An der Strangbrücke gegenüber der alten Mühle haben Christoph Prausnitz und Elisabeth Stark-Reding die Engel aufgebaut, die auf die Verschmutzung der Meere durch Plastik hinweisen. Die tönernen Tiere im Netz haben sie im Vorjahr mit Schwerter Bürgern gestaltet, die Strohengel mit Insassen der Justizvollzugsanstalt Ergste. © Reinhard Schmitz
7. Schwerter Krippenweg

Eine Weihnachtsaktion trotzt Corona: Der Krippenweg wird aufgebaut

Das erste Schaf verschwand schon, bevor der Aufbau überhaupt fertig war. Doch davon lässt sich das Team des Krippenwegs nicht entmutigen. Es bringt weihnachtliche Stimmung in die Coronazeit.

Sterne weisen den Weg durch die geschmückte Altstadt: Während andere vorweihnachtliche Veranstaltungen abgesagt worden sind, kann ab dem 1. Advent (28.11.) entlang des 7. Schwerter Krippenweges geschlendert werden. Er steht unter dem Thema „Königlich fühlen“.

Das Motto fordert dazu auf, den Kopf nicht hängen zu lassen

„Königlich fühlen heißt auch, die Würde zu haben, aufrecht zu gehen, den Blick frei zu haben für das Kleine, das Besondere“, erklärt die Künstlerin Elvira Sürig aus dem Vorbereitungsteam. Und ihre Mitstreiterin Ulrike Nagel ergänzt: „Mit einer Krone auf dem Kopf kann ich den Kopf nicht hängen lassen.“

Die Heiligen Drei Könige für den Schwerter Krippenweg 2021 haben schon ihre Position am Fußweg von der alten Mühle in Richtung Ruhrwiesen bezogen.
Die Heiligen Drei Könige für den Schwerter Krippenweg 2021 haben schon ihre Position am Fußweg von der alten Mühle in Richtung Ruhrwiesen bezogen. © Elvira Sürig © Elvira Sürig

Viele Künstlerinnen und Künstler sind kreativ geworden und haben ihre Ideen zu dem Motto umgesetzt. Martina Schultes Malschule „Kunst mal anders“ erfreut mit kleinen Tonkrönchen zum Mitnehmen, Pfarrer Tom Damm hat neu gedichtet, Josef Hellebrands drei Holzkönige sind frisch geschreinert, und Uschi Vielhauer hat ein neues Motto-Bild gemalt.

Flüchtlingszelte stehen vom dem Gelände des Budoclubs

Eine Eltern-Kind-Gruppe von geflüchteten Familien hat beim Sozialdienst Katholischer Frauen glitzernde Kronen für Flaschenmenschen gebastelt, die am Zaun des Budogeländes am Südwall mit einer Szene aus Flüchtlingszelten stehen. Die Gruppe herzkranker Kinder stellt ihre „Herzkrippe“ auf – stellvertretend für alle Familien, die Unterstützung und Freude gebrauchen können.

Wer die Augen offenhält, kann vor vielen Häusern in der Altstadt kleine Weihnachtskrippen entdecken.
Wer die Augen offenhält, kann vor vielen Häusern in der Altstadt kleine Weihnachtskrippen entdecken. © Ferdinand Ziese © Ferdinand Ziese

Ohne die Ehrenamtlichen wäre der Krippenweg nicht möglich. Sie erhalten aber auch vielseitige Unterstützung. So spendet das Gartencenter Pötschke das Grün, Mitarbeiter vom städtischen Bauhof transportieren Krippen, und ein Team der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ergste hängt die Wegweiser-Sterne auf. Künstlerin Elisabeth Stark-Reding bedauert, dass sie wegen Corona diesmal kein Ausstellungsprojekt mit Gefangenen machen konnte. Deshalb werden die aus den Vorjahren bekannten Engel und Demonstranten wieder an der alten Mühle an der Mühlenstraße aufgestellt.

In den Fenstern vieler Altstadthäuser gibt es etwas zum Anschauen

Diese lebensgroßen Installationen, Engel und Figuren aus Maschendraht, Holz, Stroh, Schilf und Chinagras sind innerhalb von sechs Jahren bei Projekten mit JVA-Insassen entstanden, die Elisabeth Stark-Reding mit dem Designer Christoph Prausnitz geleitet hat. Sie griffen zeit- und sozialkritische Themen auf, um auf aktuelle und bedrohliche Situationen in der Welt aufmerksam zu machen.

2020 ging es beispielsweise um die „Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll und das dadurch bedingte Fisch- und Vogelsterben“. Friedensengel mahnen: „Den Frieden nicht mit Füßen treten“. Und Demonstranten tragen in ihren Händen Transparente mit der Aufschrift wie: „Menschenwürde“, „Zivilcourage“ und „Weltoffenheit“.

Es lohnt sich unterwegs auch, in die Fenster der geschmückten Altstadthäuser zu schauen und die dortigen Krippen zu bestaunen. Auf dem Markt zaubert die eine oder andere Krone ein Lächeln ins Gesicht, und auch in zahlreichen Schaufenstern sind Krippen versteckt. Am Markt steht zudem ein nostalgischer Kaugummiautomat, in dem eine kleine Überraschung lockt. Ein Stückchen weiter ist an der Kastanie vor dem Wuckenhof eine Mitmachstation eingerichtet, wo es Nachrichten und Schachteln für kleine Schätze gibt.

Der Krippenweg bleibt bis zum 6. Januar aufgebaut

Eine Bitte hat der Krippen-Freundeskreis an alle Schwerter: „Bitte passen Sie mit uns auf die Krippen auf, damit sie nicht zerstört werden.“ Denn der Krippenweg soll bis zum 6. Januar 2022 den Besuchern Freude bereiten.

Die Route des Krippenwegs

  • Der 7. Schwerter Krippenweg steht unter dem Motto: „Königlich fühlen“.
  • Die Krippen sind vom 28.11. (Sonntag) bis zum 6.1.2022 (Donnerstag) in der Altstadt von Schwerte aufgebaut.
  • Sie sind entlang einer Spaziergang-Runde frei zugänglich und können auf eigene Faust angeschaut werden.
  • Als Ausgangspunkt empfiehlt sich die alte Kastanie vor dem Wuckenhof, Kötterbachstraße 2.
  • Die empfohlene Route führt dann vom Marktplatz vorbei an der Viktorkirche und über den Norbert-Kaufhold-Weg zur Kötterbachstraße und Mühlenstraße. Von dort geht es an der alten Mühle vorbei auf den Fußweg in Richtung Rohrmeisterei.
  • Sterne weisen den Besuchern den Weg.
Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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