So kennt man Domenico Tedesco auch aus seiner Zeit beim FC Schalke 04. Egal, wo der 34-Jährige arbeitet, er will einfach keine Zeit verlieren.

Gelsenkirchen

, 14.10.2019, 18:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch vor seiner offiziellen Vorstellung als neuer Trainer von Spartak Moskau absolvierte der Deutsch-Italiener am Montagnachmittag die erste Übungseinheit mit seiner neuen Mannschaft. Denn für Tedesco gilt es keine Zeit zu verlieren, weil sein neuer Verein meilenweit hinter den eigenen Erwartungen hinterherhinkt.



Bis seine Entscheidung gefallen war, waren mehrere Wochen ins Land gegangen. Vor wenigen Tagen war Tedesco zu ersten Verhandlungen in Moskau. „Ich fand es wichtig, mir vor der Zusage ein eigenes Bild vor Ort zu machen. Vom Klub, aber auch von der Stadt. Beides zusammen und die Gespräche mit den Verantwortlichen haben mich überzeugt. Es ist eine Herausforderung, die mich enorm reizt. Ich freue mich riesig darauf“, sagte der 34-Jährige bei seiner Vorstellung.


Neuer finanzieller Spielraum


Außerdem musste sein bis zum 30. Juni 2022 laufender Vertrag beim FC Schalke 04 aufgelöst werden, was am Montagnachmittag geschah. „Wir wünschen Domenico für seine neue Herausforderung bei Spartak Moskau alles erdenklich Gute“, erklärte Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider.



Für die Königsblauen hat die Vertragsauflösung mit dem sehr geschätzten Coach den willkommenen Nebeneffekt, dass der Verein eine Summe in der Größenordnung zwischen vier und fünf Millionen Euro einspart. Damit vergrößert sich der finanzielle Handlungsspielraum, um in der nächsten Transferperiode, zwischen dem 1. und 31. Januar, noch den einen oder anderen Spieler zu verpflichten. Schneider hatte keinen Hehl daraus gemacht, dass potenzielle Kandidaten im Sommer für Schalke nicht zu finanzieren waren.



Auf Platz neun abgestürzt

Tedesco hatte Schalke in seinem ersten Jahr als Bundesligatrainer in der Saison 2017/2018 nahezu sensationell zur Vizemeisterschaft und ins Halbfinale des DFB-Pokals geführt. Doch in seiner zweiten Spielzeit ging vieles schief. Schalke stürzte in der Bundesliga tabellarisch so ab, dass Tedesco am 14. März 2019 entlassen wurde.



Nun wartet in Moskau auf den Deutsch-Italiener eine höchst ambitionierte Aufgabe. Das Hauptstadt-Team hatte in der Liga zuletzt fünf Niederlagen kassiert und sich von Trainer Oleg Kononow getrennt. Mit nur 14 Punkten nach zwölf Spieltagen belegt Spartak in der Tabelle den neunten Platz, Spitzenreiter Zenit Sankt-Peterburg hat zwölf Zähler Vorsprung. Für Spartak Moskau ist es der schwächste Saisonstart seit dem Jahr 2003. Innerhalb eines Jahres hat Spartak, betreut vom deutschen Geschäftsführer Thomas Zorn, nun bereits viermal den Trainer entlassen.




Tradition spielt eine wichtige Rolle


Zum Trainerteam von Tedesco gehören der frühere Bundesliga-Profi Andreas Hinkel als sein Co-Trainer sowie Max Urwantschky als Torwarttrainer, der von Zweitligist Erzgebirge Aue wechselt, wo er mit Tedesco vor dessen Schalke-Engagement zusammenarbeitete. Bei Spartak trifft Tedesco auf den von Borussia Dortmund ausgeliehenen Ex-Weltmeister André Schürrle.



Bei seiner Entscheidung, nach Moskau zu wechseln, spielte für Tedesco auch noch ein weiterer Grund eine Rolle. „Dieser Verein hat eine große Geschichte. Er bedeutet den Menschen etwas. Das hat für meine Entscheidung eine große Rolle gespielt. Denn für mich gehört der emotionale Aspekt, die Tradition, die Verbundenheit von Fans und Verein dazu, wenn ich mich für einen Verein entscheide. Das war bei Aue so, das war bei Schalke so, das ist jetzt wieder so. Da bin ich auch ein Stück weit Romantiker“, machte der Coach deutlich, der nun mit einem der jüngsten Teams der russischen Liga arbeitet.

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