Moritz Dörnemann (l.) wurde 2018 in den Aufsichtsrat gewählt. Damals gratulierten Huub Stevens und Clemens Tönnies (r.). © dpa
Schalke 04

Ein Quartett kandidiert erneut für den Schalker Aufsichtsrat

Vier aktuelle oder ehemalige Schalker Aufsichtsräte kandidieren am Sonntag auf der Mitgliederversammlung erneut für das Gremium. Das ist ganz schön mutig. Die Gründe.

Was haben Moritz Dörnemann, Matthias Rüter, Axel Hefer und Professor Stefan Gesenhues gemeinsam? Jeder aus diesem Quartett ist noch oder gehörte bereits dem Aufsichtsrat an. Alle vier kandidieren erneut.

Dabei tragen bis auf Hefer, der erst im Frühjahr nachrückte, die übrigen drei Personen erhebliche Mitverantwortung für die tiefe Krise des FC Schalke 04. Jüngstes Beispiel ist der sinnfreie Vertrag von Mark Uth. Kicker-Recherchen ergaben, dass dieser bei seinem ablösefreien Wechsel aus Hoffenheim ein Handgeld von sechs Millionen Euro kassierte, plus der drei Millionen für seinen Berater.

Wenig Selbstkritik

Ab Geschäften von 500.000 Euro muss auf Schalke der Aufsichtsrat zustimmen. Wie es dazu kommen konnte, dürfte auch viele Mitglieder am Sonntag im Rahmen der digitalen Mitgliederversammlung interessieren.

Sollten sich Dörnemann und Co. viel Kritik ausgesetzt sehen, wäre das keine Überraschung. Im digitalen Format „mitGEredet“, an dem Anfang der Woche die zehn Aufsichtsrats-Kandidaten teilgenommen hatten, gab es jedoch wenig Selbstkritik. Allgemeiner Tenor: Aus den Fehlern der Vergangenheit sei gelernt worden und die Wende zum Positiven längst eingeleitet.

Roman Kolbe war verärgert

Kritische Fragen an die Diskussionsteilnehmer gab es allerdings auch nicht. Dies könnte jedoch daran gelegen haben, dass solche gar nicht erst berücksichtigt wurden.

Roman Kolbe, bestens vernetzt in der Fanszene und in der Redaktion des kritischen Fan-Magazins „Schalke Unser“ schimpfte bei Facebook, dass seine Frage an Gesenhues, warum er nur wenige Monate nach seinem Rücktritt wieder kandidiere, nicht beantwortet worden sei.

„Mehr Neuanfang geht nicht“

Gesenhues räumte ein: „Wir haben viele Investitionen in sehr teure Spieler gemacht.“ Für die finanzielle Schieflage der Schalker gab er aber auch die Corona-Pandemie an, die zu einem Einnahme-Problem geführt habe.

Der Banker Moritz Dörnemann sagte: „Es sind auch Fehler gemacht worden, das muss man eingestehen, aber solange man daraus lernt, ist das eine wertvolle Erfahrung für die Zukunft.“ Nur waren das so gravierende Versäumnisse, dass Schalke daran noch lange zu leiden haben wird.

Wo ist ein langristiges Konzept?

„Mehr Neuanfang als in den letzten elf Monaten geht nicht“ betonte

Unternehmensberater Matthias Rüter, der vor knapp einem Jahr der Nachrücker nach dem Ausscheiden von Clemens Tönnies war. Als Aufsichtsrat möchte er weiter Themenfelder beackern, „wo es hakt“.

Axel Hefer gehörte dem Aufsichtsrat schon von 2014 bis 2017 an und rückte im Frühjahr nach. Er will sich für eine nachhaltige Konzeption einsetzen. „Was uns fehlt, ist ein langfristiges Konzept, das wir auch gegen Widerstände von außen umsetzen.“

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