Beim Jazzfrühschoppen der Lions packen alle Mitglieder mit an. Hier: Ulrich Halbach begrüßt die Gäste. © Bernd Paulitschke
50 Jahre Lions

Der Bürgermeister ist Mitglied, doch Politik ist tabu: Ein Blick hinter die Kulissen des Lions-Clubs

1971 trafen sich 15 Männer im Wellenbad und gründeten einen Herrenclub – die Schwerter Lions. Heute gibt es 44 Mitglieder. Eine elitäre Gesellschaft sind sie nicht, betonen die Mitglieder.

Ein Herrenclub, in dem nicht jeder Mitglied werden kann. Eine Gesellschaft, in der die Besserverdienenden unter sich bleiben. Menschen, die viel Geld für gemeinnützige Projekte spenden. Die Reihe der Vorurteile über Lions-Clubs sind groß. Doch was machen die Lions eigentlich, wenn sie gerade nicht eine Wohltätigkeitsveranstaltung organisieren?

Zum 50. Geburtstag des Schwerter Lions-Clubs erzählen Thomas Isajiw und der amtierende Präsident Stefan Lindenberg, was die Lions wirklich machen.

Für Frauen gibt es einen eigenen Club

Um es vorwegzunehmen: Zumindest in Bezug auf Schwertes Lions-Club stimmt das Vorurteil, dass es sich um einen reinen Herrenclub handelt. Denn Frauen gibt es bei den Lions nicht, die sind im Damen-Club Caelestia seit einigen Jahren organisiert. Gemischte Clubs, wie es sie in einigen Städten heute gibt, waren 1971 bei der Gründung noch undenkbar.

Dr. Stefan Lindenberg (2.v.l.) ist aktueller Präsident des Schwerter Lions-Clubs. © Oskar Neubauer © Oskar Neubauer

Und in der Tat, Lions-Mitglied kann man auch nicht so einfach werden: Zwei Mitglieder müssen den Neuen vorstellen, der kommt dann dreimal als Gast. Wenn man zusammen passt, wird er gefragt. „Die meisten sagen dann natürlich ja“, sagt Stefan Lindenberg.

Aber zumindest einmal gab es in der Geschichte der Schwerter Lions einen Kandidaten, der dankend ablehnte. Denn wer bei den Lions mitmachen will, muss Zeit investieren. „Der hatte wohl da erst gemerkt, wie viel Engagement erwartet wird“, so Isajiw.

Mitgliedsbeitrag ist eher bescheiden

Zeit ist überhaupt das Zauberwort. Denn der Mitgliedsbeitrag ist mit 180 Euro im Jahr für die meisten keine Hürde. Spenden werden auch nicht erwartet, dafür aber Einsatz. Zum Beispiel beim Jazzfrühschoppen, den die Lions zumindest außerhalb von Corona-Zeiten in der Rohrmeisterei organisieren.

Von der steuerlichen über die rechtliche Komponente bis zur Veranstaltungsorganisation, alles wird von Clubmitgliedern gestemmt. Das führe wieder zu den Eintritts-Regeln: Wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, dann muss die Chemie schon stimmen“, meint Lindenberg.

Eine Regel, dass alle Berufsgruppen im Club vertreten sein müssen, gibt es bei den Lions nicht. Doch die Mitglieder seinen schon ein bunter Schnitt durch die Berufswelt. Freiberufler, Handwerker und Unternehmer.

Auch ein gängiges Vorurteil ist, dass hier berufliche Netzwerke entstehen. „Ich habe noch nie beruflich einen Vorteil durch die Lions gehabt“, sagt Thomas Isajiw mit Überzeugung. Wer ein Karrierenetzwerk sucht, sei hier falsch aufgehoben. Und auch die Zeiten, als die Clubmitglieder eher elitär daher kamen, seien schon lange vorbei. „Früher hat man sich wohl gesiezt und bei besonderen Anlässen schon mal den Smoking rausgeholt. Heute ist das alles legerer.“

Jährlich einen neuen Präsidenten

Und was machen die Lions, wenn sie gerade keine große Veranstaltung auf die Beine stellen? Das Jour Fixe, also das festgelegte Treffen, findet jeweils am ersten Mittwoch des Monats statt. Aktuell trifft man sich per Zoom-Konferenz. Doch normalerweise ist Haus Ledendecker die Club-Gaststätte.

