Klaus Fischer: „Die Trennung von Tedesco war richtig. Vielleicht kam sie sogar zu spät“

dzGastkolumne

Schalkes Rekord-Torjäger sieht zu viele Fehler des Ex-Trainers und glaubt, dass Huub Stevens den freien Fall stoppen kann. Aber: „Ohne 100 Prozent kann man auch in Hannover verlieren.“

von Klaus Fischer

Gelsenkirchen

, 28.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Angst und bange ist mir zwar noch nicht – aber wie den meisten S04-Fans ist auch mir nun sehr mulmig zumute, wenn ich auf die Tabelle schaue. Ganz ehrlich: Noch vor Wochen hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass Schalke so weit da unten reinrutscht.

Aber die Entwicklung hat uns in negativer Hinsicht wohl alle überrascht. Denn Schalke hat Spiele absolviert, die jeder Beschreibung spotteten: 0:3 in Mainz, dann das fürchterliche 0:4 gegen den Aufsteiger Düsseldorf, der uns an die Wand gespielt hat – und als Höhepunkt das 0:7-Debakel in Manchester.

„Nicht nachvollziehbar“

Die danach folgende Trennung von Trainer Domenico Tedesco war für mich die richtige Entscheidung. Er hat zu viele Dinge gemacht, die wohl nicht nur ich nicht nachvollziehen konnte. Beispielhaft seien da nur genannt die permanente Rotation, durch die keine Kontinuität in die Mannschaft kommen konnte.

Dann der rätselhafte Umgang mit Naldo – es bleibt für mich unerklärlich, dass der beste Spieler der Vorsaison einer ohne ihn schwächelnden Mannschaft angeblich keine Hilfe mehr sein konnte.

Dass Tedesco ein netter Kerl war (und ist), dass er sich bis zum Schluss für Schalke engagiert hat, dass er sehr akribisch gearbeitet hat – all das darf in einer so kritischen Situation bei der Beurteilung seiner Arbeit keine Rolle mehr spielen. Vielleicht hat Schalke sogar zu spät reagiert, gerade weil man sich so schwer tat, diesem Sympathieträger den Stuhl vor die Tür zu setzen.

„Netter Kerl? Kein Maßstab“

Aber das darf kein Maßstab sein – genau wie der Erfolg in der Vorsaison kein Bonus sein durfte. Übrigens ein Bonus, den Tedesco selbst niemals haben wollte, darauf hat er oft genug hingewiesen. Spätestens beim 0:4 gegen Düsseldorf war erkennbar, dass sich unter Tedesco nichts mehr, aber auch gar nichts mehr verbessern würde. Ob es klüger gewesen wäre, die Reißleine direkt danach zu ziehen, wissen wir erst am Saisonende.

Bis dahin wird Huub Stevens versuchen, den freien Fall zu stoppen. Mir fällt in dieser Lage kein besserer Trainer ein als Huub. Er hat im Fußball alles erlebt, kennt den Verein, das Umfeld – und gemeinsam mit Mike Büskens und Team-Manager Gerald Asamoah sollte es diesen königsblauen Charakterköpfen gelingen, der Mannschaft die Leidenschaft zu vermitteln, die sie in dieser Saison viel zu oft vermissen ließ.

„Gespannt auf Rudys Entwicklung“

Gegen Leipzig waren immerhin erste Ansätze zu erkennen – sehr gespannt bin ich mal, ob Sebastian Rudy seinen zarten Aufschwung bestätigen kann. Stevens lässt ihn anscheinend etwas offensiver agieren. Kann Rudy sich dort auch behaupten, wenn ihm der gegnerische Trainer jemanden auf die Füße stellt?

Am Sonntag in Hannover, hat mir ein Bekannter gesagt, könne Schalke gar nicht verlieren, so schlecht seien die Niedersachsen. Doch, man kann. Wenn man nicht 100 Prozent gibt. Und die habe ich von Schalke in dieser Saison zu selten gesehen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt