Schalke kommt nicht zur Ruhe

Schalke 04

Schalke-Trainer David Wagner hat sich mit einem Appell an die Fans gewendet. Doch Clemens Tönnies steht weiter in der Kritik. Rund 150 Mitglieder sind in den letzten Tagen ausgetreten.

Gelsenkirchen

, 08.08.2019, 18:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schalke kommt nicht zur Ruhe

Trotz der Diskussionen um Clemens Tönnies freut sich David Wagner auf sein Pflichtspieldebüt auf der Schalker Trainerbank. © dpa

David Wagner ist schon zu lange im Fußball-Geschäft tätig, um nicht zu wissen, welche Fragen ihn am Donnerstag erwarten würden. Also begann der 47-Jährige die Pressekonferenz vor dem Pokalspiel beim SV Drochtersen/Assel (Sa. 15.30 Uhr/Sky) mit einem Gag. „Ich beantworte nur Fragen zur sportlichen Entwicklung“, setzte Wagner an, blickte in erstaunte Journalistengesichter und fuhr dann dort: „Das war nur ein Spaß.“

Doch zum Lachen ist auf Schalke auch drei Tage nach der Entscheidung des Ehrenrates in der Causa Clemens Tönnies keinem zumute. Die Diskussionen um die rassistischen Äußerungen des Aufsichtsrates-Vorsitzenden, der sein Amt nun drei Monate ruhen lässt, reißen nicht ab und lassen die sportlichen Aktivitäten in den Hintergrund treten.

Zweite Chance für Tönnies

Bis gestern Nachmittag hatten nach Informationen dieser Zeitung rund 150 Personen ihre Mitgliedschaft beim FC Schalke 04 gekündigt. Das entspricht bei einem aktuellen Mitgliederstand von 160.023 zwar gerade mal 0,1 Prozent. Doch die Frage bleibt, ob diese Entwicklung nur eine Momentaufnahme ist oder sich zu einem Trend verfestigt.

Wagner appellierte an die Schalker Fans, bei allen Diskussionen um Clemens Tönnies den Fußball nicht zu vergessen: „Es gibt den Moment, wo es nur noch um das Pokalspiel in Drochtersen geht und darum, unser Team zu unterstützen. Das habe ich so auf Schalke kennengelernt. Ich appelliere daran, dass das auch am Samstag ab 15.30 Uhr so sein wird.“


Ultras üben scharfe Kritik


Die Äußerungen von Tönnies bewertete der Schalker Trainer nicht nur auf den 63-Jährigen bezogen. „Völlig unabhängig von Clemens Tönnies bin ich der Meinung, dass jede Person, die in verantwortungsvoller Position einen Fehler macht, dafür sanktioniert wird und danach total überzeugende Reue zeigt, dass man dieser Person die Chance gibt, es besser zu machen“, betonte Wagner.



Auch innerhalb des Kaders wurde am Dienstag die Causa Tönnies offen angesprochen. Wagner und Sportvorstand Jochen Schneider ermöglichten den Spielern eine Aussprache, in der jeder seine Meinung äußern konnte.


Sarpei fordert Entschuldigung

Die mächtige Fan-Gruppierung der Schalker Ultras bezog mittlerweile klar Stellung und kritisierte den Ehrenrat heftig: „Das Ergebnis des Ehrenrates ist für uns in keiner Art und Weise akzeptabel! Die jahrelange Antirassismusarbeit auf Schalke wird durch diese Entscheidung nicht nur mit Füßen getreten. Dieser Beschluss schädigt das Image unseres Vereins nachhaltig. Wir fordern daher, Clemens Tönnies die oftmals symbolisierte und angesprochene „Rote Karte“ zu zeigen und, dass der Verein Schalke 04 seiner Verantwortung gerecht wird!


Der frühere Bundesliga-Profi Hans Sarpei forderte im Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur, „dass sich Herr Tönnies noch einmal klar und deutlich gegenüber den Afrikanern in Deutschland und in Afrika öffentlich entschuldigt.“

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