Klaus Fischer: Extraschichten können bei fehlender Effektivität ein Hilfsmittel sein

dzGastkolumne

0:2 gegen Bremen, 0:0 in Istanbul - Schalke trifft trotz Top-Chancen das Tor nicht. Klaus Fischer (68), bester S04-Torjäger aller Zeiten, weiß, wo das Tor steht - und verrät sein „Rezept“.

von Klaus Fischer

Gelsenkirchen

, 26.10.2018, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Gut gespielt, aber nicht gewonnen – das ist die zwiespältige Erkenntnis des Schalker Champions-League-Auftritts bei Galatasaray Istanbul. Ich bin fest davon überzeugt, dass Schalke in der vergangenen Saison den Platz nach einem solchen Spiel noch als (verdienter) Sieger verlassen hätte.

Aktuell kommen allerdings einige Dinge zusammen, die in engen Situationen nicht gerade für die Mannschaft von Trainer Domenico Tedesco laufen. Exemplarisch dafür in Istanbul war der nicht gegebene Elfmeter nach dem Foul an Yevhen Konoplyanka – ich würde das übrigens auch sagen, wenn es auf der anderen Seite passiert wäre: Ich finde es eine Frechheit, dass der Pfiff des Schiedsrichters da ausblieb. Einen klareren Elfmeter kann es doch fast gar nicht mehr geben.

Nur hoffen ist zu wenig

Dazu kam, dass der Torwart von Istanbul einen absoluten Sahne-Tag erwischt hat – die Bälle, die er gegen Schalke pariert hat, hält er wahrscheinlich in dieser Anzahl auch nicht jeden Tag.

Aber wir wollen jetzt nicht alles auf mangelndes Spielglück schieben – wer nach acht Spieltagen in der Bundesliga auf Platz 16 steht, muss akzeptieren, dass das kein Zufall sein kann.

Immerhin: Gegen Bremen und in Istanbul hat sich Schalke einige richtig gute Torchancen herausgespielt, und das ist im Fußball zunächst mal mit am wichtigsten. Da in beiden Spielen allerdings kein einziges Tor dabei heraussprang, machen nun natürlich Begriffe wie „mangelnde Effektivität“ und „fehlende Kaltschnäuzigkeit“ die Runde. Und so etwas, heißt es dann oft, könne man halt nicht trainieren.

Torabschlüsse trainieren bringt Sicherheit

Das sehe ich anders. Einfach nur abwarten und zu hoffen, dass das Ding irgendwie mal reingeht, ist zu wenig und der falsche Ansatz. Es hat mir früher zumindest nicht geschadet, nach dem Training noch eine halbe Stunde draußen zu bleiben und Torabschlüsse zu üben. Das bringt Sicherheit und Rhythmus in die Aktionen.

Jeder Golfspieler, jeder Tennisspieler auf Profi-Niveau übt Dinge, die er eigentlich beherrscht, immer wieder, um Sicherheit zu bekommen oder zu behalten. Auch Profi-Fußballern kann das helfen. Die Initiative für solche Extra-Schichten muss übrigens nicht vom Trainer ausgehen – die Spieler dürfen ruhig auch selbst aktiv werden...

In Leipzig mutig spielen wie in Istanbul

Aber wir sollten nichts verklären: Auch bei mir war natürlich nicht jeder Ball drin, auch ich habe Chancen vergeben. Trotzdem bleibe ich dabei, dass Zusatztraining ein Mittel sein kann, um mehr Treffsicherheit zu bekommen. Vielleicht schon am Sonntag in Leipzig – wo Schalke genauso mutig auftreten sollte wie in Istanbul.“

Lesen Sie jetzt