie“ des Kreises Unna. © Martina Niehaus © Martina Niehaus

Als Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Söhnen kennt die 62-Jährige den Spagat zwischen Job und Muttersein. Bei privaten Notfällen sind die Dienstwege kurz. Die beiden Firmenfahrzeuge dürfen auch mal privat genutzt werden, wenn es nicht anders geht.

Es gibt einen Zuschuss zu Kinderbetreuungskosten, oder zur Mutter- oder Vater-Kind-Kur. Auch bei Sonderurlaubstagen und Stundenreduzierungen ist vieles flexibel geregelt, sodass Mitarbeiter mit Familien sich gut aufgehoben fühlen.

Zu Corona-Zeiten gab es kein Home-Office – aber Bingo

Was Britta Hesselbach-Komander ein wenig bedauert: „Zu Corona-Zeiten konnten wir kein Home-Office anbieten wie andere Unternehmen. Denn als Hörakustiker sind wir systemrelevant und müssen für unsere Kundinnen und Kunden vor Ort sein.“

Trotzdem – auch in Corona-Zeiten gab es Unterstützung. „Wir waren eineinhalb Monate in Kurzarbeit, haben aber aufgestockt und die Gehälter voll bezahlt“, erklärt die Chefin. Bei der Personalplanung nahm man Rücksicht auf Eltern betreuungspflichtiger Kinder: „So konnte einer unserer Mitarbeiter 25 Tage zu Hause bleiben.“

Und auch im Corona-Lockdown ging es weiter ums „Wir-Gefühl“: „Wir haben einen Online-Bingo-Abend gemacht“, erinnert sich Britta Hesselbach-Komander. „Jeder bekam eine Tüte mit nach Hause. Darin waren ein Bergmann-Bier, Popcorn, ein Schnäpschen und die Bingo-Karte. Und dann haben wir gespielt.“

Familienunternehmen geht in die zweite Generation

Anna Denno ist heute froh darüber, dass sie im Lockdown zur Arbeit gehen konnte. „Ich war so dankbar, dass ich diesen Job hatte“, sagt sie. Und findet es gut, dass einer der Söhne ihrer Chefin, David Komander, vor rund zweieinhalb Jahren mit eingestiegen ist. „Die beiden ergänzen sich gut.“

Britta Hesselbach-Komander und ihr Sohn David Komander: Das Familienunternehmen ist auf dem Weg in die zweite Generation.
Britta Hesselbach-Komander und ihr Sohn David Komander: Das Familienunternehmen ist auf dem Weg in die zweite Generation. © Hesselbach © Hesselbach

Britta Hesselbach-Komander freut sich ebenfalls, dass ihr 33-jähriger Sohn in das Unternehmen hineinwächst. „Er wird es sukzessive übernehmen, sodass der Übergang irgendwann für alle Mitarbeiter ganz entspannt ablaufen kann“, sagt sie.

Zurzeit arbeiten Mutter und Sohn in einer Art Doppelspitze zusammen. „Natürlich kracht es schon mal, aber das ist normal. Wir kommen super miteinander aus.“ Wie es in einer Familie eben sein sollte.

Der Wettbewerb „Pluspunkt Familie“

  • 26 Unternehmen, Einrichtungen und Verbände sind im Rennen um den „Pluspunkt Familie“ und wollen damit als familienfreundliches Unternehmen Kreis Unna 2021 ausgezeichnet werden. Sie haben sich beim Wettbewerb des Bündnisses für Familie Kreis Unna beworben.
  • In diesen Wochen besuchen Vertreter vom Bündnis für Familie, der Kreisverwaltung Unna, dem Jobcenter Kreis Unna, der Arbeitsagentur und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Unna die Firmen und sammeln Informationen über das jeweilige familienorientierte Firmenengagement als Grundlage für die Juryentscheidung.
  • Das Unternehmen „Hörakustik Hesselbach“ war vor zwei Jahren bereits einer der Preisträger. Im Geschäft am Westwall sind die Jurymitglieder am Dienstag (12.10.) zu Gast.
  • Zwei weitere Schwerter Unternehmen, die sich beworben haben, sind „Diagramm Halbach“ und das Klara-Röhrscheidt-Haus. Wir werden auch diese Bewerber demnächst vorstellen.
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Begegnungen mit interessanten Menschen und ganz nah dran sein an spannenden Geschichten: Das macht für mich Lokaljournalismus aus.
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Martina Niehaus

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