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Schalkeist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Aus dem Klub der Malocher ist ein Klub der Direktoren geworden. Nicht weniger als zwölf Personen firmieren mittlerweile als Direktoren.

Gelsenkirchen

, 22.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Beim Interview mit Huub Stevens vor seinem letzten Spiel als Schalker Trainer gegen den VfB Stuttgart durfte der Blick zurück natürlich nicht fehlen. Mit etwas Wehmut plauderte der 65-Jährige ganz ungezwungen, wie das damals war in seiner ersten Schalker Amtszeit als Coach, wenn es galt, neue Spieler zu verpflichten.

„Da ging ich jeden Morgen vor dem ersten Training in das meistens verqualmte Büro von Assi (gemeint ist Rudi Assauer, die Red.) und wir redeten stundenlang über potenzielle Kandidaten für Schalke. Danach sind wir losgefahren und haben uns gemeinsam Spieler angeschaut“, schilderte Stevens die Vorgehensweise, die sich als recht erfolgreich entpuppte.

„Vier Augen Prinzip“

Es sind solche kleinen Geschichten, die deutlich vor Augen führen, wie viel sich in der Bundesliga im Allgemeinen und beim FC Schalke 04 im Speziellen verändert war. Galt damals bei den Königsblauen offenbar nur das „Vier-Augen-Prinzip“ bei Transfers, haben fast alle Bundesligaklubs längst eine Armada von Mitarbeitern installiert, die auf den unterschiedlichsten Geschäftsfeldern im Einsatz sind.

Schalke trägt damit der Expansion des Klubs auf vielen Ebenen Rechnung. Allein die Mitgliederzahlen sind in den vergangenen 25 Jahren regelrecht in die Höhe geschossen. Bald hat Schalke die Marke von 160.000 erreicht.

537 Mitarbeiter allein im Konzern

Insgesamt beschäftigt der Verein 537 Mitarbeiter im Konzern. Zählt man alle Helfer und Aushilfen dazu, die Arbeitsleistungen für den Verein erbringen und für die der FC Schalke 04 Lohn- und Gehaltszahlungen leistet, sind es sogar 1.871 Menschen. So steht es im Konzerngeschäftsbericht des vergangenen Jahres.

Die starke Expansion hat aber auch ihre Schattenseiten. „Der Malocherklub ist zum Direktorenklub geworden“, spottet ein Kritiker, der nicht genannt werden will, angesichts des Umbaus auf der Führungsebene. Denn unter dem dreiköpfigen Vorstand gibt es jetzt nicht weniger als zwölf Personen im Direktorenstatus (siehe Grafik oben), wobei der Sportdirektor noch gefunden werden muss.

Neue Führungsebene mit Senior-Direktoren

Die Führungsebene mit den Senior-Direktoren wurde unlängst neu installiert. Davon waren nicht alle Schalke-Mitarbeiter begeistert und gründeten einen Betriebsrat, ein Novum in der Vereinsgeschichte.

Marketing-Vorstand Alexander Jobst räumte im März bereits im Interview mit dieser Zeitung ein: „Schalke ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Die Folge sind unterschiedliche Interessenslagen in Führungsstil und inhaltlicher Sichtweisen. Ein konstruktiver Betriebsrat im Sinne der Vereinsinteressen als Mitarbeitervertretung bietet für die Zukunft auch eine Chance zur weiteren Optimierung unseres Betriebsklimas“.

Digitalisierung mehr und mehr auf dem Vormarsch

Zustimmung zur Interessenvertretung der Mitarbeiter hört sich anders an. Ein Insider im Verein merkte im Gespräch mit dieser Zeitung kritisch an, dass Schalke auch ein Kommunikationsproblem habe. „Entscheidungen, die die Führungsebene fällt, werden den Mitarbeitern zu wenig erläutert. Darunter leidet der betriebliche Frieden“.

Kein Geheimnis ist beispielsweise, dass die Medienabteilung alles andere als begeistert ist, dass die Vereinszeitschrift „Schalker Kreisel“ nur noch wenige Male im Jahr erscheint. Gilt doch der „Kreisel“ als ein Stück Kulturgut der Vereinsgeschichte, das der Digitalisierung geopfert wurde.

Große Defizite im Scouting

Auch wenn Schalke nun zweimal in den vergangenen drei Jahren die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb verpasste, hält der Traditionsklub an seinem Anspruch fest, ein Verein mit internationaler Ausrichtung zu sein. Dieses Beharren wird aber nur noch ernstgenommen werden können, wenn die Königsblauen in der neuen Saison sportlich die Kurve bekommen.

Insbesondere im Scouting offenbarte Schalke in der vergangenen Saison elementare Defizite. Die knapp 30 Studenten, die Ex-Manager Christian Heidel von der Sporthochschule Köln aktivierte, um den internationalen Markt vor den Computern zu sondieren, erwiesen sich nicht als der Weisheit letzter Schluss. Sonst wären Transfers wie zum Beispiel der von Hamza Mendyl wohl nicht realisiert worden. Jetzt sollen der neue Technische Direktor Michael Reschke als Kaderplaner und der noch zu bestimmende Sportdirektor es besser machen.

Angesichts der zahlreichen Problemfälle, die in der Schalker Mannschaft in der vergangenen Saison zu besichtigen waren, ist das eine Herkulesaufgabe. Wie schnell sie bewältigt werden kann, lässt sich zurzeit noch nicht seriös beurteilen. Nur so viel steht fest: Schalkes Direktoren müssen jetzt mächtig malochen.

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