Im Interview spricht Mönchengladbachs Dauerbrenner Patrick Herrmann über den ersten Bundesigagegner Schalke 04, Höhen und Tiefen seiner Karriere sowie über Breel Embolo.

Gelsenkirchen

, 14.08.2019 / Lesedauer: 4 min

Er gehört zu den dienstältesten Profis bei Borussia Mönchengladbach und ist bei den Fans beliebt: Patrick Herrmann hat mit seinem Herzensklub schon eine Menge erlebt. Im Interview spricht der 28-Jährige über Höhen und Tiefen seiner Karriere, Samstags-Gegner Schalke 04 (18.30 Uhr/Sky) und Neuzugang Breel Embolo, der von den Königsblauen in den Borussia-Park gewechselt ist.

Im Jahr 2008 sind Sie ins Fußballjugend-Internat nach Mönchengladbach gewechselt. Seitdem sind Sie Borusse. Ist das nicht furchtbar langweilig?

Patrick Herrmann: Wenn Sie wüssten... Nein, Spaß beiseite. Bisher war es eine wunderbare Zeit. Ich habe viele Dinge erlebt, die ich bis an mein Lebensende nicht vergessen werde.



Zum Beispiel?

Das Europa-League-Spiel in Rom im Jahr 2013, wo unsere Mannschaft von über 10.000 Mönchengladbacher Fans unterstützt wurde. Dort herrschte Gänsehaut-Atmosphäre. Diese Partie bei Lazio Rom werde ich immer in Erinnerung behalten, auch wenn wir 0:2 verloren haben. Oder die Spiele gegen den FC Bayern München, die immer etwas Besonderes sind.



Im Frühjahr herrschte lange Rätselraten: Bleiben oder gehen Sie? Was hat am Ende den Ausschlag gegeben?

Ich hatte gute Gespräche mit Manager Max Eberl und bin überzeugt davon, dass ich der Borussia sportlich noch weiterhelfen kann. Ich wollte den Verein ja eigentlich auch nie verlassen. Ich bin so ehrgeizig, dass ich davon ausgehe, meine Einsatzzeiten zu bekommen. Und ich habe kein Problem damit, von der Bank ins Spiel zu kommen.



Auch Schalke 04 soll an Ihrer Verpflichtung interessiert gewesen sein.

Offiziell nur der VfB Stuttgart. Belassen wir es dabei. (lächelnd)



Aber der Kampf um Einsatzzeiten dürfte in Mönchengladbach nicht leicht werden.

Ich habe in meiner Karriere noch nie die Konkurrenz gescheut. Außerdem sind wir in drei Wettbewerben vertreten. Da denke ich schon, dass unser neuer Trainer auch mal rotieren wird.



Welchen Eindruck haben Sie von Marco Rose?

Er arbeitet unheimlich akribisch und sagt jedem Spieler ganz genau, was er von einem erwartet. Wir arbeiten intensiv an einem neuen Spielsystem. Es wird noch einige Zeit dauern, bis ein Rad ins andere greift. Aber ich bin überzeugt davon, dass wir auf einem guten Weg sind.




Im Pokal in Sandhausen war davon aber noch nicht viel zu sehen.

Dieses Spiel will ich nicht überbewerten. Es war ein typische Pokalpartie und das erste Pflichtspiel nach einer harten Vorbereitung. Wichtig war erst einmal nur, dass wir die nächste Runde erreicht haben.



Dieser Erfolg wurde mit der Verletzung von Mittelfeldspieler Jonas Hofmann aber teuer bezahlt.

Leider wird er uns einige Wochen ausfallen. Aber wir haben so viel Qualität in unserem Kader, dass wir das auffangen können.



Sie hatten in Ihrer Karriere ja auch schon viel Pech mit Verletzungen.

Zum Glück ist es mir immer gelungen, sportlich wieder Fuß zu fassen. In dieser Vorbereitung lief gesundheitlich alles glatt. Deshalb gehe ich optimistisch in die neue Spielzeit.



Gab es bei Ihnen auch einmal die Angst, die Fußballschuhe frühzeitig an den Nagel zu hängen?

Ja. 2015 hatte ich mir das hintere Kreuzband gerissen. Das passiert einem Fußballer relativ selten. Ich habe dann die Meinungen mehrerer Ärzte eingeholt. Der eine riet zur Operation, der andere nicht. Diese Situation war sehr belastend für mich. Es hieß schließlich, selbst bei einer Operation hätte ich keine Gewähr, in den Profifußball zurückzukehren.



Und dann?

Habe ich mich für eine konservative Behandlungsmethode ohne Operation entschieden. Das hat sich zum Glück als richtig erwiesen. Aber die Rückkehr bis zur Spielfähigkeit war sehr mühsam.



Ihr neuer Mannschaftskamerad Breel Embolo kann das sicher nachvollziehen, weil er solch lange Zwangspausen auch kennt. Wie macht er sich bei der Borussia?

Sehr gut. Aber wir haben hier in Mönchengladbach noch nie Probleme gehabt mit der Integration von neuen Spielern. Breel hat sich sehr gut eingelebt.



Was erwarten Sie für eine Partie am Samstag?

Dass Schalke in der vergangenen Saison nur Vierzehnter wurde, spielt keine Rolle. Sie haben eine spielstarke Mannschaft. In der Vergangenheit waren die Partien gegen die Königsblauen meistens hart umkämpft. Besonders freue ich mich, dass wir die Saison im Borussia-Park mit solch einem attraktiven Heimspiel beginnen dürfen.



In Mönchengladbach sind die Erwartungen der Fans in den vergangenen Jahren gestiegen. Ist das Ansporn oder manchmal sogar eine Belastung?

Das sind wir selbst schuld, weil wir recht erfolgreich waren. Der Verein ist sportlich und infrastrukturell Zug um Zug gewachsen. Und die Europapokalspielen haben natürlich unseren Anhängern Appetit gemacht. Aber ich empfinde das nicht als Belastung. Wir sind ehrgeizig und wollen in der neuen Saison wieder eine gute Rolle spielen. Am liebsten in allen drei Wettbewerben.

Ihr neuer Vertrag geht bis ins Jahr 2022. Dann sind Sie 31 Jahre alt. Werden Sie in Mönchengladbach Ihre Karriere beenden?

Das will ich nicht ausschließen. Aber der Fußball ist so schnelllebig geworden. Trainer und Fußballer kommen und gehen immer schneller. Das kann man bedauern, aber es ist der Lauf der Zeit.

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