Sowohl die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen als auch der Anteil, der von ihnen beatmet werden muss, steigt kontinuierlich an. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Corona-Wochenbilanz

Wochenzahlen belegen: Die Corona-Lage spitzt sich weiter dramatisch zu

Wie lange hält unser Gesundheitssystem das noch durch? Die Zahl der Corona-Infizierten steigt ebenso wie die Zahl der Corona-Toten. Und eine andere Zahl zeigt, dass es noch schlimmer wird.

Die leichte Entspannung, die uns die Wochen um Ostern gebracht haben, war trügerisch und tückisch. Spätestens jetzt zeigt sich nämlich: Die dritte Welle ist ungebrochen, eine Entspannung ist nicht ansatzweise in Sicht. Das gilt auch, wenn es tageweise mal einen leichten Rückgang gibt. Im verlässlicheren Wochenvergleich steigen die Zahlen unaufhaltsam weiter.

Die Zahl der neuen Infektionsfälle kletterte vom 12. bis 19. April um 142.186. Das sind 24.556 neue Infizierte mehr als in der Vorwoche. Anders ausgedrückt bedeutet das einen Anstieg um 20,9 Prozent. Zugleich ist die Zunahme in den vergangenen sieben Tagen der höchste Wert seit der Woche vom 4. bis 11. Januar, als 145.511 neue Corona-Fälle registriert worden waren.

Das ist eine sehr schlechte Nachricht, auch wenn wir aktuell noch ein Stück vom bisherigen Höchststand bei den Neuinfektionen entfernt sind. Den gab es zwischen dem 14. und 21. Dezember 2020 mit 173.574 neuen Fällen innerhalb von sieben Tagen. Danach ging die Zahl bis Mitte Februar kontinuierlich zurück. Der bisher geringste Steigerungswert wurde in der Woche vom 8. bis 15. Februar registriert, als es 50.442 neue Fälle gab.

Die Entwicklung schlägt sich natürlich auch in der 7-Tages-Inzidenz nieder. Vor einer Woche lag sie noch bei 136,4 Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner, jetzt ist sie auf 165,3 gestiegen. Nur noch in Schleswig-Holstein liegt die Inzidenz derzeit mit 72,0 unter dem magischen Wert von 100. In Nordrhein-Westfalen beträgt die Inzidenz jetzt 171,1. Die höchsten Inzidenzwerte gibt es aktuell in Thüringen (245,8), Sachsen (236,5) und Bayern (187,3).

Alarmierend ist weiter die Entwicklung bei der Zahl der Menschen, die an oder mit einer Corona-Infektion gestorbenen sind. In der Woche zwischen dem 12. und 19. April zählte das RKI 1.554 Corona-Tote. Das sind noch einmal 115 mehr als in der Woche davor. Erst zum zweiten Mal seit der Woche zwischen dem 4. und 11. Januar ist damit die Zahl der in einer Woche im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorbenen Menschen wieder gestiegen. Mehr Tote gab es zuletzt in der Woche vom 1. bis 8. März, als 1.829 Corona-Tote gemeldet wurden.

Damit bestätigt sich das, was in der vergangenen Woche bereits ablesbar war: Acht Wochen, nachdem es bei der Zahl der Infektionsfälle eine Wende vom Fallen zum erneuten Anstieg gegeben hat, schlägt sich diese Entwicklung auch bei der Zahl der Todesfälle nieder. Eine achtwöchige, tödliche Verzögerung, die sich jetzt in steigenden Todeszahlen auswirkt.

Wohin die gefährliche Reise geht, lässt sich auch auf den Intensivstationen ablesen. Hier verschärft sich die Lage weiter in rasantem Tempo. Eine Überlastung der Intensivstationen, vor der Experten seit Wochen immer eindringlicher warnen, rückt deutlich näher. Am 19. April werden in Deutschland auf den Intensivstationen 4.845 Corona-Patienten behandelt. Das sind 240 Patienten mehr als in der Vorwoche.

Auch der Anteil der Patienten, die beatmet werden müssen, steigt weiter. Das sind jetzt 2.720 – 107 mehr als vor einer Woche. Wenn diese Zahlen in einem solchen Tempo weiter steigen, dürfte es nur eine Frage von Wochen sein, bis die Engpässe dramatisch werden. Aktuell werden noch 1.424 besonders für Corona-Patienten geeignete Intensivbetten als frei gemeldet. Doch das ist die Gesamtzahl für Deutschland und die freien Betten sind keinesfalls gleichmäßig über das Land verteilt.

Klar ist aber auch: Noch liegen diese Werte unter den Höchstwerten, die Anfang Januar festgestellt wurden. Am 4. Januar, dem bisher schlimmsten Tag in dieser Hinsicht, wurden auf den Intensivstationen 5.744 Corona-Patienten behandelt, von denen 3.211 Menschen beatmet werden mussten.

Ein Vergleich mit dem vergangenen Frühling, als die erste Infektionswelle über unser Land schwappte, macht deutlich, wie ernst die Lage inzwischen wieder geworden ist. Damals gab es innerhalb von sieben Tagen die meisten Neuinfektionen zwischen dem 30. März und 6. April 2020, nämlich 38.093. Jetzt, ein Jahr später, gibt es mehr als drei Mal so viele Fälle und wir würden über die Zahlen von vor einem Jahr jubeln. Bei den Corona-Toten gab es in der ersten Welle die meisten Opfer zwischen dem 13. und 20 April 2020: genau 1.605. Hier liegen wir aktuell zum Glück noch darunter, aber eben nur noch knapp.

Noch ein Blick auf die Impfungen: Zwischen dem 9. April und Freitag (16. April) erhielten 3.110.126 Menschen eine erste Corona-Impfung – rund 500.000 mehr als in der Woche zuvor. Inzwischen sind 15.906.352 Menschen geimpft (19,1 %), 5.425.990 (6,5 %) von ihnen haben bereits zwei Impfungen erhalten.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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