Schalke gegen Bayern – dieses Duell gab es quasi als Vorspiel zum Bundesliga-Hit am Samstag bereits am Donnerstag auf der Gamescom in Köln. Olaf Thon und Ivica Olic standen sich gegenüber.

Gelsenkirchen

, 22.08.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Doch bevor die Schalke-Legende sich dem Computerspiel widmete, sprach der 53-Jährige im Interview mit dieser Zeitung über das neue Schalke, die Erfolgsaussichten gegen die Bayern, und warum die Verpflichtung von Superstar Philippe Coutinho den Königsblauen in die Karten spielen könnte.



Schalkes Spieler wirkten nach dem 0:0 in Mönchengladbach sehr erleichtert. Sie auch?

Nein. Ich stand ja nicht mit auf dem Platz (lachend). Der Punkt für Schalke war redlich verdient. Mönchengladbach hat mich eher enttäuscht, auch wenn ihr neuer Trainer Marco Rose hinterher gesagt hat, er sei zufrieden.



Schalke gegen Bayern firmiert am zweiten Bundesliga-Spieltag als Topspiel. Ist das nicht ein bisschen Etikettenschwindel?

Vielleicht denken diejenigen, die sich das ausgedacht haben, nicht nur an das Spiel am Samstag, sondern haben auch ein bisschen die Historie zwischen beiden Teams im Blick. Denken Sie nur an das 6:6 im DFB-Pokal. Es ist doch schön, wenn bei dieser Paarung auch solche Erinnerungen hochkommen. Das zeigt: Der Fußball lebt.


Warum sich Schalke-Legende Olaf Thon den Einsatz von Bayerns Philippe Coutinho wünscht

Bayerns neuer Star: Philippe Coutinho mit Trainer Niko Kovac. © imago


Bleiben die Bayern auch in der neuen Saison das Maß aller Dinge oder wird der Titelkampf spannender?

Bayern bleibt die Mannschaft, an der sich alle orientieren. Aber der Abstand zu Borussia Dortmund ist kleiner geworden. Der BVB ist ebenbürtig. Sie haben ihren Kader weiter verstärkt und auch einen Königstransfer gelandet.



Wen meinen Sie?

Mats Hummels. Den hätte ich aus Sicht des FC Bayern nie abgegeben. In Dortmund wird er die Abwehr noch mehr stabilisieren. Das könnte ein wichtiger Mosaikstein im Titelkampf werden.



Und Schalke?

Es gibt viele Stimmen, die sagen, mit Platz zehn wären wir zufrieden. Ich bin der Meinung, es geht erst einmal darum, so viele Punkte wie möglich zu holen, um ein stabiles Fundament zu bilden.


Als Bayern-Fan zur Schalke-Legende

Dass Olaf Thon als Kind in Bayern-Bettwäsche geschlafen hat, ist bekannt: Obwohl der 53-Jährige in Gelsenkirchen-Beckhausen, einen Steinwurf vom Parkstadion entfernt aufwuchs, galt seine Liebe den Münchenern statt den Schalkern. Seine ersten Erfolge feierte er aber in Königsblau: 1983 erhielt er seinen ersten Profivertrag, 1984 machte ihn das 6:6 im Pokal-Halbfinale gegen die Bayern deutschlandweit bekannt. Von 1988 bis 1994 spielte er für die Münchener und wurde 1990 Weltmeister. 1994 kehrte er zu Schalke zurück, mit ihm als Kapitän gewann S04 1997 den UEFA-Cup. Heute leitet er die eigenständige Abteilung „Traditionself“ des FC Schalke 04.

Die Vereinsführung hat kein Saisonziel ausgegeben.

Das halte ich für vernünftig. Nach einer Saison, in der Schalke um ein Haar abgestiegen wäre, macht es keinen Sinn, sich hinzustellen und zu sagen: Wir wollen Siebter oder Sechster werden. Schalke muss in dieser Saison kleinere Brötchen backen.



Der letzte Schalker Sieg gegen die Bayern liegt fast neun Jahre zurück. Waren Sie damals im Stadion?

Natürlich. Ich bin bei Heimspielen fast immer da. An diese Partie habe ich nicht mehr viele Erinnerungen. Spontan fällt mir das Kopfballtor von Benedikt Höwedes zum 2:0 ein. Gefühlt hätte ich gedacht, dass Schalke zuletzt gegen Bayern kurz nach meinem Karriereende (2002, die Red.) zuletzt gewonnen hat. (augenzwinkernd)


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Ist es früher leichter gewesen, Bayern zu bezwingen?

Nein. Das hängt immer auch ein bisschen vom Terminplan ab. Bekommst du es mit ihnen früh in der Saison zu tun, oder nach einem Europapokalspiel? Das sind alles Faktoren, die man berücksichtigen muss.



Diesmal haben die Münchener beim Saisonstart gegen Hertha nur Unentschieden gespielt. Macht das die Aufgabe für Schalke leichter oder schwerer?

Besonders kitzelig ist die Lage für Bayern-Trainer Niko Kovac. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, wann zuletzt ein Bayern-Trainer die ersten beiden Bundesligaspiele ohne Sieg geblieben ist. Insofern steht Kovac am meisten unter Druck.


Warum sich Schalke-Legende Olaf Thon den Einsatz von Bayerns Philippe Coutinho wünscht

Deutscher Meister mit Bayern München: Thon (r.) mit Hansi Flick (l.) und Alan McInally. © imago


Welche Taktik verspricht gegen den Deutschen Rekordmeister den meisten Erfolg?

Auf jeden Fall darf die Devise nicht sein, sich bloß hinten reinzustellen. Der FC Augsburg hat am vergangenen Wochenende leidvoll erfahren, was passieren kann, wenn man nur auf die Defensive setzt. Schalke muss auch selbst aktiv werden und versuchen, immer wieder Nadelstiche zu setzen. Sonst hat man gegen die Bayern keine Chance.



Der Schalker Gegner hat sich mit Philippe Coutinho spektakulär verstärkt. Was halten Sie von ihm?

Wenn Jürgen Klopp betont, er hätte ihn damals bei Liverpool nie abgegeben, wenn das finanziell darstellbar gewesen wäre, sagt das alles über die Qualität dieses Spielers aus. Sollte er in der Veltins-Arena sein Bundesliga-Debüt geben, ist das aber auch eine Chance für Schalke.


Wie meinen Sie das?

Solch ein Spieler muss integriert werden und verändert die Hierarchie in einer Mannschaft. Wenn Coutinho spielt, steigen die Schalker Chancen, weil sich alles um ihn dreht und Kovac sein Spielsystem ändern muss.



Auf Schalke ist Torwart Alexander Nübel ein großes Diskussionsthema. Der Verein hat zugelassen, dass der Torhüter seine Zukunftsentscheidung vertagen durfte. Ist das richtig?

Ich glaube, Schalke hat keine andere Wahl. Mit der Beförderung zum Kapitän haben sie Nübel signalisiert, welche Wertschätzung sie ihm entgegenbringen. Mehr ist nicht möglich. Er ist ein großes Talent, aber ich würde mir wünschen, dass er zum Beispiel bei seinen Pässen weniger ins Risiko geht.



Schalke hat die Mannschaft hinter der Mannschaft personell kräftig aufgestockt. Wird dadurch der Fußball langfristig wirklich besser?

Das gehört zur Professionalisierung dazu. Belastungssteuerung ist ein wichtiges Thema. Leipzig hat es als einer der ersten Vereine vorgemacht. Da wurde schon vor vielen Jahren nach jeder Trainingseinheit den Spielern Blut abgezapft, um zu sehen, wie sie körperlich in Schuss sind.



Schalke-Trainer David Wagner ist ein Freund der Viererkette.

Aber Domenico Tedesco ist mit der Dreierkette Vizemeister geworden. Das hängt vom Personal ab. Ich gehe aber davon aus, dass Wagner im Laufe der Saison variieren wird.


Letzte Frage: Wie ist Ihre Meinung zur Rassismus-Debatte um Clemens Tönnies?

Er hat einen Fehler gemacht und ist durch den Ehrenrat bestraft worden. Ich finde, er hat eine zweite Chance verdient.

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