Ernst Bauermann von Riehl Bauermann + Partner hat mit seinem Tema den Wettbewerb zur Gestaltung des Marktplatzes gewonnen. © privat
Interview

Marktplaner: „In der Ausschreibung stand, die Bäume könnten alle überplant werden“

Warum müssen einige Bäume am Marktplatz weg? Warum kann man nicht einfach umplanen und wer hat mit den Anwohnern gesprochen? Ein Interview mit Ernst Bauermann, dem Planer des neuen Marktes.

Die Situation am Marktplatz ist verfahren. Eine Bürgerinitiative hat über 1000 Unterschriften zum Erhalt aller Marktbäume gesammelt. Die Stadt hat erklärt, man könne einzelne Bäume auch umpflanzen. Leserbriefschreiberinnen und -schreiber zweifeln die Notwendigkeit der Umgestaltung an – und das alles ein Jahr nach Beginn der Planung und einem Wettbewerb zur Umgestaltung.

Im Gespräch gibt der Gewinner des freiraumplanerischen Wettbewerbs, der Landschaftsarchitekt Ernst Bauermann, Antworten zu Bäumen, Öffentlichkeit und möglichen Bauzeiten.

Zu Beginn die Frage der Fragen bei diesem Thema: Hätte man nicht so planen können, dass alle Bäume bleiben können?

Ich tue mich mit solchen Fragen immer ein bisschen schwer. Die Frage ist zu einfach gestellt. Man kann einen Markt mit dem Altbestand planen. Mit einem großen Aber dahinter: Wenn man nun zum jetzigen Planungsstand, im vorangeschrittenen Planungsprozess den Bäumen oberste Priorität einräumen würde, müsste man in anderen Bereichen erhebliche Einschneidungen vornehmen. Die Planungsaufgabe ist vor geraumer Zeit formuliert worden.

Warum ist das so?

Der Marktplatz hätte nicht mehr die Größe, die offene Treppe und die Rampenanlage wäre so nicht realisierbar, die Fußwegeverbindungen werden länger und die Verbindung zum Wuckenhof komplizierter. Die Barrierefreiheit wäre gefährdet. Die Marktaufsteller bekämen weniger Platz und die Rettungswege sowie Zulieferungen müssten gänzlich neu geplant werden.

In der ursprünglichen Ausschreibung stand, die Bäume könnten alle überplant werden. Dies gilt auch für die Bäume auf dem kleinen Markt und in der Brückstraße. Wir haben allerdings nur wenig überplant und pflanzen eine Großzahl an neuen Bäumen. Wir sind jetzt an einer Stelle im Planungsprozess, an der die Veränderung der Planungsaufgabe, tiefgreifende Neuplanungen bedeuten würde.

Einwand von Stadtplaner Christian Vöcks:

In der Auslobung stand: Die Lindenreihe soll erhalten bleiben, die weiteren Bäume können überplant werden. Aber der Erhalt aller Bäume war im Vorfeld nie ein Thema.

Beruft sich ein Planungsbüro bei den Entwürfen für den Wettbewerb nur auf die Vorgaben oder spricht man auch mit Nutzern und Anliegern vor Ort?

Als Planungsbüro redet man erst mit den Menschen vor Ort, wenn es zu einer Auftragsvergabe kommt. Sonst würden bei einem Wettbewerb ja eventuell 25 Planungsteams durch die Stadt laufen und Interviews machen. Die Planungsaufgabe wurde ja nicht nur von der Stadt formuliert, sondern auch vom Rat bewilligt.

Anmerkung Vöcks: Es gab ja einen Ratsentscheid mit großer Mehrheit, ein Jury-Urteil, das diesen Entwurf auswählte mit einer Jury, an der auch die Grünen (sowie SPD und CDU) beteiligt waren, einen einstimmigen Beschluss der Auslobung (mit allen Kriterien) des AISU (Planungsausschuss des Rates) und einer Öffentlichkeitsbeteiligung im Vorfeld.

Welche Vorteile bietet der neue Markt nach Ihren Plänen?

Ich glaube, dass der Stadtraum sehr an Qualität gewinnt. Es gibt mehr Aufenthaltsraum, mehr Flächen für Marktbeschicker, mehr Grün auf dem kleinen Markt und der Brückstraße, mehr Angebote für Familien, die Barrierefreiheit wird verbessert. Der Markt wird insgesamt attraktiver, und zieht mehr Touristen in die Stadt durch die Verbindung zur Ruhraue. Und nicht zuletzt: Wir pflanzen auch mehr Bäume, als es bislang gibt“.

Aber sind kleine Bäume nicht ökologisch weniger wertvoll als der Bestand?

Die Bäume, die wir pflanzen wollen, sind nicht die üblichen Pinne. Sie haben schon eine gute Größe. Wir würden gerne noch größere Bäume pflanzen, aber unter dem Markt befindet sich eine Tiefgarage. Das begrenzt die Größe. Grundsätzlich wünschen wir uns eine größere Biodiversität auf dem Markt.

Wir planen, nicht die üblichen Bäume anzupflanzen, sondern stadtklimaresistente Baumarten auszusuchen, die langfristig am Standort stehen bleiben können. Am kleinen Markt sind zudem große Pflanzinseln vorgesehen. An der Brückstraße planen wir ebenfalls neue Straßenbäume. Drei neue Bäume entstehen auf der Marktterrasse. Durch moderne Pflanzsubstrate wird deren Standort deutlich verbessert.

Stoßen Sie in anderen Kommunen auch auf so heftigen Widerstand?

Diskussionen in der Öffentlichkeit gibt es immer, das finden wir auch gut. Die Menschen sind schon die Experten vor Ort. Wir gehen da auch schon drauf ein. Aber man darf die Sachebene nicht verlassen. Wir wollen mit Argumenten überzeugen. Die Entscheidung trifft aber am Ende die Stadt Schwerte. Anderswo wird auch mal über Stellplätze diskutiert. Wichtig ist, dass alle Seiten ein gutes Ergebnis erzielen.

Wie lange ist die Bauzeit bei Ihrer Planung?

Das ist nicht einfach zu sagen, weil man nicht an einem Stück baut. Das geht alleine wegen der Straßen und der Baumaßnahmengröße nicht. Die Maßnahme wird in Bauabschnitte eingeteilt. Das heißt auch, dass man das in mehreren Jahren machen muss, immer einen Bereich nach dem anderen. Auch hier muss man alle Menschen, insbesondere die Anrainerinnen und Anrainer und Geschäftsleute, mitnehmen.

Die Fördermittel fließen in diesem Jahr nicht, was passiert denn in der Zwischenzeit?

Vöcks: Wir planen weiter und sind weiterhin in einem zweiwöchigem Rhythmus im Gespräch. Aber wir haben jetzt etwas mehr Luft für die Durchführung der Planung. Im kommenden Jahr muss die Förderung aber kommen und wir müssen mit dem Land über einen vorzeitigen Baubeginn sprechen. Zuvor, nach den Ferien, soll aber nochmal ein größerer Informationstermin mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie weitere Gesprächstermine mit Betroffenen stattfinden.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer

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