Gerd Roggensack erzielt das 1:0 für Bielefeld. Schalke-Torwart Dieter Burdenski ist machtlos. © Imago
Schalke 04

Teil 1: Das gekaufte Spiel – Schalke und der Bundesligaskandal 1971

Der Bundesliga-Skandal 1971 ist eines der schwärzesten Schalker Kapitel. In einer vierteiligen Serie beleuchten wir Hintergründe, Verlauf und Folgen des Skandals. Teil 1: Das gekaufte Spiel.

Dieses skandalöse Stück Fußballgeschichte wird in diesen Tagen 50 Jahre alt und beschäftigt die Fans einige Jahre. Es beginnt in Gelsenkirchen. Rund 15.000 Zuschauer sind am 17. April 1971 in der Glückauf-Kampfbahn Zeuge der denkwürdigen Partie zwischen Schalke 04 und Arminia Bielefeld. Der „Schalker Kreisel“, das Stadionheft bis heute, schreibt in seiner Vorschau: „Arminia kommt als Außenseiter“. Doch die Ostwestfalen wissen schon vor dem Anpfiff, dass sie diese Begegnung gewinnen werden.

Denn der ehemalige Schalker Spieler Waldemar Slomiany, nun in Bielefeld unter Vertrag, hat seinen alten Kumpels im Vorstandsauftrag 40.000 DM für eine Niederlage geboten. Die Königsblauen stimmen zu. Spieler Klaus Senger nimmt das Geld entgegen.

Ernst Kuzorra schimpft kräftig

In der ersten Halbzeit zeigen die Gastgeber zunächst noch eine engagierte Leistung und haben Torchancen. Herbert Lütkebohmert trifft zum Beispiel Pfosten und Latte. Wie sich das Spiel danach entwickelt, kommt allerdings schon damals einigen Zuschauern komisch vor. Sie rufen schon während der Partie „Schiebung“, weil Schalke auffallend schlecht spielt.

Doch Torhüter Dieter Burdenski verhindert mit zahlreichen Glanzparaden zunächst einen Rückstand. Er weiß nämlich nichts von der Absprache, weil er sehr kurzfristig für den verletzten Norbert Nigbur das Schalker Tor hütet. Erst nach 83 Minuten muss er einen Schuss von Gerd Roggensack passieren lassen.

Trainer Cendic ist empört

Schalke-Trainer Slobodan Cendic ist nach der Begegnung empört über die „Arbeitsverweigerung“ seiner Kicker und fordert „1000 Mark Geldstrafe für jeden meiner Spieler“. Auch Schalke-Legende Ernst Kuzorra schmeckt seine geliebte Zigarre an diesem Tag nicht. Diese Partie, so Kuzorra, sei keine 18 Mark für einen Tribünenplatz wert gewesen.

Die Zeitungen mögen nicht an eine Manipulation glauben. Das Fachblatt „Kicker“ schreibt: „Das war keine Schiebung, das war einfach Unvermögen, Resignation, Pech und mangelnder Einsatzwillen, vereint in einem Spiel.“ Ein großer Trugschluss.

2.300 Mark für jeden Spieler

Noch in der Kabine erhält jeder Schalker Spieler 2300 DM. Auch Burdenski, bloß weiß er zunächst nicht, wofür er das Geld bekommt. Aber er nimmt es dann trotzdem. Dann nimmt das Unheil seinen Lauf. Was einige Monate später passierte, lesen Sie am Mittwoch im zweiten Teil unserer Serie über Schalke 04 und den Bundesligaskandal.

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