Hasan Er betreibt seit 18 Jahren die spanische Tapas-Bar Lo’Canta und trägt dazu bei, den Marktplatz zu beleben. © Reinhard Schmitz
Corona in Schwerte

1000 Euro Corona-Strafe vom Tisch: Lo’Canta-Wirt siegt vor Gericht

1000 Euro forderte die Stadt vom Wirt des Lo’Canta, weil er angeblich gegen Corona-Regeln verstoßen habe. Der Richter musste entscheiden. „Ich erwarte eigentlich eine Entschuldigung“, sagt Hasan Er.

David gegen Goliath. Der kleine Wirt gegen die Stadtverwaltung. Ganz genau genommen, umgekehrt herum. Denn das Ordnungsamt war es, das den Inhaber der Tapas-Bar Lo´Canta am Markt, Hasan Er, vor das Amtsgericht Schwerte brachte.

Die Behörde ließ nicht locker, ihre 1000-Euro-Strafe wegen eines angeblichen Verstoßes gegen die Corona-Regeln einzutreiben. Doch dann kam es in dieser Woche zu einem ähnlichen Ausgang, wie ihn die griechische Sagenwelt heroisiert. Das Verfahren wurde eingestellt. Der Gastronom muss die hohe Geldbuße nicht bezahlen.

Wirt: „Habe mir nichts zuschulden kommen lassen“

Die Stadt Schwerte bestätigt die Einstellung des Verfahrens auf Anfrage. Eine Sorgenfalte weniger für den Wirt in der schweren Corona-Zeit, in der er sein Restaurant schon vier Monate lang komplett schließen musste. Und der jetzige Außer-Haus-Verkauf sei auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Hasan Er.

Aber er sei sich von vornherein sicher gewesen, dass das Verfahren vor Gericht eingestellt werde: „Ich bin mir bewusst gewesen, dass ich mir nichts zuschulden kommen lassen habe.“

Die Stühle und Tische bleiben zusammengestapelt an der Ecke: Wegen der komplizierten Regeln will Wirt Hasan Er die Außengastronomie seiner Tapas-Bar Lo´Canta am Markt vorerst nicht öffnen.
Die Stühle und Tische bleiben zusammengestapelt an der Ecke: Wegen der komplizierten Regeln will Wirt Hasan Er die Außengastronomie seiner Tapas-Bar Lo´Canta am Markt vorerst nicht öffnen – auch nicht, wenn das möglich wäre. © Reinhard Schmitz © Reinhard Schmitz

Wie verlangt, hatte der 52-Jährige beim ersten Lockdown vor gut einem Jahr draußen Tische und Stühle zusammengestapelt und nur noch Speisen zum Mitnehmen verkauft. An denen sollte aber angeblich irgendein Kunde schon zu früh genascht haben – als er noch keine 50 Meter vom Eingang weggegangen war.

So jedenfalls wollte es das Ordnungsamt gesehen haben und verhängte die 1000-Euro-Buße wegen „Duldung des Verzehrs im zu der gastronomischen Einrichtung gehörenden Innen- und Außenbereich“. Denn laut Paragraf 9 der Coronaschutzverordnung sei dies im Umkreis von 50 Metern um das Lokal herum untersagt, erklärte damals Stadt-Pressesprecher Ingo Rous.

Richter fragte, ob die Mitarbeiter gut unterrichtet waren

Einen Mitarbeiter vom Ordnungsamt und seine eigenen Zeugen, die zum Termin geladen worden waren, habe der Richter aber gar nicht mehr hören wollen, berichtet Hasan Er. Der Jurist habe erst einmal wissen wollen, ob er seine Mitarbeiter gut unterrichtet habe über die erforderlichen Maßnahmen.

Die Antwort war eindeutig: „Durch mich und soziale Medien waren alle Angestellten unterrichtet, was sie machen sollten.“ Das sei doch schon allein durch die angebrachten Beschilderungen deutlich geworden.

Ein Streitpunkt bleibt auch nach der Einstellung des Verfahrens der städtische Vorwurf, die Bußgeld-Forderung erst nach dreimaliger Ermahnung verhängt zu haben. „Die Stadt Schwerte hält an ihrer Darstellung fest, nach der Gastronom Hasan Er vor der verhandelten Sache schon mehrfach wegen Missachtung der Coronaschutzverordnung ermahnt worden ist und auch 14 Tage nach dem verhandelten Ereignis am Brunnen auf dem Markt Getränke serviert hat“, heißt es jetzt es in der Stellungnahme aus dem Rathaus: „Dieser Verstoß ist aktenkundig vermerkt und so entsprechend vor Gericht vorgetragen worden, wurde aber seitens des Gastronoms bestritten.“

Der hat Anderes in Erinnerung. Der städtische Rechtsvertreter habe doch auf die Richterfrage, ob vor- oder nachher etwas aufgefallen sei, gar nichts nennen können.

Die Gerichtskosten und seine Anwaltskosten – so die Stadtverwaltung weiter – müsse der Wirt selbst bezahlen. Der ärgert sich über das ganze Verfahren, von dem selbst rund 200 Unterschriften an die Adresse von Bürgermeister Dimitrios Axourgos das Rathaus nicht abhalten konnten: „Das ist unnötige Geldverschwendung – jetzt gerade in dieser Zeit.“

Noch mehr getroffen haben Hasan Er die ganzen Vorwürfe. „Ich erwarte eigentlich eine Entschuldigung vom Bürgermeister, weil er mich als Lügner dargestellt hat“, sagt der Gastronom, der seit 18 Jahren mit seiner Tapas-Bar den Marktplatz mit belebt. An einer möglichen Öffnung der Außengastronomie würde er sich im Fall der Fälle zunächst nicht beteiligen wollen. Die Regelungen seien einfach zu kompliziert.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Reinhard Schmitz, in Schwerte geboren, schrieb und fotografierte schon während des Studiums für die Ruhr Nachrichten. Seit 1991 ist er als Redakteur in seiner Heimatstadt im Einsatz und begeistert, dass es dort immer noch Neues zu entdecken gibt.
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