Vor stets vollbesetzten Tribünen waren die Bundesliga-Heimspiele der A-Jugend der HVE Villigst-Ergste in der Saison 2015/16 jedes Mal ein Event. © Bernd Paulitschke
Handball

HVE Villigst-Ergste und ihre „totale Sensation“ – mit dem Schlusspunkt vor fünf Jahren

Die Qualifikation für die A-Jugend-Bundesliga ist für damaligen Trainer auch heute noch eine „totale Sensation“. Vor ziemlich genau fünf Jahren endete die Bundesligasaison der HVE Villigst-Ergste.

Der Schlusspunkt eines sportlichen Abenteuers liegt fast auf den Tag genau fünf Jahre zurück: Am 9. April 2016 absolvierten die Handballer der HVE Villigst-Ergste ihr letztes Spiel der A-Jugend-Bundesligasaison.

Es waren klangvolle Vereinsnamen, mit denen es der Nachwuchs der Villigst-Ergster da zu tun bekam. VfL Gummersbach, Bayer Dormagen, GWD Minden und andere mehr – die Talentschmieden zahlreicher Erstligisten bildeten das Zwölfer-Feld, das im September 2015 in der A-Jugend-Bundesliga West an den Start ging. Und eben die HVE Villigst-Ergste.

Dass auch seine Mannschaft diesem elitären Kreis angehören würde, bezeichnet der damalige Trainer Dirk Mimberg auch in der Rückschau mit mehreren Jahren Abstand noch als „totale Sensation“. Schritt für Schritt habe man sich seinerzeit durch die verschiedenen Qualifikationsrunden gespielt, erinnert sich Mimberg.

Entscheidendes Spiel gegen Nettelstedt

Selbst vor dem letzten Qualifikationsturnier im ostwestfälischen Nettelstedt, als es ums Bundesliga-Ticket ging, habe er nicht damit gerechnet, dass es für die Bundesliga reicht.

Dirk Mimberg, der die meisten Spieler seit frühester Handball-Kindheit unter seinen Fittichen hatte, denkt gerne an die A-Jugend-Bundesligasaison der HVE Villigst-Ergste zurück. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

„Ich weiß noch, dass mich damals ein paar Leute aus dem Verein vor dem Spiel angerufen haben, weil sie wissen wollten, wie sie zur Halle kommen. Ich hab‘ ihnen damals gesagt: Ihr braucht nicht zu kommen, hier gibt es nichts zu sehen“, erzählt Mimberg.

Und ob es was zu sehen gab! Die HVE-Spieler, die Mimberg und sein Trainergespann-Partner Thomas Bleigel zu einem großen Teil schon seit frühester Handball-Kindheit unter ihren Fittichen hatten, wuchsen über sich hinaus und zwangen im entscheidenden Spiel auch den favorisierten Bundesliga-Nachwuchs aus Nettelstedt in die Knie – der krasse Außenseiter hatte es tatsächlich geschafft.

Wachsende Anforderungen an den Verein

Mit dem sportlichen Erfolg wuchsen zugleich aber auch die Anforderungen an die HVE als Verein. Video-Aufnahmen von den Spielen, der Online-Spielbericht (heute Standard, damals noch Neuland) oder die Betreuung der Schiedsrichter, Offiziellen und Gästemannschaft – alles Dinge, mit denen man sich als relativ kleiner Verein in der neuen Bundesliga-Welt erstmal vertraut machen musste.

„Aber von den Strukturen her waren wir auch damals schon für einen Verein unserer Größenordnung überdurchschnittlich gut aufgestellt“, sagt Mimberg und meint damit nicht zuletzt die große Bereitschaft der Vereinsmitglieder, sich in vielfältiger Form zu engagieren. Oder anders ausgedrückt: Viele HVE-Menschen sorgten in ihren grünen Helfer-T-Shirts bei jedem Heimspiel für einen reibungslosen Ablauf in der stets prall gefüllten Sporthalle. So wurde aus jedem Bundesliga-Heimspiel ein sportliches Event – wenn die HVE-A-Jugend spielte, war immer was los im Gänsewinkel.

„Legendäres Heimspiel“ gegen GWD Minden

Dabei war die sportliche Ausbeute der Mannschaft in den Heimpartien eher spärlich. Nur eines ihrer elf Heimspiele konnte die HVE gewinnen – aber wie! Das 21:20 gegen GWD Minden, eines der absoluten Top-Teams Deutschlands, war das unumstrittene Highlight der Villigst-Ergster Bundesliga-Saison. Als „legendäres Heimspiel“ bezeichnet Mimberg diesen Überraschungstriumph, „danach ist kein Gegner mehr in unsere Halle gekommen, der keine Hochachtung vor uns hatte.“

Der überragende Torwart-Youngster Leon Grabenstein wurde anschließend auf Schultern durch die Halle getragen. Grabensteins Leistung beeindruckte offenbar auch den Gegner in hohem Maße – nach der Saison lockten die Mindener den Keeper in ihr Handballinternat.

Torwart Leon Grabenstein war der große Rückhalt der Villigst-Ergster Bundesliga-A-Jugend. © Bernd Paulitschke © Bernd Paulitschke

Eigentlich noch in der B-Jugend spielberechtigt, war Grabenstein der große Rückhalt einer Mannschaft, die insgesamt von ihrer Geschlossenheit und dem Teamspirit lebte.

„Haben uns auch sportlich gut verkauft“

Dies waren die Trümpfe, mit denen die Villigst-Ergster immerhin vier ihrer 22 Saisonspiele gewinnen konnten. „Es war vorher klar, dass man uns in einigen Spielen die Grenzen aufzeigen wird. Das war auch der Fall – aber insgesamt haben wir uns auch sportlich gut verkauft“, blickt Dirk Mimberg zurück.

Und heute? Im Gespann mit Thorsten Stange saß Dirk Mimberg auch noch auf der Trainerbank, als die erste Mannschaft der HVE ein Jahr später in die Landesliga aufstieg – mit einer Mannschaft, die sich im Wesentlichen aus den Bundesliga-A-Jugendlichen bestand, die im vergangenen Sommer dann auch noch in die Verbandsliga aufstiegen und auch heute noch den Stamm der „Ersten“ bilden.

Sie können mit Fug und Recht von sich behaupten, eine Saison mal Bundesliga gespielt zu haben – eine Saison 2015/16, an die sich alle Beteiligten der HVE Villigst-Ergste nur allzu gerne zurückerinnern.

Über den Autor
Redaktion Schwerte
Als Schwerter Sportredakteur seit 2000 auf den Sportplätzen und in den Hallen unterwegs – nach dem Motto: Immer sportlich bleiben!
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Michael Doetsch
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