Dr. Harald Becker und Renate Goeke von der Schwerter FDP plädieren für ein anderes Neubaukonzept für die Theodor-Fleitmann-Gesamtschule. © Heiko Mühlbauer
Schulpolitik

FDP: Neubau für Fleitmann-Schule unter falschen Voraussetzungen geplant

Muss die neue Theodor-Fleitmann-Schule wirklich über 50 Millionen Euro kosten? Die FDP meint nein, hat aber dazu einen politisch derzeit eher unpopulären Vorschlag im Angebot.

In einer Woche soll der Schulausschuss über den Neubau der Theodor-Fleitmann-Gesamtschule beschließen. Bislang gibt es dafür keine neue Ratsvorlage der Verwaltung. Die hatte bei der Ratssitzung im März den Neubau auf der grünen Wiese am Großen Feld vorgeschlagen. Ein Bauprojekt, das (ohne Nebenkosten) mindestens 50 Millionen Euro kostet, Probleme bei der Verkehrsführung aufwirft und bei den betroffenen Nachbarn auf erbitterten Widerstand stößt.

Jetzt wirft die FDP die Frage auf, ob man überhaupt einen derart großen Neubau braucht. Denn wer die Schülerzahlen genau lese, müsse zu einer anderen Auffassung kommen.

Der Schreibtisch der Fraktionsvorsitzenden der FDP, Renate Goeke, ist mit Statistiken überhäuft: Schülerzahlen, Statistiken zu Schullaufbahnen und Zahlen für Oberstufen. Die Zahlen stammen überwiegend aus dem Schulentwicklungsplan.

Die TFG wird es schwer haben

Ihre Erkenntnis: „Die TFG wird es schwer haben, überhaupt ausreichend Schüler für eine funktionierende Oberstufe zusammen zu bekommen.“ Und auf dieser Basis den Schulbau durch den Bau von Räumen für eine Oberstufe derart zu erhöhen, sei fahrlässig.

Das sei nicht nur finanziell betrachtet fahrlässig, sondern auch aus der Sicht der Schule und der Schüler, so Goeke. Während in Schwerte die Schülerzahlen insgesamt eher rückläufig waren, mit leichtem Anstieg in den vergangenen Jahren, stieg die Zahl der Gesamtschüler in Schwerte erheblich. Ein Grund dafür: Man hat Förder-, Haupt- und zwei Realschulen geschlossen. Der Effekt: Die Schüler dieser drei Schulformen werden nun in der Gesamtschule betreut.

Das bedeutet aber auch, dass der Prozentsatz der Gesamtschüler, die anschließend auch die Oberstufe nutzen, statistisch sinkt.

Schulentwicklungsplan zu optimistisch

Während an der Gesamtschule am Gänsewinkel etwa 70 Prozent der Schüler den Sprung in die Oberstufe schaffen, rechnet die FDP mit Blick auf den Schulentwicklungsplan an der TFG mit einer deutlich niedrigeren Quote. Nach Berechnungen aus dem Schulentwicklungsplan blieben gerade mal 50 bis 60 Schüler pro Jahrgang übrig.

Auf dieser Basis sei eine qualitativ gute Oberstufe kaum zu organisieren. Dazu komme, dass die Schülerzahlen im Schulentwicklungsplan sehr optimistisch gerechnet seien. Zum einen, weil der Plan einen Fehler enthalte, zum anderen, weil man als Einmaleffekt 2026 wegen der Rückkehr zu 13 Schuljahren zwei Abijahrgänge an den Gymnasien habe.

Anmeldungen deutlich unter Prognose

Wie optimistisch die Zahlen seien, sehe man an den Anmeldungen zur TFG in diesem Jahr. 124 Anmeldungen hatte die Statistik vorhergesagt: 85 seien bislang eingegangen, so die FDP. Das hochgerechnet, ergebe eine Oberstufe mit 35 Schülerinnen und Schülern. Die sei rein rechtlich nicht mehr zulässig.

Deshalb fordert die FDP, dass man eine Kooperation beschließe, die den Fleitmann-Schülern den Besuch einer Oberstufe auf einem der beiden Gymnasien zusichere. Dann könne man sich einen Großteil der Baukosten sparen und trotzdem einen guten Neubau für die Schule errichten. Der sei dann auch nicht mehr so groß, so dass man vielleicht einen anderen Standort finden könnte.

Denn dass ein Neubau notwendig sei, darüber ist man sich auch bei der FDP sicher. Dass man vonseiten der Stadt erst fünf Jahre ins Land ziehen lässt, bevor man etwas an der Schule macht – und jetzt „in blindem Aktionismus ein Gebäude hochziehen will, für das man 75 Jahre lang zahlen muss“, sei fahrlässig, so Renate Goeke. Und zwar nicht nur finanziell, sondern auch in Bezug auf die Schüler.

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Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer
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