Der Fair-Play-Gedanke wird auf Amateurfußballplätzen zunehmend mit Füßen getreten. © dpa/picture alliance
Fußball

Nach Provokationen und tätlichem Angriff: Ein Schwerter Trainer ist „echt schockiert“

Die Verrohung der Sitten im Amateurfußball – das ist ein Thema, das nach Vorfällen in der jüngeren Vergangenheit wieder an Aktualität zu gewinnen scheint.

Eine signifikante Zunahme von Sportgerichtsverhandlungen, bei denen es nicht selten um Rudelbildung oder gar handgreifliche Auseinandersetzung während oder nach einem Spiel geht, sind der Beleg dafür, dass der Fair-Play-Gedanke auf den Sportplätzen nicht nur gefühlt immer mehr mit Füßen getreten wird.

Auch Dominik Buchwald empfindet das so. Der Trainer des VfL Schwerte ist in der vergangenen Woche gleich zweimal binnen vier Tagen an Spielen beteiligt gewesen, die aus VfL-Sicht nicht nur sportlich ein unschönes Ende genommen haben, das einem jeglichen Spaß an der angeblich doch schönsten Nebensache der Welt nehmen kann.

Provokationen und tätlicher Angriff

So erlebte Buchwald am vergangenen Sonntag nach dem Bezirksliga-Lokalduell beim ETuS/DJK Schwerte (3:0) Provokationen und aggressives Verhalten gegenüber den VfLern. Und am Mittwochabend beim Kreispokalspiel gegen den FC Sarajevo Bosna ging es offenbar sogar noch einen Schritt weiter. Der Schwerter Spieler Luca Vöckel soll bei der 2:3-Niederlage der Blau-Weißen von einem Zuschauer tätlich angegangen worden sein. Darüber hinaus habe es üble Beleidigungen seitens eines Sarajevo-Bosna-Verantwortlichen gegeben.

„Echt schockiert“ hätten ihn die Vorfälle in Schwerte-Ost und im Dortmunder Kreuzviertel, sagt Dominik Buchwald. Der VfL-Trainer legt aber großen Wert auf die Feststellung, dass es sich bei den Verfehlungen um Einzelfälle handelt und dass die große Mehrheit aller Beteiligten sich fair verhalten habe.

Kein „Bashing“ gegen einzelne Vereine

„Ein Vorstandsmitglied von Sarajevo Bosna, Muhamed Ahmeckovic, war mal Schüler von mir. Ich habe selten einen sozialeren und zuverlässigeren Menschen erlebt, der sich vorbildlich dort einbringt und der für die gleichen Werte im Fußball steht wie ich. Und auch mit den Verantwortlichen von ETuS haben wir einen respektvollen Umgang“, sagt Buchwald, der im Zivilberuf Lehrer ist.

So wolle er auch keineswegs im Sinne eines „Bashings“ gegen einzelne Vereine verstanden werden, so Buchwald. Denn die Thematik, dass es auf dem Platz und neben dem Spielfeld immer rauer zugeht, betreffe nicht nur einzelne Klubs. „Ich denke, der Amateurfußball hat generell ein Problem mit zunehmender Aggressivität.“ In dieser Hinsicht habe sich in den vergangenen Jahren einiges verändert, hat der 40-Jährige festgestellt. „Dass mal der eine oder andere Spruch fällt, ist sicher ganz normal – das gab es immer schon. „Aber die Hemmschwelle zu einer körperlichen Auseinandersetzung sei heutzutage viel niedriger – ein Phänomen, das einen Vollblutfußballer wie Buchwald nachdenklich stimmt.

Dominik Buchwald: „Es geht nur im Dialog“

Und was kann man dagegen tun? Buchwald sieht die Verantwortlichen der Vereine in der Pflicht. „Das Entscheidende ist, miteinander zu reden. Es geht nur im Dialog zwischen Vereinen, Spielern und Fans“, meint der VfL-Coach. Es könne ja wohl nicht sein, dass man Rudelbildung oder Ähnliches als Begleiterscheinung eines Fußballspiels fast schon für normal hält.

Diesem Trend könne man nur vereinsübergreifend und gemeinsam entgegenwirken, meint Dominik Buchwald – damit wieder vermehrt der Fußball in den Fokus rückt und weniger das manchmal unerfreuliche Drumherum.

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Michael Doetsch

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