43 Jahre, sechs Monate, drei Tage – in diesem Alter absolvierte Klaus „Tanne“ Fichtel 1988 sein letztes Bundesliga-Spiel. Jetzt jagen Naldo und Claudio Pizarro seinen Rekord.

Gelsenkirchen

, 18.10.2018, 17:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fichtel ist immer noch der „Alterspräsident“ der Bundesliga. Im Interview spricht Schalkes Libero-Legende über die Fußball-„Oldies“ Naldo und Claudio Pizarro, die am Samstag in der Arena aufeinandertreffen.

Herr Fichtel, wen fürchten Sie mehr als möglichen Rivalen für Ihren „Altersrekord“ – den 36-jährigen Naldo oder den 40-jährigen Claudio Pizarro?

Ganz ehrlich – fürchten ist da das falsche Wort. Wenn es wirklich einer schaffen sollte, mich in der Hinsicht zu überholen, hat er sich das auch verdient und bekommt meinen vollen Respekt. Auch weil es die Jungs heute zumindest nicht leichter haben als wir damals.

Aber Mehrfach-Belastungen hatten Sie auch, heute ist außerdem die medizinische Betreuung umfangreicher – warum hatten Sie es also einfacher?

Das stimmt schon. Trotzdem glaube ich, dass der Stress heute insgesamt größer ist. Die Taktung ist eine ganz andere. Ich konnte damals nach einem Spiel zwei oder drei Tage regenerieren, heute steht dann schon wieder die nächste Partie auf dem Programm.

Wenn Naldo seinen frisch verlängerten Vertrag bis 2020 erfüllt, ist er 37 Jahre alt. Wie viele Jahre auf hohem Niveau trauen Sie ihm noch zu?

Ich kann mir schon vorstellen, dass er noch mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Jahre auf dem Niveau spielen kann. Denn Naldo weiß mit seiner Erfahrung, wie er sich zu verhalten hat. Er macht viel mit Auge und gutem Stellungsspiel, vermeidet unnötige Zweikämpfe, die viel Energie kosten.

Das galt während Ihrer Karriere als Ihre große Stärke – Ihr Stellungsspiel galt als vorbildlich, sinnlose Grätschen haben Sie anderen überlassen...

Das lag auch an meinen Erfahrungen, die ich als Jugendspieler gemacht habe. Damals haben wir oft auf Asche gespielt – und da überlegt man es sich doppelt und dreifach, ob man eine dann vielleicht überflüssige Grätsche riskiert. Denn die Oberschenkel haben einem das nicht unbedingt gedankt. Das hat mein Verhalten auch während meiner Profi-Laufbahn geprägt.

Ausgerechnet gegen Ihren Ex-Club Werder Bremen machten Sie dann Ihr letztes Bundesliga-Spiel – ganz freiwillig war das Comeback mit 43 Jahren nicht, oder?

Tatsächlich hatte ich mein offizielles Abschiedsspiel schon hinter mir. Unter Diethelm Ferner und später Horst Franz war ich Co-Trainer. Ende der Saison hatten wir dann aber so viele verletzte Abwehrspieler, dass ich wieder ran musste. Mein Vorteil war, dass ich von schweren Verletzungen in meiner Laufbahn verschont geblieben war und dass ich mich auch als Co-Trainer mit der Mannschaft fit gehalten hatte.

Sie sind jetzt 73 Jahre alt – spielen Sie noch immer in der Schalker Traditionsmannschaft?

Nein, damit ist jetzt Schluss. Man muss auch wissen, wann es vorbei ist. Außerdem will ich mich auf dem Platz ja auch nicht blamieren – mit der Traditionsmannschaft spielen wir manchmal gegen 32- oder 33-Jährige. Aber ich trainiere noch einmal in der Woche mit der Traditionsmannschaft, die Knochen machen noch gut mit. Wenn das noch ein paar Jährchen so weitergeht, bin ich sehr zufrieden.

Zur Person:

Klaus Fichtel wurde am 19. November 1944 in Castrop-Rauxel geboren. Von Arminia Ickern wechselte er 1965 zum FC Schalke 04. Bis 1980 spielte er für die Königsblauen, ging dann zu Werder Bremen und kehrte vier Jahre später nach Schalke zurück. Klaus „Tanne“ Fichtel, der in Waltrop lebt, führt mit 477 Bundesliga-Spielen für Schalke die S04-Rangliste an. Bei seinem offiziellen Abschiedsspiel im August 1986, zu dem auch Fußball-Größen wie Johan Cruyff, Hans Krankl und Franz Beckenbauer erschienen, verließ der 23-fache Nationalspieler und leidenschaftliche Trabrennfreund den Innenraum des Parkstadions in einem Sulky sitzend.
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