Suat Serdar (l.) im Zweikampf mit Hoffenheims Diadie Samassekou. © dpa

Schalke 04 droht die nächste Trainerdiskussion

Bei der 2:4-Niederlage gegen Hoffenheim enttäuscht Schalke 04 wieder einmal. Jetzt droht die nächste Trainerdiskussion. Dimitrios Grammozis konnte noch keine Aufbruchstimmung verbreiten.

Der Körpersprache von Gerald Asamoah war eindeutig zu entnehmen, wie sehr er unter der nächsten Schalker Enttäuschung litt. Er schüttelte den Kopf, redete intensiv auf Nachbar Mike Büskens ein und schlug mit der Hand am Ende immer wieder gegen eine Wand.

Doch alle diese Unmutsbekundungen waren vergeblich. Schalke verlor nach guter erster Halbzeit und einer 2:0-Führung noch mit 2:4 bei 1899 Hoffenheim. „Es sagt viel aus, wie die Saison für uns gelaufen ist. Alles nicht so schön, was wir erlebt haben. Jeder muss den Anspruch haben, alles zu geben, jedes Spiel gewinnen zu wollen. In der zweiten Halbzeit haben wir gesehen, dass dies nicht der Fall war“, zog Asamoah frustriert Bilanz.

Vier Gegentore in 17 Minuten

Dass alle vier Gegentreffer innerhalb von nur 17 Minuten kassiert wurden, veranlasste Sportvorstand Peter Knäbel, die zweite Halbzeit als „desaströs“ zu charakterisieren. Obwohl bereits als Absteiger feststehend und damit befreit von jeglichem Erfolgsdruck, geriet die erste offizielle Schalker Abschiedsvorstellung aus der Bundesliga zu einer großen Enttäuschung, die auch Trainer Dimitrios Grammozis in den Fokus rückte.

Denn schon sind die ersten Kritiker auf den Plan gerückt, die es Grammozis nicht zutrauen, Schalke sportlich zu stabilisieren. Die reinen Zahlen sprechen aktuell gegen den 42-Jährigen. In acht Partien unter seiner Leitung gab es sechs Niederlagen, ein Unentschieden und nur einen Sieg. Von Aufbruchstimmung sind die Königsblauen momentan so weit entfernt wie Real Madrid von einem Schuldenberg.

Drei Gegentore nach Standards

Kein Wunder, dass auch Grammozis verärgert war: „Ich bin sehr enttäuscht über die Art und Weise, wie wir uns in der zweiten Halbzeit präsentiert haben. Das darf so nicht sein“, sagte der Coach, der in der ersten Halbzeit noch die Tore von Mark Uth (12.) und Shkodran Mustafi (42.) bejubeln konnte.

Dass Hoffenheim im zweiten Durchgang drei seiner vier Tore per Standards erzielte, ist auch keine Auszeichnung für die Arbeit von Grammozis, denn Schalkes notorische Abwehrschwäche bei ruhenden Bällen hat er bisher nicht eindämmen können.

Mutige Entscheidung

Ebenso kritikwürdig blieb die Tatsache, dass der Schalker Trainer mit seinen Auswechslungen erst nach 68 Minuten in Sinsheim begann. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gastgeber aus dem 0:2-Rückstand schon einem 4:2-Vorsprung gemacht.

Andererseits gibt es eine Reihe von Gründen, die für Grammozis sprechen. Er übernahm die Schalker Mannschaft in einer Phase, in der die Chancen auf den Klassenerhalt schon auf dem Nullpunkt waren. Das war mutig und eben mit der Gefahr verbunden, den Negativtrend nicht kurzfristig beenden zu können.

Zwei Bundesliga-Premieren

Hinzu kamen ständige Störfeuer außerhalb der Geschehnisse auf dem Platz wie Turbulenzen im Schalker Vorstand und zuletzt die Fan-Ausschreitungen, die seine Arbeit alles andere als erleichtert haben.

Dass er nach dem feststehenden Abstieg verstärkt junge Kräfte – in Sinsheim waren es Florian Flick und Jimmy Kaparos – zu ihren Bundesligapremieren verhalf, ist legitim, um sich ein Bild zu verschaffen, ob diese Talente mittel- und langfristig in der Bundesliga mithalten können. Dabei besteht dann allerdings die Gefahr, dass die Ergebnisse hinter den (geringen) Erwartungen zurückbleiben.

Asamoah verliert das Lachen

Ohne Zweifel würde es die Position von Grammozis stärken, wenn die Königsblauen in den letzten drei Punktspielen noch das eine oder andere Erfolgserlebnis feiern. Gelingt das nicht, wird es immer schwieriger, auf Schalke Optimismus und Aufbruchstimmung zu verbreiten, die für den sportlichen Erfolg ein wichtiges Fundament bilden.

Wenn Gerald Asamoah schon das Lachen verlernt hat, wird es aus Schalker Sicht höchste Zeit, dass sich daran schnell etwas ändert. Wenn nicht, besteht die Gefahr, dass bald noch mehr Kritik auf Grammozis niederprasselt, noch ehe der erste Anpfiff in der Zweiten Bundesliga für Schalke 04 erfolgt ist.

Ihre Autoren
freier Mitarbeiter
freier Mitarbeiter