Herbert Kluge (l.) und Wolfgang Güttler (r.) haben sich mit den Eisenbahnfreunden dafür eingesetzt, dass die geschichtsträchtige Stütze vom Bahnsteigdach als Denkmal vor dem Bahnhof aufgestellt wurde. © Hilmar Schmitt
Eisenbahnfreunde Schwerte

Hüter der Bahngeschichte decken auf: Stadt plante eine eigene Eisenbahn

Heute sind Schulbauten die Millionenprojekte der Stadt. Vor 100 Jahren war es die Idee einer eigenen Eisenbahn. Das deckten die Eisenbahnfreunde Schwerte auf – nur eine ihrer vielen Aktionen.

Da sprang das Interesse an der Eisenbahn bereits ganz früh aus dem Kinderwagen herüber: „Fuff-fuff waren meine ersten Worte – eher als Mama oder Papa“, erinnert sich Wolfgang Güttler an seinen Einstieg in die Eisenbahn-Begeisterung.

Und mit dem von ihm gehaltenen Vortrag im Ruhrtalmuseum am 7. Juli 2010 über die Geschichte der Eisenbahn in Schwerte war auch der Grundstein für die Eisenbahnfreunde Schwerte gelegt.

150 Jahre: „Nächster Halt – Schwerte (Ruhr)“

„Mich begeisterten vor allem die Eisenbahntechnik und der Modellbau“, berichtet Mitstreiter Herbert Kluge über seine Motivation: „Wolfgang Güttler und ich waren schon seinerzeit begeisterte N-Bahner“, eines der Modellbahn-Spurformate (Maßstab 1:160).

Mit viel Einsatz und Unterstützung konnte bereits ein Jahr später im Ruhrtalmuseum eine große vierwöchige Ausstellung zum Thema „150 Jahre Eisenbahn in Schwerte“ stattfinden. „Eine echt gelungene Aktion, rund 4.700 Besucher waren dort“, sagt Wolfgang Güttler nicht ohne Stolz.

Der Erfolg sollte Anstoß zu weiteren Ausstellungen, Vorträgen und Veranstaltungen sein: So beispielsweise der aufwendig gestaltete Tag der offenen Tür anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des ehemaligen Eisenbahn-Ausbesserungswerks in Schwerte-Ost. Eine große Modellbahnanlage und tonnenschwere Dampflokomotiven waren mit dabei.

Innovative Technik: Akku-Antrieb bereits im Jahr 1910

Als besondere „Steckenpferde“ der Eisenbahnfreunde entwickelten sich die Nachforschungsarbeiten zum Thema „Eisenbahn in Schwerte“. „Da sind wir wie Bluthunde – immer auf der Spur“, erklärt Detlef Gebhardt mit einem Augenzwinkern: „Wir freuen uns über auch vermeintlich kleine Hinweise zu etwa stillgelegten Trassen oder über interessante Objekte, vergessene Eisenbahner-Schätze und Unterlagen, die vielleicht irgendwo im Keller oder auf dem Dachboden schlummern.“

So konnten zum Beispiel geplante, aber letztlich nicht realisierte Bahntrassen für eine vorgesehene Industriebahn vom Bahnhof zur Rohrmeisterei dokumentarisch nachvollzogen werden. Und bereits im Jahr 1910 war gemäß Recherche die Bahn ihrer Zeit schon voraus: Zwischen Schwerte und Arnsberg fuhr seinerzeit ein Schienen-Triebwagen mit Elektroantrieb per Akku. Hin und wieder zurück schaffte es die Bahn – neu aufgeladen wurde in Schwerte. „Leider gibt es nur noch das Modell des Triebwagens“, bedauert Wolfgang Güttler.

Akku-Triebwagen fuhren schon vor über 100 Jahren im Bahnhof Schwerte. Die Eisenbahnfreunde haben die Aufladestation im Modell nachgebaut.
Akku-Triebwagen fuhren schon vor über 100 Jahren im Bahnhof Schwerte. Die Eisenbahnfreunde haben die Aufladestation im Modell nachgebaut. © Hilmar Schmitt © Hilmar Schmitt

Dass sich aufgrund dieser Aktivitäten ein überregionales und auch internationales Interesse entwickelte, ergab sich fast von selbst. „Interessierte etwa aus den Niederlanden, England, Polen und aus Barcelona haben uns zu fachlichen Dingen angefragt oder auch direkt besucht“, sagt Herbert Kluge zu den weitgreifenden Kontakten der Eisenbahnfreunde: „Und eine unserer Schwerter Modell-Loks hat sogar als Ausstellungsstück den Weg in das Verkehrsmuseum in Nürnberg geschafft.“

ICE „Schwerte“ im Einsatz

Gute Ideen stehen bei den Eisenbahnfreunden immer im Mittelpunkt. Auf ihren Vorschlag hin taufte die Deutsche Bahn einen ICE-Zug auf den Namen „Schwerte“. „Ich habe ihn jetzt neulich noch im Einsatz gesehen“, berichtet Wolfgang Güttler. Auch der Gedanke zum Erhalt eines Trägers der alten Bahnsteigüberdachung, der bei Umbauarbeiten zwischen den Gleisen fünf und sechs überflüssig geworden war, kam von den Eisenbahnfreunden.

Das von Kampfflugzeug-Einschüssen gezeichnete Eisen erinnert seit Juli auf dem Bahnhofsvorplatz an den Zweiten Weltkrieg, den Angriff auf den Eisenbahn-Schwerpunkt Schwerte und an die Sinnlosigkeit eines Krieges – eine Informationstafel kam vor kurzem dazu.

Die Bezirksregierung genehmigte 1920 die Pläne für die Industriebahn. Das Dokument ist im Stadtarchiv Schwerte, Kartensammlung KP 222, aufbewahrt.
Die Bezirksregierung genehmigte 1920 die Pläne für die Industriebahn. Das Dokument ist im Stadtarchiv Schwerte, Kartensammlung KP 222, aufbewahrt. © Repro: Stadtarchiv Schwerte © Repro: Stadtarchiv Schwerte

Die Corona-Zeiten haben die Schwerter Eisenbahnfreunde ausgebremst. Aber sie hoffen, dass ihre Aktivitäten und Angebote möglichst zügig wieder aufgenommen werden können. So stehen noch verschobene Termine für den gemeinsamen Besuch von Eisenbahnmuseen sowie von Modell- und Museumsbahnen und Ausstellungen aus. Auch für ihre eigenen Angebote haben die Eisenbahnfreunde bereits geplant: So sollen die Führungen durch das ehemalige Eisenbahn-Ausbesserungswerk wieder aufgenommen werden – aktiv mit dabei auch Sabine Totzauer, derzeit einzige Freundin im Kreis der Eisenbahnfreunde.

Zudem sind Vortragsreihen rund um das Thema „Eisenbahn in Schwerte“ vorgesehen – die Schiffsmodellbaufreunde Schwerte wollen ihr Vereinshaus am Grüntaler Teich für einen Filmvortrag über die Dampflokzeiten der 1960er- und 70er-Jahre zur Verfügung stellen. Auch die begleiteten Fahrradtouren „Entlang der Schienenstränge“ sollen wieder reaktiviert werden.

Ideen für die Renovierung der Bahnhofshalle

Neue Ideen sind gefragt – mit der Deutschen Bahn haben die Eisenbahnfreunde zur vorgesehenen Renovierung der Eingangshalle des Schwerter Bahnhofs bereits Kontakt aufgenommen und einen Vorschlag zur Gestaltung der Wände unterbreitet: „Wir sind gespannt, was sich daraus entwickelt“, so Wolfgang Güttler in Erwartung zur Umsetzung: „Wir hoffen, dass in dem historischen Bahnhofsgebäude auch die umfangreiche Geschichte der Eisenbahn in Schwerte auf Bildformaten dargestellt wird.“

In Vorplanung haben die Eisenbahnfreunde zudem einen Videoclip. Es dreht sich dabei alles um die Portalstütze auf dem Bahnhofsvorplatz – mehr wird aber noch nicht verraten.

Eisenbahnfreunde Schwerte
  • Seit dem Jahr 2010 gibt es in Schwerte die Eisenbahnfreunde – eine lose Verbindung ohne Vereinsstatus.
  • Rund zehn Freunde und Freundinnen sind derzeit aktive Club-Mitglieder.
  • Schwerpunkte der Arbeiten sind neben den regelmäßigen Treffen und Ausflügen die geschichtliche Aufarbeitung, Archivierung und Veröffentlichung von Dokumenten und Plänen einschließlich Bild- und Filmmaterial sowie die Erstellung und der Aufbau von Installationen und Skulpturen zur Schwerter Eisenbahnkultur.
  • Öffentlich angeboten werden (wenn es Corona zulässt): Führungen durch das ehemalige Eisenbahn-Ausbesserungswerk, geführte Fahrradtouren entlang des Schienenstrangs sowie Vorträge rund um die Eisenbahn in Schwerte.
  • Wer sich weiter informieren möchte, interessante Hinweise und Informationen geben kann oder sich aktiv einbinden möchte, kann über die Internetseite Kontakt mit den Schwerter Eisenbahnfreunden aufnehmen.
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