Schalkes Torschützen Marius Bülter (l.) und Simon Terodde: „Der Sieg ist um ein, zwei Tore zu hoch ausgefallen. Wir waren lange nicht souverän. Das 3:0 war wie eine Erlösung.“ © Tim Rehbein/RHR-FOTO
Schalke 04

3:0 in Kiel – so ordnen Simon Terodde und Marius Bülter Schalkes Sieg ein

Schalke feiert an der Ostsee den ersten Saisonsieg. Die Torschützen wollen den Erfolg bei Holstein Kiel aber nicht überbewerten: „Wir waren lange nicht souverän.“

Eine Zugfahrt von der Ostsee zurück ins Ruhrgebiet bietet landschaftlich natürlich viele Reize, kann sich zeitlich aber durchaus hinziehen. Schalkes Fußballer, zum Auswärtsspiel bei Holstein Kiel umweltbewusst mit der Bahn angereist (böse Zungen behaupten aus finanziellen Gründen), sollten auf der Rückfahrt aber keine Langeweile haben – der Rückblick aufs erste Zweitliga-Auswärtsspiel seit 30 Jahren gibt Anlass für genügend Kurzweil.

Denn das gewann Schalke mit 3:0 (2:0), und damit können zwei noch offene Statistik-Kapitel geschlossen werden: Es war Schalkes erster Saisonsieg, außerdem der erste auswärts geglückte Liga-Dreier seit November 2019 – damals gewann Schalke 2:1 in Bremen. Erste Liga, versteht sich.

„Kein Gegner von nebenan“

Kein Wunder also, dass Dimitrios Grammozis auf- und durchatmete. Schalkes Trainer wusste natürlich um die Folgen einer weiteren Niederlage nach dem 1:3 zum Auftakt gegen den HSV. Es wäre ordentlich Druck auf dem Schalker Kessel gewesen, nun ist die Mannschaft zumindest vorerst wieder in der Spur. „Sehr zufrieden“, so Grammozis, sei er über den Sieg, auch wenn seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit „etwas zu passiv“ agiert hätte. Aber Kiel sei halt „kein Gegner von nebenan“, sondern eine spielstarke Mannschaft.

Was die Kieler vor 4100 zugelassenen Zuschauern im Holstein-Stadion allerdings erst unter Beweis stellen konnten, als es fast schon zu spät war. Denn nach 20 Minuten hatte es bereits zweimal im Holstein-Tor geklingelt: Freistoß Thomas Ouwejan, Tor Simon Terodde – zweimal war der Ablauf fast identisch, wobei das erste Tor bereits nach etwas mehr als einer Minute fiel.

Werner: „Fürchterlicher Start“

Kein Wunder, dass Kiels Trainer Ole Werner von einem „fürchterlichen Start“ ins Spiel sprach. Kiel, in der Vorsaison erst in der Aufstiegs-Relegation am 1. FC Köln gescheitert, hat nun die beiden ersten Spiele mit 0:3 verloren. Werner sieht sich und seine Mannschaft in einer „sehr ambitionierten Situation“.

Dass Schalke dieser „sehr ambitionierten Situation“ zunächst einmal entgangen ist, lag vor allem daran, dass die Königblauen sich an der Ostsee im Gegensatz zum HSV-Spiel vor dem gegnerischen Tor eiskalt zeigten. Nach dem Doppelpack von Terodde traf Marius Bülter in der 68. Minute noch zum 3:0 – Schalkes Vorteil war eine fast schon extrem effektive Chancenverwertung, bei der lediglich der eingewechselte Mehmet Can Aydin etwas aus der Reihe tanzte, als er das 4:0 vertändelte, indem er den eigenen Abschluss vermied und auf Terodde passen wollte.

Relativ früh gewechselt

Kiel gelang es nicht, sich nach den eigenen Toren wieder zurückziehende Schalker dafür zu bestrafen, obwohl besonders Fabian Reese viel Betrieb im Holstein-Angriff machte. Ein Tor von Steven Skrzybski, ebenfalls ein Ex-Schalker, wurde nach Überprüfung wegen Abseits zurecht nicht anerkannt (28.). Grammozis war das Schalker Wackeln nicht entgangen, er reagierte ungewöhnlich schnell: Der gelb-verwarnte Florian Flick und Reinhold Ranftl (Grammozis: „Er war nicht top im Spiel“) wurden zur Halbzeit ausgewechselt. Stabiler wurde Schalke dadurch zwar nicht unbedingt, aber es reichte diesmal am Ende.

Überbewerten wird Schalke diesen Sieg wohl nicht. Bülter gab zu, „dass wir lange nicht souverän waren. Das 3:0 war wie eine Erlösung.“ Terodde fand, „dass der Sieg um ein oder zwei Tore zu hoch ausgefallen ist“. Aber es es sei halt auch eine Qualität, zum richtigen Zeitpunkt die Tore zu machen.

Es gibt also genügend Gesprächsstoff für die Rückfahrt. Vielleicht geht es ja auch um Rodrigo Zalazar – den Mittelfeldspieler von Eintracht Frankfurt möchte Schalke ausleihen. Unter Dach und Fach ist der Deal laut S04-Sportdirektor Rouven Schröder aber noch nicht – im Gegensatz zum ersten Saisonsieg.

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