Schalke steckt in einer Mega-Krise - und die fängt schon hinten im Tor an. Bis zum Saisonende, darauf deutet vieles hin, wird nun wohl Alexander Nübel die Nummer eins sein. Und dann?

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 31.05.2020, 14:47 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Frage musste kommen, und David Wagner beantwortete sie äußerst knapp und ein wenig schmallippig. Ob der Trainer Markus Schubert nun nicht „verbrannt“ habe, wurde Schalkes Coach nach dem 0:1 gegen Werder Bremen gefragt. „Nein, das würde ich nicht sagen“, entgegnete Wagner.

Nur noch Leistung zählt

Aber einen ganz besonderen Zungenschlag hatte der vor dem Spiel vorgenommene Torwartwechsel natürlich schon. Der kam nicht unerwartet - Wagner hatte vor dem Bremen-Spiel, noch geschockt von der 1:2-Niederlage in Düsseldorf, angedeutet, dass bei der Aufstellung ab jetzt nur noch Leistung zählen würde. Folgerichtig saßen Matija Nastasic, Bastian Oczipka (es hätte auch noch andere treffen können) zunächst nur auf der Bank - genau wie Markus Schubert, der zuletzt alles andere als ein sicherer Rückhalt gewesen war.

Insofern war Wagner sich treu geblieben - der Torwartwechsel an sich war allerdings eine Rolle rückwärts. Nach Nübels bis dahin letztem Spiel, der 0:3-Pleite beim 1. FC Köln, hatte sich der Schalker Trainer für Markus Schubert entschieden und diesen Wechsel als „alternativlos“ bezeichnet. Bis zum Saisonende, so Wagner weiter, sei Schubert nun die Nummer eins.

Meinung geändert

Die Zeiten haben sich geändert, die Meinung des Trainers offenbar auch. Schalke steckt in einer Mega-Krise, die elf sieglosen Bundesliga-Spiele in Folge bei dem unfassbar schlechten Torverhältnis von 3:25 (!) zwingen Wagner zum Überdenken alter Zitate. Schubert raus, Nübel rein - die Gefahr, dass der zu den Bayern wechselnde Nübel wie in Köln von den eigenen Fans ausgepfiffen wird, besteht in den Corona-bedingten „Geisterspielen“ schließlich nicht mehr.

Die Rechnung ging zumindest einigermaßen auf - Nübel blieb fehlerfrei, eine substanzielle Bewertung seiner Leistung ist allerdings nicht möglich. Er bekam zwei Bälle aufs Tor, einer (unhaltbar) war drin, den anderen musste er halten. Alexander Nübel, so Wagner, habe der Mannschaft Stabilität verliehen und eine gute Leistung gezeigt. Das klang nicht so, als würde der Trainer nun schon wieder an einen Torwartwechsel denken.

Schubert war „ziemlich gefasst“

Und Markus Schubert? Ziemlich gefasst, so Wagner, habe er die Entscheidung aufgenommen, wieder auf der Bank Platz nehmen zu müssen. Und „exorbitant überrascht“, so der Trainer weiter, sei Schubert auch nicht gewesen. Die Frage wird nun sein, ob Schubert sich von dieser Degradierung rasch erholt. Schließlich hat Wagner ihm klipp und klar zu verstehen gegeben, dass er ihn aktuell nicht für den geeigneten Mann im Schalker Tor hält. Ob das eine Basis für die kommende Saison ist, müssen die beiden wahrscheinlich im Innenverhältnis klären.

Torwart-Wechsel-Dich: Alexander Nübel ist in der nächsten Saison weg, er geht zum FC Bayern München. Dritt-Torwart Michael Langer hat noch einen Vertrag bis 2021 - der 35-Jährige wird allerdings offenbar eher als Trainings-Partner geschätzt denn als ernsthafte Alternative im Tor, sonst hätte ja auch er angesichts dieser Wackel-Position auf Schalke mal eine Chance bekommen. Schubert und Langer - eine echte, garantierte Nummer eins ist also noch nicht dabei.

Kaderplaner ist gefragt

Die zu finden ist nun Aufgabe der Schalker Scouting-Abteilung, die ja mit dem hochgelobten Kaderplaner Michael Reschke an der Spitze vor der Saison ziemlich aufgerüstet wurde. Sie sollte in der Lage sein, für einen Verein wie den FC Schalke 04 einen außergewöhnlich guten Torhüter zu finden. Es sei denn, es gilt das gesprochene Wort von Sportvorstand Jochen Schneider...

Der hatte kurz vor der Corona-Zwangspause in einem Interview mit den Ruhr Nachrichten erklärt, dass Schalke mit Markus Schubert, Michael Langer und Ralf Fährmann in die kommende Saison gehen werde und daher gar nicht auf Torwart-Suche sei. Damals ging allerdings auch Schneider wohl noch davon aus, dass Schubert sich in seinen Leistungen stabilisieren und Nummer eins bleiben würde.

Von Tedesco degradiert

Das ist nun nicht mehr der Fall. Und so könnte in der kommenden Saison Ralf Fährmann der lachende Dritte neben Markus Schubert und Michael Langer werden. Der 31-Jährige war zur Rückrunde der vergangenen Saison von Ex-Trainer Domenico Tedesco auf die Bank verbannt worden. Fortan hütete Nübel das Tor, Fährmann kam nur noch in der Champions League zum Einsatz.

Fährmann ließ sich zu Norwich City ausleihen, was sich allerdings als Missverständnis entpuppte. Auf der Insel kam der Schalker Ex-Kapitän kaum zum Einsatz, mehr oder weniger desillusioniert verließ der Torhüter die Engländer. Weil er wegen der Corona-Krise ab April wieder auf Schalke mittrainierte, wünschten sich einige Fans seine Rückkehr ins S04-Tor sogar schon für die letzten Saisonspiele. Das kann aber nicht funktionieren: Aktuell ist Fährmann an den norwegischen Klub Brann Bergen ausgeliehen. Erst ab kommender Saison steht er Schalke wieder voll und ganz zur Verfügung. Vielleicht sogar als alte, neue Nummer eins.

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