Tiefe Schalker Gräben in der Diskussion um Clemens Tönnies

Schalke 04

Eine Podiumsdiskussion mit Schalker Beteiligung zum Thema Rassismus zeigt die tiefen Gräben, die nach den rassistischen Aussagen von Clemens Tönnies weiterhin bestehen.

Gelsenkirchen

, 04.09.2019, 14:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Tiefe Schalker Gräben in der Diskussion um Clemens Tönnies

Hatte auf einer Podiumsdiskussion in Gelsenkirchen einen schweren Stand: Peter Peters. © dpa

Peter Peters wirkte sehr nachdenklich, als die Podiumsdiskussion zum Thema Rassismus kurz vor 21 Uhr am Dienstagabend in einem überfüllten Sitzungsraum der Gelsenkirchener Volkshochschule beendet war. Der Schalker Finanzvorstand hatte alle seine rhetorischen Möglichkeiten in die Waagschale geworfen, um die über 100 Zuhörer von seinen Argumenten zu überzeugen. Doch als Fazit dieser Veranstaltung musste man feststellen: Die tiefen Gräben, die die rassistischen Äußerungen von Clemens Tönnies bei einem Teil der Schalker Vereinsfamilie hinterlassen haben, bestehen unverändert fort.


Das wurde an den Beiträgen der Diskutanten überdeutlich. Peters warb in eindringlichen Worten um eine zweite Chance für Tönnies: „Er hat einen Fehler gemacht, und sich entschuldigt. Clemens Tönnies ist kein Rassist. Er hat sehr viel Gutes für den FC Schalke 04 und die Stadt getan“.


Ehrenrat in der Defensive


Die Gegenposition vertrat in nicht minder deutlichen Worten Sven Schneider, der Vorsitzende der Schalker Faninitiative. Er betonte: „Die Äußerungen von Tönnies und der Umgang mit ihnen durch den Verein haben unsere Anti-Rassismusarbeit in die Steinzeit zurückgeworfen“.



Übel genommen wurde Peters auch, dass er noch auf der Jahreshauptversammlung eine umjubelte Brandrede gegen Rassismus, Sexismus und Gewalt gehalten hatte, nun jedoch bei den umstrittenen Äußerungen von Tönnies eingeknickt sei. Der 57-Jährige wies die Vorwürfe zurück und bewertete die Entscheidung des Ehrenrates, dass Tönnies sein Amt für drei Monate ruhen lassen muss, als „harte und bittere Sache“ für den Aufsichtsrats-Chef.


Der „Fall Özil“

Drei Mitglieder des Ehrenrates waren übrigens auch bei dieser Podiumsdiskussion dabei und mussten sich ebenfalls viel Kritik anhören. Ein Zuhörer konnte zum Beispiel nicht nachvollziehen, warum die Schalker Satzung bei Tönnies nicht angewendet werde, die bei rassistischen Äußerungen einen Vereinsausschluss vorsehe. Dies konterten die Ehrenratsmitglieder mit dem Hinweis, dies sei eine Kann-Option, jedoch nicht zwingend aus der Satzung abzuleiten.


Roman Kolbe, der für das Fanmagazin „Schalke unser“ schreibt, schimpfte: „Gehören rassistische Äußerungen künftig in die Kategorie Meinungsfreiheit, wenn Sanktionen ausbleiben?“ Kolbe beklagte zudem eine Verrohung der Sitten auf den Social-Media-Kanälen des FC Schalke 04. Als Beispiel nannte er den 30. Geburtstag von Mesut Özil, zu dem Schalke seinem Ex-Spieler auf Twitter gratuliert hatte. Kolbe: „Danach folgten unfassbare Reaktionen bis hin zu Aufrufen zu Straftaten, ohne dass Schalke dem Einhalt geboten hat“.


Kritik auch an der Ethikkomission

Die Hoffnung von Professor Wilhelm Heitmeyer, der den Abend mit einem Impulsreferat eröffnet hatte, das Thema Rassismus auf einer allgemeineren Ebene zu diskutieren, erfüllte sich nur zu einem kleinen Teil. Die Aussagen von Tönnies sind weiterhin auf Schalke ein großes Thema.


Auch Heitmeyer sparte nicht mit Kritik. Für den Konfliktforscher hat die Ethik-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes mit ihrem Verzicht auf ein Verfahren gegen Clemens Tönnies „die Glaubwürdigkeit des DFB ruiniert“.

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