Der Angeklagte will von Bandidos erpresst worden sein. © Martin von Braunschweig
Landgericht Hagen

Brutaler Raubüberfall nach Online-Date: Angeklagter streitet alles ab

Ein Mann aus Schwerte soll im Juli 2019 an der Hagener Straße überfallen und verletzt worden sein. Der mutmaßliche Täter überrascht zu Prozessbeginn mit einer merkwürdigen Geschichte.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem 29-jährigen Mann aus Hamm vor, den Schwerter unter einem Vorwand auf einen Parkplatz an der Hagener Straße gelockt und dort sofort mit einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole bedroht zu haben.

Laut Anklage hatten sich die beiden Männer auf einer Dating-Plattform für Homosexuelle Männer kennengelernt und auf Drängen des Angeklagten sofort auch zu einem realen Treffen verabredet.

Mit Pistole bedroht?

Angesichts der Spielzeugpistole soll aus dem romantischen Date jedoch schnell blutiger Ernst geworden sein. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der 29-Jährige den Mann aus Schwerte schlug, zu Boden trat und ihm anschließend sein Schlüsselbund und das Handy raubte.

Zu Prozessbeginn am Hagener Landgericht erzählte der Angeklagte jedoch eine ganz andere Geschichte. Nicht nur, dass er die Tat nichts selbst begangen, sondern an diesem Abend nur beobachtet haben will, wie ein Bekannter den Mann aus Schwerte überfiel. Auch der angebliche Grund, warum er überhaupt nach Schwerte gefahren sein will, war Anlass für zahlreiche Nachfragen der Richter.

Von Bandidos erpresst?

Nach seiner letzten Haftentlassung sei er in Kontakt mit dem Hammer Chapter des Motorrad-Clubs „Bandidos“ geraten, so der 29-Jährige. Diese hätten sich erst rührend um ihn gekümmert und ihn sogar in ihrem Clubhaus wohnen lassen, als er kurzzeitig obdachlos geworden sei. Später hätten sie ihm aber quasi aus dem Nichts eine gewaltige Rechnung präsentiert und erklärt, dass er mehrere Tausend Euro Mietschulden bei ihnen habe.

„Ich habe die ganze Zeit Handlangerdienste für die gemacht“, beklagte sich der Angeklagte am Donnerstag. „Ich habe geputzt und die Aschenbecher geleert.“ Am Ende sei ihm dies jedoch überhaupt nicht angerechnet worden.

Angeblich hohe Schulden

Dem Angeklagten fiel es sichtlich schwer, die Details seiner „Freundschaft“ mit den Bandidos zu schildern. „Ich habe Angst um meine Familie, ich brauche Schutz, wenn ich alles sagen soll“, behauptete er. An einem Abend hätten ihn die Rocker im Clubhaus an einen Stuhl gefesselt und dann mit Alkohol und Urin besudelt.

Jedenfalls sei der Auftrag, im Juli 2019 nach Schwerte zu fahren, auch von den Rockern gekommen. Der Angeklagte will geglaubt haben, dass es darum ging, Geld aus Drogengeschäften einzutreiben. Von dem Gewaltexzess des anderen sei er dann völlig überrascht worden.

Dass das Blut des Opfers jedoch an seinen Schuhen klebte, begründete er so: „Ich wollte die beiden trennen und bin dazwischen gegangen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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