Nach ein paar Regularien, wird zunächst gemeinsam gegessen. Dann folgt ein Vortrag oder ein anderer Programmpunkt: Den hat der Präsident zu organisieren. Und der Abwechslung wegen und weil das Bespaßungsprogramm auch aufwendig ist, wechseln die Präsidenten jährlich. Jedes Lions-Mitglied darf weltweit das Jour-Fixe jedes anderen Clubs besuchen.

„Ich habe das im Urlaub auch schon mal gemacht“, sagt Thomas Isajiw. Die Lione würden ihren Mitgliedern einen Blick über den Tellerrand eröffnen. Als Isajiw in den Club eintrat, war er 34 Jahre alt und eines der jüngsten Mitglieder. Aktuell sind Bürgermeister Dimitrios Axourgos und Björn Thiele die Jungspunde im Schwerter Lions-Club.

Bürgermeister ist Mitglied – aber Politik ist tabu

Apropos Bürgermeister: Die Lions sind laut Satzung zur Neutralität verpflichtet. Politik sei bei den Treffen tabu. Das habe sich in all den Jahren nicht geändert. Denn auch zu den Gründungmitgliedern 1971 gehörten Stadtobere wie Stadtdirektor Ernst D. Schmerbeck. Der ist übrigens heute mit seinen 91 Jahren der älteste Schwerter Löwe.

Und dann gibt es noch die Konkurrenz zu den Rotariern? Quatsch, meint Lindenberg. Die sogenannten Service-Clubs würden bei vielen Projekten sogar eng zusammenarbeiten. Ach ja, bei den Rotariern ist Heinrich Böckelühr aktiv, sein Nachfolger bei den Lions.

Jubiläum

50 Jahre Lions-Club Schwerte

  • Am 07. April 1971 wurde der Lions Club Schwerte Ruhr im Gasthaus Wellenbad, Geiseke, mit 15 Gründungsmitglieder ins Leben gerufen. Ernst Schmerbeck (91) und Hermann Irringer (84) gehörten dazu und sind bis heute im Club aktiv.
  • Die Lions-Organisation hat weltweit über 1,4 Millionen Clubmitglieder. Sie ist damit die größte Nichtregierungsorganisation der Welt. Allein in Deutschland gibt es rund 2000 Clubs mit über 50.000 Mitgliedern (Männer und Frauen).
  • Unter dem Motto „We serve“ (wir dienen) gestalten die Clubs sogenannte Activities, mit denen Sie Geld für die Förderung sozialer und kultureller Projekte in ihren Regionen und weltweit einnehmen.
  • Jährlich unterstützt der Lions Club in Schwerte Projekte mit über 30.000 Euro in der Ruhrstadt. Geld, das unter anderem durch die Organisation des immer im Januar in der Rohrmeisterei stattfindenden „Lions Jazzfrühschoppen“, durch den Crêpes-Verkaufsstand auf dem Weihnachtsmarkt, das Herbstkonzert und über Spenden der Mitglieder zusammenkommt.
  • Über eine Million Euro sind so im Laufe der letzten 50 Jahre für gute Zwecke vom Club gespendet worden.
  • Die Jubiläumsveranstaltung wurde wegen der Corona-Pandemie verschoben.
Über den Autor
Redaktion Schwerte
Ist mit Überzeugung Lokaljournalist. Denn wirklich wichtige Geschichten beginnen mit den Menschen vor Ort und enden auch dort. Seit 2007 leitet er die Redaktion in Schwerte.
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Heiko Mühlbauer
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