Der Stürmer wird mit Schalke in Verbindung gebracht. Aber das Interesse der Königsblauen hält sich offenbar in Grenzen. Dafür gibt es Gründe - obwohl so ein Transfer verlockend wäre.

Gelsenkirchen

, 03.08.2020, 07:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Gerücht tauchte schnell auf, dafür kam es aber mit voller Wucht: Schalke, so brodelt es in der Gerüchteküche, habe Interesse an einer Verpflichtung von Max Kruse. Als Nebenbuhler sozusagen von Werder Bremen - der Fast-Absteiger sei an einer Rückkehr des Stürmers interessiert.

Tatsächlich soll sich das Schalker Interesse an einer Verpflichtung von Max Kruse aber in überschaubaren Grenzen halten. Dafür gibt es Gründe. Die Schalker Chefetage weiß: Das „Aber“ ist in diesem Fall größer als der Reiz, den eine solche Verpflichtung hätte.

Eigenwilig, erfolgshungrig

Denn so ganz absurd wäre ein Schalker Werben um Kruse ja nicht: Schließlich sind die Königsblauen auf Stürmersuche, und starke Typen mit der Neigung zur Führungspersönlichkeit könnte Schalke gut gebrauchen. Kruse gilt als Charakterkopf, als eigenwilliger Vertreter seiner Branche, aber auch als erfolgshungrig und als jemand, der seine Meinung nicht nur intern äußert. Warum sollte es Schalke also nicht mal mit einem Spieler dieser Art versuchen?

Weil es rund um einen Kruse-Transfer zu viele Risiken und Unwägbarkeiten geben würde. Mal ganz sportlich gesehen: Kruse ist ein Typ „hängende Spitze“, eine Art freischaffender Künstler im Offensivbereich. Eine Rolle, die er prächtig auszuüben versteht - das hat Schalke oft genug zu spüren bekommen, in der Veltins-Arena lief Kruse mehr als einmal zu großer Form auf. Kruse ist allerdings kein „echter“ Mittelstürmer.

Kein „echter“ Mittelstürmer



Und so einen müsste Schalke doch eigentlich suchen. Denn bis auf Guido Burgstaller haben die Königsblauen davon keinen im Kader. Rabbi Matondo, Mark Uth, Benito Raman, auch Ahmed Kutucu nicht - das sind alles durchaus respektable Angreifer, die ihre Stärken haben, aber nicht dann, wenn es darum geht, vorne - um es salopp auszudrücken - einfach mal die Birne hinzuhalten. Kruse wäre ein weiterer, wenn auch hochkarätiger Vertreter dieser Spieler-Art.

Wie fit ist der 32-Jährige, wie ist seine vertragliche Situation, nachdem er seinen Kontrakt bei Fenerbahce Istanbul aufgelöst hat? Würde er, garantiert keiner der schlecht verdienenden Profis im Lande, sich mit der Schalker Gehaltsobergrenze von 2,5 Millionen Euro pro Jahr zufrieden geben? Wie motiviert wäre er noch, um auf Schalke mit anzupacken und etwas zu bewegen? Schalke bräuchte einen bärenstarken Kruse. Mitläufer gibt es im aktuellen Kader genug.

2000 Möller, 2010 Raul. Und 2020?


Diese vielen „Abers“ gibt es bei jedem Transfer, sagen Sie? Mag sein. Und in der Tat wäre es extrem spannend, einen solchen Spieler auf Schalke zu sehen. Es sei nur an zwei Transfers erinnert, die aus völlig unterschiedlichen Gründen zunächst auch undenkbar schienen, die dann aber voll einschlugen: Im Jahr 2000 holte Rudi Assauer mit Andi Möller vom BVB das personifizierte Feindbild vieler S04-Fans nach Schalke, und 2010 gelang Felix Magath mit der Verpflichtung von Raul ein Sensations-Coup. Kruse gehört natürlich nicht in diese absolute Top-Kategorie, aber aufhorchen ließe seine Verpflichtung allemal. 2000, 2010, jetzt 2020 - alle zehn Jahre also einfach mal „einen raushauen“?

Aber es sind andere Zeiten. Beim schmalen Schalker Budget muss jeder Transfer wohl überlegt sein - und sollte sitzen. Die Gemengelage ist so sensibel, dass die Risikobereitschaft verständlicherweise genau abgewogen werden muss. Es wäre fatal, wenn Schalke mit Kruse ins Risiko gehen würde - und sich der Transfer hinterher als Fehlgriff entpuppt.

Fehlgriff wäre fatal

Letztlich darf die Schalker Chefetage, allen voran Sportvorstand Jochen Schneider, aber nicht darauf hören, was die Öffentlichkeit sagt. Wenn Schneider und Trainer David Wagner von Kruse absolut überzeugt sind, dann sollten sie an einem Transfer arbeiten. Das ist aber offenbar nicht der Fall. Und dafür gibt es - so reizvoll Kruses Verpflichtung auch wäre - Gründe. Die Lust auf ein Spektakel muss auf Schalke aktuell der Vernunft weichen.

Schlagworte: