Clemens Tönnies und sein unfassbares Eigentor

dzKommentar

Mit seinen Äußerungen beim „Tag des Handwerks“ hat Clemens Tönnnies einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Auch bei ihm darf nicht mit zweierlei Maß geurteilt werden, meint unser Kommentator.

Gelsenkirchen

, 02.08.2019, 17:51 Uhr / Lesedauer: 1 min

Hättest Du geschwiegen, wärst Du ein Philosoph geblieben.“ Wäre zu erahnen gewesen, wie sehr sich Clemens Tönnies bei seiner Rede beim „Tag des Handwerks“ komplett vergaloppiert, hätte man dem Schalke-Boss diesen Satz des römischen Gelehrten Boethius gern noch zugerufen. Vorher. Jetzt ist es zu spät.

Mit seinen Äußerungen über „die Afrikaner“ hat der 63-Jährige ein so unfassbares Eigentor geschossen, dass er sich über die Reaktionen nicht wundern darf. Zumal auch seine Entschuldigung – mit Verlaub – ein wenig dünn daherkam, sie konnte die Wogen nicht ansatzweise glätten.

Das sind die Reaktionen unter den Schalke-Fans

Alleine im Fan-Forum schalker-block5.de wurden bis zum späten Freitagnachmittag über 40 Diskussions-Seiten gelistet. Tenor: So etwas darf Tönnies nicht sagen. Prinzipiell nicht – und schon gar nicht als Aufsichtsratschef des Vereins, der mit seinem in der Satzung verankerten Anti-Rassismus-Passus Vorreiter in der Bundesliga war.

Es darf, das gilt auch für Tönnies, auf Schalke nicht mit zweierlei Maß gemessen werden. Hätte ein „normales“ Schalke-Mitglied eine solche Aussage in der Öffentlichkeit getätigt, wäre ihm der Gang vor den Ehrenrat garantiert. Also wird sich auch Tönnies vor diesem Gremium verantworten müssen, das sogar die Befugnis hat, Mitglieder aus dem Verein auszuschließen.

Diese Reaktion müsste vom Ehrenrat erfolgen

Gehen wir mal davon aus, dass der international operierende Unternehmer Tönnies in Wahrheit ein anderes Weltbild hat als das von ihm in Paderborn geäußerte – dann muss er vom Ehrenrat nicht nur für die rassistisch klingenden Äußerungen gerüffelt werden, sondern auch für – pardon – Dummheit. Denn in diesem einen Moment hätte er besser geschwiegen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Schalke 04

Vor dem Schalke-Spiel: Mainzer Kapitän Danny Latza über Höhen und Tiefen seiner Karriere