Wie kommt Schalke aus der Dauerkrise? Der Trainer sollte wieder mehr Vertrauen in sein Personal haben, das ja gar nicht so schlecht sein kann wie es derzeit spielt. Geduldsfaden ist endlich.

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 02.06.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Es wäre so einfach: Vier von vier Spielen hat Schalke nach der Corona-Zwangspause verloren, also: Die Grusel-Vorstellungen liegen an den „Geisterspielen“, Schalke fehlen die Fans.

Aber so einfach ist es eben nicht.

Denn Schalke befand sich ja schon vor Corona in einer Krise. Die Königsblauen, so wurde vermutet, könnten sogar zu sportlichen Profiteuren der Unterbrechung werden.

Corona-unabhängiger Bruch

Doch Schalke dilettiert weiter von Tiefpunkt zu Tiefpunkt. Und man muss kein Taktik-Freak sein, um zu erkennen, dass der Bruch mit Corona gar nichts zu tun hat.

Schalkes Leistungen haben sich von da an zurückentwickelt, als David Wagner sich konträr zu seiner Spiel-Idee dazu entschlossen hat, der Mannschaft einen äußerst defensiven Anstrich zu verpassen. Zunächst nachvollziehbar, weil angesichts der Langzeit-Verletzten das Personal für den in der Hinrunde so begeisternden „Überfall-Fußball“ ausgegangen war.

Nicht glücklich mit blauem Beton

Aber der „blaue Beton“ macht Schalke nicht glücklich. Und auch dafür trägt der Trainer die Verantwortung. Seine Aussage, mit dieser Mannschaft sei kein anderer Fußball möglich, ist ein Eigentor. Trotz der Verletzten hat Schalke die Qualität, um Gegner wie Augsburg, Düsseldorf oder Bremen selbstbewusst herauszufordern. So schafft Wagner kein Vertrauen, er redet Schalke klein.

Und: Für so einen Versteck-Dich-Fußball, dazu erfolglos, wurde er nicht geholt. So eine Taktik würde, mit Verlaub, jedem Hobby-Trainer einfallen. Wagner muss wieder Wagner werden und mehr Vertrauen ins Personal haben. Das fühlt sich mit einem aktiveren Stil, wie in Hälfte zwei gegen Bremen, offenbar wohler.

Vielleicht die letzte Chance

Erfolge garantiert das auch nicht, aber es ist wohl Wagners letzte Chance. Wer Clemens Tönnies nach dem Bremen-Spiel (zurecht) schimpfen hörte, erahnt die Endlichkeit des Geduldsfadens.

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