Martin Völker hat immer ein CO2-Messgerät in seinem Arbeitszimmer stehen. Daran erkennt er, wann er wieder lüften sollte. © Holger Bergmann
Coronavirus

Macht radioaktives Radon Homeoffice in Schwerte zur Gesundheitsgefahr?

Was atmet man eigentlich in seiner eigenen Wohnung ein? Darüber machen sich wohl nur wenige Leute Gedanken. Doch was da in der Luft ist, kann giftig sein, sagt der Schwerter Raumluft-Experte Martin Völker.

Ein paar Tage ohne Essen. Ein paar Stunden ohne Trinken. Das geht. Aber ein paar Minuten ohne Atmen? Das schaffen nur trainierte Menschen. „Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel“, sagt Martin Völker.

Deshalb meint der Schwerter Raumluft-Experte, wir alle sollten uns intensiver mit der Luft in unseren Wohnungen beschäftigen, vor allem weil viele Menschen gerade viel mehr Zeit zu Hause verbringen.

Daran hat jetzt auch das Bundesumweltministerium gedacht: Viel mehr Menschen sind im Homeoffice und manche arbeiten sogar im Keller. Statt weniger Minuten pro Tag verbringen die Menschen jetzt Stunden, teilweise den ganzen Tag im Keller.

Natürliches Zerfall-Produkt radioaktiver Elemente

Woran praktisch nur Experten denken: Im Keller wartet ein gefährliches Gas. Radon. Radon ist ein natürliches Zerfall-Produkt radioaktiver Elemente im Boden und selbst radioaktiv. Durch kleinste Risse in der Wand und undichte Anschlüsse kommt es ins Haus.

Wenn es draußen aus dem Boden entweicht, ist die Konzentration in der Luft unbedenklich. Im Keller aber kann es sich anreichern und gesundheitsschädliche Konzentrationen erreichen. Das radioaktive Gas kann Lungenkrebs auslösen.

Laut einer Karte des Bundesministeriums für Strahlenschutz befindet sich Schwerte in einer Region, in der man mit einer Belastung von 20 bis 40 Becquerel pro Kubik-Meter Raumluft rechnen muss. Das ist ein unterdurchschnittlicher Wert.

Gut durchlüften reicht

Das Ministerium gibt auf seiner Internetseite Tipps, wie man den Radon-Gehalt in seiner Keller-Luft misst und wie man dagegen vorgehen kann. Martin Völker sieht das Problem gelassener.

„Gut durchlüften reicht“, meint der Experte. Er selbst setzt auf ein CO2-Messgerät in seinem Büro. Bis zu einer CO2-Konzentration von 1000 ppm (Teile pro Million) gilt Luft als „behaglich“.

Wenn sein Messgerät 700 anzeigt, macht Martin Völker das Fenster auf. „So wird auch Radon nicht zu einem Problem“, sagt der Fachmann. Tatsächlich wenden sich praktisch keine Kunden an ihn, die sich Sorgen um Radon in der Raumluft machen.

Die meisten Menschen denken nur an Aerosole

Die Menschen, die sich an Martin Völker wenden, wollen die Raumluft mit Blick auf die Aerosole verbessern. An Aerosole gehaftet können sich Corona-Viren in geschlossenen Räumen verbreiten.

Martin Völker vermittelt seinen Kunden dann unter anderem Luftreiniger und entsprechende Service-Partner. Denn das Thema Raumluft ist mehr als Radon oder Viren. Luftfeuchtigkeit und verbaute Materialien spielen ebenfalls eine Rolle, wenn es darum geht, sich in den eigenen vier Wänden wohl zu fühlen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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