Die Idee einer europäischen Super League stößt in Fankreisen überwiegend auf Ablehnung. © picture alliance/dpa
Fußball

Nicht nur Ablehnung für Super League: „Die großen Duelle möchte doch jeder sehen“

Die Gründung einer Super League scheint genauso schnell vom Tisch zu sein wie das Thema aufgekommen war. Dabei würde sie unter Schwerter Fußballern zumindest nicht auf ungeteilte Ablehnung stoßen.

Europäische Super League – kein Thema der internationalen Fußballwelt polarisierte in den vergangenen Tagen so stark wie die Pläne dieses neuen Fußballformates, das zwölf Vereinen aus England, Spanien und Italien einen Geldsegen von 3,5 Milliarden Euro beschert hätte. Nach europaweiten Fanprotesten scheint das Projekt aber nun doch nicht zu kommen.

Wir haben uns in Schwerter Fußballerkreisen umgehört und exemplarisch vier Kicker unterschiedlicher Couleur herausgepickt, die wir um ihre Meinung zur Super League gebeten haben.

Jasmin Smajlovic, Stürmer des ETuS/DJK Schwerte und Juve-Fan. © Manuela Schwerte © Manuela Schwerte

Jasmin Smajlovic geht für den ETuS/DJK Schwerte in der Bezirksliga auf Torejagd und ist Fan von Juventus Turin. Er sagt: „Die großen Fußballduelle möchte doch jeder Fan sehen, und es hätte für die Vereine ein finanzielles Sprungbrett sein können. Daher wäre ich zumindest zu 80 Prozent für die Super League gewesen.“

Gianluca Zoccos Herz schlägt für den AC Mailand

Auch Gianluca Zocco, Spielertrainer des A-Ligisten SG Eintracht Ergste, sympathisiert mit einem Verein, der Super-League-Gründungsmitglied gewesen wäre – Zoccos Fußballherz schlägt für den AC Mailand.

Gianluca Zocco, Spielertrainer der SG Eintracht Ergste, ist AC-Mailand-Fan. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Auch er könnte sich mit einer europäischen Super League durchaus anfreunden und sagt: „Ich hätte mir schon eine Umsetzung gewünscht. Denn es ist doch attraktiv, wenn immer die besten Teams Europas wie im Champions-League-Viertelfinale gegeneinander spielen.“ Letztlich sei der europäische Fußballverband (Uefa) bei der Idee mit den eigenen Waffen geschlagen worden. „Denn am Ende ist es Geldmacherei – und Geld regiert Welt“, stellte Zocco fest.

Von europäischem Spitzenfußball ist der FC Schalke 04 in diesen Tagen meilenweit entfernt. Aber das ist nicht der Hauptgrund, warum für Schalke-Fan und Mittelfeldspieler Marcel Katrakazos, im vergangenen Sommer vom SC Berchum/Garenfeld gewechselt zum FC Herdecke-Ende, die negativen Aspekte einer Super League überwiegen.

Marcel Katrakazos (re.) vom SC Berchum/Garenfeld hat es als Schalke-Fan zurzeit nicht leicht. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

„Natürlich wären das geile Spiele gewesen. Aber der Abstand zu den kleineren Clubs wäre immer größer geworden. Außerdem spielen die Fans eine wichtige Rolle, wie man jetzt gesehen hat“, meint Katrakazos.

Auch der für den Regionalligisten Preußen Münster spielende Schwerter Profi und BVB-Fan Niklas Heidemann war von den Plänen nicht überzeugt: „Für eine Saison wären es schöne Spiele gewesen, aber dann wäre es langweilig geworden. Die Champions League ist cool, weil es immer wieder Überraschungen gibt, weil es besondere Spiele sind und weil die Teilnahme nicht nur über den Etat der Vereine geregelt wird.“

BVB-Fan Niklas Heidemann ist Profi und spielt für Preußen Münster in der Regionalliga. © Jura Weitzel © Jura Weitzel

Einig war man sich allerdings in dem Punkt, seinem Verein als Fan die Treue zu halten – ob Super League oder nicht. „Ich werde auch in Zukunft alle Spiele des AC Mailand schauen, auch auch wenn der Verein schon viele Fehler gemacht hat“, sagt Gianluca Zocco stellvertretend. Die Gründung und Teilnahme an der europäischen Super League wäre ein solcher Fehler – zumindest aus Sicht der deutlichen Mehrheit europäischer Fußballfans, deren Protest ja nun anscheinend Wirkung gezeigt hat.

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