Schalke-Reporter erinnern an (natürlich) das Derby mit Biss, das Ende einer schwarzen Serie, eine meisterliche Vorstellung und eine Aufholjagd, an die niemand mehr geglaubt hatte.

Gelsenkirchen

, 22.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zugegeben: Damals war ich noch nicht live dabei, als immerhin fast schon Sechsjähriger waren die Sinne aber schon Richtung Fußball und - in Gelsenkirchen selbstverständlich - Schalke geschärft. Die Bilder, die ich am Abend des 6. September 1969 dann entweder in der Sportschau (oder war es gar die Tagesschau?) sah, machten mir dann aber auf den ersten Blick auch klar, welch grandiose Faszination vom Revier-Derby ausgeht.

Bilder haben sich „eingebrannt“

Der sich am Boden wälzende Friedel Rausch, die aufgeregte Menschenmenge direkt um ihn herum, bellende Schäferhunde, der auf den Knien beinahe flehend über den Rasen rutschende Trainer Rudi Gutendorf - diese Bilder haben sich bei mir eingebrannt, sozusagen reingebissen. So ein Spektakel, da bin ich mir heute ganz sicher, hätte sich vorher niemand ausdenken können. Mit allen Facetten, die dazu gehören und die sich später noch daraus entwickeln sollten, wie der „Konter“ von Schalke-Präsident Günter Siebert, der zum Rückspiel Löwen aus dem Löwenpark Westerholt antreten ließ - kein Regisseur dieser Welt hätte eine passendere Geschichte zur Historie dieses ewig jungen Duells zwischen Schalke und Dortmund erfinden können. Der Hunde-Biss von Dortmund war aber Realität. Und glücklicherweise auch eine, die so glimpflich endete, dass man hinterher drüber lachen konnte.

„Die Zähne ausgebissen“

Allen voran Friedel Rausch selbst. Es war für einen Journalisten ein Vergnügen, mit ihm über den Hunde-Biss zu sprechen. Sogar schon kurz danach. Von Dieter Kürten gefragt, was denn passiert wäre, hätte „Rex“ Rausch nicht in den Allerwertesten, sondern „vorne“ zugelangt, konterte Rausch knochentrocken: „Dann hätte er sich die Zähne ausgebissen.“ Noch Fragen?

Friedel Rausch, 2017 verstorben, hat eine so bewegte Trainer-Vita (auch auf Schalke) hinter sich, dass auch die ihm einen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern garantiert hätte. Aber eben kein eigenes Kapitel. Rausch wusste, dass ihm „Rex“ zu internationaler Popularität verholfen hatte: „Den Biss nimmt mir keiner“, lachte Rausch noch bei einem unserer letzten Telefonate. Da wollte ich eigentlich die Frage nach dem Derby von 1969 vermeiden, weil ich dachte, das würde ihn langweilen. Dann brachte er die Sprache von sich aus drauf. „Über den Hunde-Biss wollen wir nicht sprechen?“, fragte er beinahe enttäuscht. Doch, wollten wir, natürlich. Warum denn auch nicht?

„Den Biss nimmt mir keiner“

Es gab sportlich sicherlich bedeutendere, anspruchsvollere und spannendere Derbys als das von 1969 im Stadion „Rote Erde“. Aber für mich wird es das Faszinierendste bleiben. Weil mich die Bilder davon bis heute nie losgelassen haben. Und weil sein persönlicher Umgang mit dieser ja eigentlich ganz und gar unerfreulichen Geschichte für mich Friedel Rausch noch sympathischer machte, als ich ihn ohnehin schon fand.

Der Derby-Countdown: Die 04 unvergesslichsten Revier-Derbys aus Reporter-Sicht. Nächste Folge: Als Schalke in Dortmund eine schwarze Serie durchbrach und ein Millionen-Flop so zum Helden wurde.

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