0:1 gegen Bayern im Viertelfinale: Kimmich findet die Lücke im Schalker Sicherheitssystem

Schalke 04

Endstation Bayern München - Schalke ist seit 21 Pflichtspielen gegen den Rekordmeister sieglos. Nach anfänglichen S04-Nadelstichen spielen Gäste Überlegenheit aus. Friedliche Atmosphäre.

Gelsenkirchen

von Norbert Neubaum und Frank Leszinski

, 03.03.2020, 23:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Brust raus: Bayerns Thiago schirmt den Ball ab, Guido Burgstaller gibt sich trotzdem nicht geschlagen.

Brust raus: Bayerns Thiago schirmt den Ball ab, Guido Burgstaller gibt sich trotzdem nicht geschlagen. © dpa

Keine diffamierenden Transparente vor dem Spiel, keine sonstigen besonderen Vorkommnisse – da konnten sich alle Zuschauer den Luxus gönnen, den Blick auf das Rasen-Rechteck zu werfen. Schnell wurde dabei deutlich, dass Schalkes Trainer David Wagner seine Mannschaft gegenüber der Start-Elf bei der 0:3-Pleite am Samstag in Köln ordentlich „durchgeschüttelt“ hatte.





Benito Raman, Michael Gregoritsch und Amine Harit saßen zunächst nur auf der Bank, Ozan Kabak fehlte verletzt – neu ins Team kamen Rabbi Matondo, Guido Burgstaller, Jean-Clair Todibo und Timo Becker. Und – wie erwartet – Markus Schubert. Er stand für Alexander Nübel im Tor, der zuletzt mehrmals gepatzt hatte und bei den Schalker Fans auch wegen seines Wechsels zu den Bayern in Ungnade gefallen ist. „Die Ereignisse der letzten Wochen haben keine andere Entscheidung zugelassen“, so Wagner.


Ramans große Chance


Von der Ersatzbank aus sah Nübel, dass auch die Bayern stark ersatzgeschwächt aufliefen. Prominentester Ausfall war „Schalke-Schreck“ Robert Lewandowski (15 Tore in 13 Pflichtspielen mit den Bayern gegen Schalke), kurz vor der Reise ins Ruhrgebiet musste auch Jerome Boateng mit einem Magen-Darm-Infekt passen. Auch Lucas Hernandez (Sprunggelenksverletzung) fiel aus, sodass ARD-Experte Thomas Broich eine Chance für Schalke in der Reservebank sah – die sei im Prinzip prominenter besetzt als die der Gäste.




Aber auch die Schalker Start-Formation machte ihre Sache gar nicht so schlecht. Die Königsblauen waren wesentlich präsenter und „giftiger“ als gegen Leipzig und in Köln, setzten trotz einer defensiven Grundeinstellung Nadelstiche: Und wer weiß, wie das Spiel gelaufen wäre, hätte Kapitän Burgstaller (Schalkes fünfter in dieser Saison) nach einer feinen Flanke von Weston McKennie ins Tor und nicht die Latte getroffen (12.)? So aber kannte die Partie nach 25 Minuten nur noch eine Richtung.



Bayern zittern nur am Schluss




Bis zum Halbzeitpfiff spielten ausschließlich die Bayern – aber im engmaschigen Schalker Sicherheitssystem fanden auch sie selten eine Lücke. Zwei gute Chancen machte der sicher wirkende Schubert zunichte: Einen Schuss von Benjamin Pavard (22.) und einen Kopfball von Todibo (38.), der die Künste des eigenen Torhüters prüfte. In der 40. Minute passierte es dann aber doch: Nach einer Ecke von Philippe Coutinho landete der Ball bei Joshua Kimmich, der den Ball per „Doppel-Tunnel“ durch die Beine von Todibo und McKennie platzierte und zum 0:1 traf. Wieder hatte es Schalke per Standard „erwischt“.





Nach einer Stunde (bis dahin 10:0 Ecken für München und noch ein Lattentreffer von Coutinho) wurde Schalke wieder mutiger. Nach einem Konter über Matondo bekam der eingewechselte Raman nicht den richtigen Druck auf den Ball, Neuer vereitelte die Großchance (65.).




Neuers Sicht der Dinge



Die Bayern gaben sich aber bis auf ein Abschluss-Zittern kaum noch eine Blöße und stehen im Halbfinale. Seit 21 Pflichtspielen hat Schalke gegen Bayern München nun nicht mehr gewonnen.


Während Guido Burgstaller fand, „dass wir auf unsere Leistung stolz sein und darauf aufbauen können, obwohl wir ausgeschieden sind“, setzte sich Bayern-Keeper Manuel Neuer mit der Taktik seines Ex-Klubs Schalke auseinander: „Stumpfer Rasen, hohe Bälle, hinten reinstellen - Fußball zelebrieren war da für uns kaum möglich.“

Transparent im Rahmen




Ein Riesen-Transparent, das sich kritisch mit den entgegen der Absprache wieder verhängten Kollektiv-Strafen des DFB auseinandersetzte, hatte es in der Nordkurve kurz nach dem Anpfiff übrigens gegeben – es war allerdings offenbar im Rahmen des Erlaubten. Und so spielte der Fußball dann doch die Hauptrolle. Normal. Oder?

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