Trainer, Taktik, Torwart - Schalke steckt in drei T-Fallen fest

Schalke 04

Der erboste Klub-Chef nahm kein Blatt vor den Mund, der Sportdirektor ist konsterniert, die Mannschaft „jagt“ einen traurigen Rekord – Schalkes Dauerkrise hat bedrohliche Formen angenommen.

Gelsenkirchen

von Norbert Neubaum

, 01.06.2020, 15:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der ist drin: Bremens Bittencourt hat zum 1:0 für Werder Bremen getroffen. Alexander Nübel im Schalker Tor ist geschlagen, auch Jonjoe Kenny kann nur noch zuschauen, während Bremens Joshua Sargent jubelt.

Der ist drin: Bremens Bittencourt hat zum 1:0 für Werder Bremen getroffen. Alexander Nübel im Schalker Tor ist geschlagen, auch Jonjoe Kenny kann nur noch zuschauen, während Bremens Joshua Sargent jubelt. © dpa

Obwohl Schalkes Aufsichtsratschef wie vorgeschrieben einen Nasen-Mundschutz trug, ließen Worte, Mimik und Gestik keinen Zweifel daran, dass Clemens Tönnies die Schalker Vorstellung beim 0:1 gegen Bremen sauer aufgestoßen war. Der Vereins-Boss teilte auf dem Weg zum Arena-Parkplatz verbal ordentlich aus, seine Begleiter Huub Stevens und Olaf Thon hielten auch, aber nicht nur wegen der Corona-Vorschriften gebührenden Sicherheitsabstand.

Verständlich: Tönnies schimpft

Mit Tönnies, das wussten die erfahrenen Schalke-Legenden, war gerade nicht zu spaßen. Verständlich.

Denn nun ist auch den größten Optimisten klar geworden, dass Schalkes Dauer-Krise bedrohliche Formen angenommen hat.

Nur 1993/94 noch schlechter

In Zahlen bedeutet das: Kein Sieg aus den letzten elf Liga-Spielen, dabei vier Punkte geholt. Torverhältnis: 3:25. Schalke hat den Rekord der zweitschlechtesten Serie der Klub-Historie von 1996/97 eingestellt – damals holten die Königsblauen allerdings den Uefa-Cup. Nun „jagt“ die Mannschaft von Trainer David Wagner einen Rekord, den keiner will: 1993/94 blieb Schalke zwölf Bundesliga-Spiele in Folge sieglos.

Fast noch gespenstischer als diese ohnehin schon erschreckenden Zahlen sind die Leistungen: Wer dachte, es geht nicht noch schlechter als beim 0:3 gegen Augsburg und beim 1:2 in Düsseldorf, sah sich getäuscht. „Unterirdisch“ fand sogar der daran wesentlich beteiligte Daniel Caligiuri Schalkes Fußball-Verweigerung in der ersten Halbzeit gegen den Vorletzten Bremen.

Caligiuri: „Unterirdisch“

Der hatte nach einer halben Stunde als Auswärtsmannschaft über 80 Prozent Ballbesitz – das muss nicht unbedingt etwas heißen, in dem Fall sprach es Bände. Denn Schalke war so sehr ums Mauern bemüht, dass die Offensive nicht stattfand.

Weil Jean-Clair Todibo sich bei einem Dribbling aber zu viel zutraute, Bremens Leonardo Bittencourt den Konter mit einem tollen Linksschuss zum 0:1 abschloss (32.) und Schalke auch in der stärkeren zweiten Hälfte nichts Zählbares zustande brachte, ging auch das vierte Spiel in Serie verloren.

Was ist passiert mit dieser Mannschaft, die am 17. Januar noch mit 2:0 gegen Mönchengladbach gewonnen hatte und nach einem bärenstarken Auftritt von der Champions League träumen durfte?

Mit Beton gegen Kellerkinder

Trainer, Taktik, Torwart – Schalke steckt derzeit in drei T-Fallen fest.

Die Trainer-Falle: Sportvorstand Jochen Schneider, nach dem Bremen-Spiel konsterniert („Rückrundenbilanz und Leistungen sind niederschmetternd“), hat eine Job-Garantie für Wagner abgegeben. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Schneider hat Wagner geholt – und bis vor Wochen war ganz Schalke ja auch noch voll des Lobes. Ein erneut rascher Trainerwechsel würde auch Schneiders Handeln in Frage stellen. Sein Treueschwur könnte zur Falle werden, wenn Schalke die Kurve nicht mehr kriegt und – unrealistisch – tatsächlich noch in Abstiegsgefahr gerät.

Krise geht an die Nerven

Die Taktik-Falle: In der steckt David Wagner nun fest. Als reihenweise Leistungsträger ausfielen, stellte er vom Pressing-Stil auf eine Beton-Taktik um. Verständlich, als es z. B. im Pokal gegen die großen Bayern ging. Aber auch gegen Kellerkinder wie Augsburg, Düsseldorf und Bremen wurde „blauer Beton“, brüchig, angemischt. Wagners Meinung, mit dieser Mannschaft sei nichts anderes zu spielen, widerlegte das Team selbst, als in Hälfte zwei gegen Bremen mutiger und auch besser gespielt wurde.

Die Torwart-Falle: Markus Schubert war kein sicherer Rückhalt, das Comeback von Alexander Nübel (Wagner: „Er hat der Mannschaft Stabilität gegeben“) folgerichtig. Aber: In die kommende Saison geht Schalke ohne Nummer eins. Wird Rückkehrer Ralf Fährmann der lachende Dritte? Schneider hat vor Wochen in einem Interview mit den Ruhr Nachrichten die Verpflichtung eines neuen Torhüters ausgeschlossen.

Keine „richtige“ Nummer eins

Schalke in der Mega-Krise – nicht gut für die Nerven. Laut sei er in der Halbzeit des Bremen-Spiels geworden, verriet David Wagner. Zumindest das dürfte Clemens Tönnies, der bei seiner Schimpf-Kanonade vor dem Parkplatz auch die Einstellung angeprangert hatte, gefallen haben.

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