Wenn Schalke auf Dortmund trifft, werden Erinnerungen wach an Duelle der beiden Traditionsklubs, die länger nachwirkten. Wir erinnern an einige Kuriositäten aus der Bundesliga-Geschichte.

Gelsenkirchen

, 22.10.2019, 17:38 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zum Angstgegner für den Lokalrivalen zu werden, davon träumen alle Derbykontrahenten. Schalke 04 gelang das gegen Borussia Dortmund zwischen dem 14. November 1998 und dem 14. Mai 2005. Besondere Bedeutung kam dem 13. Derby in dieser Serie zu. Eine Niederlage galt es aus Schalker Sicht am 30. Januar 2004 unbedingt zu vermeiden, war doch der folgende Tag der 1904. dieser stolzen Erfolgsserie.



Und das sollte auf ungewöhnliche Art und Weise gelingen. An jenem Freitagabend wehrte Schalke-Torhüter Frank Rost nämlich zwei Elfmeter von Jan Koller (9.) und Torsten Frings (74.) ab. Dann erzielten die Schalker in der 89. Minute den 1:0-Siegtreffer durch Ebbe Sand.




Breuckmann stichelt


Ausgerechnet Sand mögen viele BVB-Anhänger in diesem Augenblick gedacht haben, denn der Däne befand sich bis zu diesem Derby in einer veritablen Torkrise. Rund neun Monate war der Mittelstürmer ohne eigenen Treffer geblieben. Dann kam das Derby, und WDR-Radioreporter Manfred Breuckmann konnte sich nach dem Schlusspfiff folgenden Satz nicht verkneifen: „In diesem Jahr werden in Dortmund die ersten Kinder eingeschult, die noch nie einen Sieg gegen Schalke erlebt haben!“



Das nächste Kapitel der spektakulären Derby-Geschichte liegt noch nicht lange zurück. In der Saison 2017/18 sorgte Schalke für Schlagzeilen, als die Königsblauen eine der spektakulärsten Aufholjagden aller Zeiten hinlegten und in Dortmund aus scheinbar aussichtsloser Position noch ein Unentschieden holten. Bis zur 60. Minute führte der BVB nämlich souverän mit 4:0. Dann begann das epische Comeback der Königsblauen, die sich in der Nachspielzeit mit dem Ausgleich zum 4:4 durch Naldo einen Punkt sicherten.



Tönnies spricht über Gitter



Schalke-Boss Clemens Tönnies hielt es nach dem Schlusspfiff nicht mehr im Schalker Fan-Block. Er sprang über die Gitter auf den Rasen und in die Mannschaftskabine, um den Spielern zu gratulieren. In Gelsenkirchen angekommen, sahen einige Schalker Fans im Trainerbüro am späten Abend noch Licht. Domenico Tedesco hörte bald begeisterte Fangesänge und spendierte den Fans Pizza und Pasta an einem für Schalke unvergesslichen Tag.



Nichts zu feiern hatten die Schalker dagegen am 13. Spieltag in der Saison 1966/67. 6:2 zerlegte der BVB den Rivalen, schon zur Halbzeit hieß es 4:0 für die Dortmunder. Kleiner Trost für Schalke: Kaum jemand sah die klare Überlegenheit der Gastgeber auf dem Spielfeld, weil dichte Nebelschwaden einen ungetrübten Blick verhinderten.



Debakel im Nebel



Schalkes Abwehrchef Klaus Fichtel sagte hinterher: „Wir mussten uns gegenseitig über den Spielstand informieren“. Und Schiedsrichter Gerd Henning, der die Partie trotz der ungewöhnlichen Rahmenbedingungen nicht abbrach, erklärte laut „Welt“ recht pragmatisch: „Ich bin immer, wenn der Ball in den Nebel geschossen wurde, hinterhergelaufen. Das war anstrengend, aber okay.“



In den 1980er Jahren hatten beide Revierrivalen so manche Tiefpunkte zu überstehen. Bei der Vergabe von Meistertiteln hatten weder Schalke noch der BVB etwas zu melden. Auch die direkten Duelle verliefen relativ unspektakulär. Ein besonderes Derby gab es jedoch in der Saison 1985/86, wobei es bis zum Halbzeitpfiff nur wenige Höhepunkte gab und beim Spielstand von 0:0 die Seiten gewechselt wurden.


Sechs Tore in einer Halbzeit



Doch nach dem Seitenwechsel drehten die Gastgeber im Parkstadion mächtig auf und trafen gleich sechs Mal! Ingo Anderbrügge konnte mit seinem Treffer für den BVB nur noch etwas Ergebniskosmetik betreiben.



Platz eins gegen Rang elf, 25 Punkte Differenz: Selten war ein Derby zwischen Dortmund und Schalke von solchunterschiedlichen Vorzeichen geprägt wie am 21. Spieltag der Saison 2010/2011. Das Duell verlief dann auch sehr einseitig. 20:8 Torschüsse hatten die Statistiker notiert, doch die Dortmunder Überlegenheit drückte sich beim 0:0 überhaupt nicht aus.




Neuer treibt BVB zur Verzweiflung



Das lag zum großen Teil an der Weltklasse-Leistung von Schalke-Torhüter Manuel Neuer, der mit fantastischen Paraden die Dortmunder Spieler zur Verzweiflung trieb. „Wir haben einen überragenden Torhüter, der uns im Spiel gehalten hat“, lobte Schalke-Trainer Felix Magath, während BVB-Verteidiger Mats Hummels Selbstkritik übte: „Wir müssen einfach die Tore erzielen. Dann gewinnen wir 3:0 und keiner kann sich beschweren.“



Für Torwart Manuel Neuer war es übrigens an jenem 4. Februar 2011 das letzte Revierderby für seinen Herzensklub. Am Ende der Saison wechselte er zum FC Bayern München. Auch so ein Verein, mit dem sich Schalke manch legendäres Spiel in den vergangenen Jahrzehnten lieferte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Schlagworte: