Eine schwere Arbeit für Wilhelm Adrian war das Reinigen der Mahlsteine, die mit einer Handspindel angehoben werden mussten. Bis Ende 1999 betrieb der Senfmüller sein Handwerk, zuletzt als Hobby, bevor er die Mühle an seinen Nachfolger Frank Peisert verkaufte. © Michael Teller (A)
Schwerter Senffabrik

Der letzte Senfmüller seiner Familie: Wilhelm Adrian stirbt im Alter von 91 Jahren

Senf und Adrian: Das war für die Schwerter 100 Jahre lang ein Synonym. Als letzter Senfmüller der Familie ist Wilhelm Adrian gestorben. Sein Lebenswerk wird von Frank Peisert weitergeführt.

Die Mahlsteine prägten sein Leben. „Hurra, hurra, der dritte Senfmüller ist da“, verkündete seine Geburtsannonce im Juni 1930 in der Schwerter Zeitung. Eine Zeichnung seiner Mühle prägt jetzt den Kopf der Anzeige mit der traurigen Nachricht: Wilhelm Adrian ist am 21. November im Alter von 91 Jahren gestorben.

Doch der traditionelle Senf, der seinen Namen trägt, bleibt den Schwertern erhalten. Seit November 2000 wird er von Frank Peisert mit dem originalen Rezept und den originalen Geräten weiterhin handwerklich hergestellt.

Er nahm noch vor einem Jahr an einer Senfmühlen-Führung teil

„Er hat mir alles gezeigt und beigebracht“, berichtet Frank Peisert. Dazu gehörten auch die Anekdoten aus vier Jahrzehnten Berufsleben, die er mit seinem trockenen westfälischen Humor zum Besten gab. Sie werden immer wieder gern bei Senfmühlen-Führungen weitererzählt.

Als Besucher war Wilhelm Adrian mit einem Enkelkind selbst noch vor einem Jahr bei einer solchen Besichtigung in dem Betrieb, der inzwischen aufs Rohrmeisterei-Gelände umgezogen ist. „Er hat immer Interesse daran gehabt“, sagt Frank Peisert: „Das war ja auch sein Leben.“

Senfmüller Wilhelm Adrian vor dem Anbau seines Wohnhauses am Holzener Weg 19, in dem seine Familie bis zum Jahr 2000 die Schwerter Senffabrik betrieb. Sie wurde später zu einer Wohnung umgebaut.
Senfmüller Wilhelm Adrian vor dem Anbau seines Wohnhauses am Holzener Weg 19, in dem seine Familie bis zum Jahr 2000 die Schwerter Senffabrik betrieb. Sie wurde später zu einer Wohnung umgebaut. © Reinhard Schmitz (A) © Reinhard Schmitz (A)

In dritter Generation hatte Wilhelm Adrian die Schwerter Senffabrik in dem Wohnhaus-Anbau am Holzener Weg geführt, die sein Großvater Wilhelm Adrian am 1. Juni 1902 vom Stiefvater Benjamin Hegelich übernommen hatte – samt Pferd, Senfkarre und Töpfen. Gegründet worden war das Unternehmen sogar schon im Jahr 1845.

Das Original-Rezept wurde in der Familie weitervererbt

Das Rezept für den originalen Adrian-Senf wurde in der Familie gehütet und weitervererbt. Die Kurzversion: Gelbe und braune Senfsaat wird mit Essig, Wasser und Salz im Holzbottich zu einer Maische angesetzt, die anschließend zwischen den 500 Kilogramm schweren Granitsteinen zermahlen wird. Bis zu 750 Kilogramm seiner beliebten Würze produzierte Wilhelm Adrian in guten Zeiten täglich und verkaufte sie bis hoch ins Sauer- und Siegerland, bis der Industriesenf in die Supermärkte kam.

Im November 2000 trat Frank Peisert als Senfmüller von Schwerte die Nachfolge von Wilhelm Adrian an. © Reinhard Schmitz (A) © Reinhard Schmitz (A)

Zuletzt als Hobby betrieben, wollte Wilhelm Adrian seinen Beruf aber nie aufgeben. Die Schwerter konnten an seiner Wohnungstür klingeln, um sich ein Plastikeimerchen oder ein Schraubglas Adrian-Senf zu sichern. Unter den eingefleischten Liebhabern waren auch die damaligen Studenten Frank und Svea Peisert. Doch Ende 1999 mussten sie entsetzt erfahren, dass der Senfmüller sich zur Ruhe setzen wollte und zum letzten Mal seine Maschinen angeschmissen hatte.

Nachfolger Frank Peisert brachte den Schwerter Senf zu neuer Blüte

„Du kannst sie ja kaufen“, sagte Wilhelm Adrian. „Mach ich“, kam es wie aus der Pistole geschossen zurück. Ein Glücksgriff, wie man heute weiß. Der Senf aus der Schwerter Senfmühle, von dem Frank Peisert viele leckere Variationen entwickelte, ist heute wieder weit über die Ruhrstadt hinaus bekannt. Als Spezialität eroberte er seinen Platz in Supermärkten und sogar bei Kaufland.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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Reinhard Schmitz

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