Die Corona-Krise hat die Digitalisierung der Schulen in NRW vorangetrieben. Unsere Umfrageergebnisse sind dennoch überraschend. © picture alliance/dpa
Ergebnisse der Schulumfrage

Wie stark hat die Corona-Krise Schulen in NRW digitalisiert? – Umfrage-Ergebnisse erstaunen

Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung unserer Schulen vorangetrieben. Aber wie stark? Die Ergebnisse unserer großen Schulumfrage sind überraschend – und es gibt scharfe Kritik.

Wie weit hat die Corona-Krise für Fortschritte in der Digitalisierung unserer Schulen gesorgt? Wie sehr wurde in die Ausstattung investiert, wie viel mehr werden jetzt digitale Unterrichts- und Kommunikationsformen genutzt? Das waren einige der zentralen Fragen, auf die unsere Redaktion Antworten finden wollte.

Wir befragten daher online Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer in unserem Verbreitungsgebiet zwischen Dortmund im Osten und Dorsten im Westen, Schwerte im Süden und Ahaus im Norden. Wir erhielten 2.240 Antworten auf unsere Fragen, 1.364 von Eltern, 531 von Lehrkräften und 320 von Schülern ab 16 Jahren.

Repräsentativ sind die Ergebnisse zwar nicht, aber bei einer so großen Teilnehmerzahl spiegeln sie doch ein realitätsnahes Stimmungsbild wider. Und bei der Frage, was sich das digitale Leben an unseren Schulen verbessert hat, muss man feststellen: erstaunlich wenig.

Erstaunlich: Der Höhenflug blieb aus

Eigentlich hätte man doch erwartet, dass der Zwang, über Monate hinweg zum großen Teil oder sogar ausschließlich Distanzunterricht anzubieten, zu einem gewaltigen Höhenflug bei der Nutzung digitaler Dienste geführt hätte. Doch dem ist nicht so.

Eine Auswertung unserer Umfrage belegt vielmehr, dass zwar die meisten Dienste mehr als zuvor genutzt wurden, dass der Anstieg sich allerdings durchaus in überschaubarem Rahmen hält. Den größten Schub gab es bei der Nutzung digitaler Arbeitsblätter. 22,5 Prozent der Befragten gaben an, dass diese auch vor Corona schon genutzt worden seien, jetzt liegt dieser Wert bei 47,7 Prozent. Das ist mehr als eine Verdoppelung.

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Halbwegs große Sprünge gab es ansonsten bei der Nutzung von E-Mails (von 58,7 auf 73,1 Prozent), Apps (von 29,2 auf 42,9 Prozent) und Messenger-Diensten (24,7 auf 35 Prozent). Überraschend: Tools für Videokonferenzen erzielten nur einen Mini-Zuwachs von 28,5 auf 30,1 Prozent. Lernsoftware wurde sogar weniger als vorher eingesetzt (Rückgang von 22,1 auf 16,4 Prozent).

Schüler und Eltern eher kritisch

Interessant ist übrigens, dass die Lehrerinnen und Lehrer in unserer Umfrage angeben, dass sie schon vor Corona sehr viele digitale Medien genutzt haben. Schülerinnen und Schüler berichten in dieser Hinsicht anderes, am wenigsten sind Eltern davon überzeugt. Aber das nur am Rande.

Über die Gründe für diese in Sachen Nutzungsentwicklung digitaler Medien doch eher überschaubare Entwicklung lässt sich nur spekulieren. Klar ist, dass die Unzufriedenheit bei Schülern, Lehrern und Eltern mit der digitalen Ausstattung der Schulen groß ist. Die Schulen selbst trifft dabei noch der geringste Vorwurf. Hier antworten immerhin noch 61,6 Prozent aller Befragten auf die Frage, ob die Schule genug tue, um digitalen Unterricht zu ermöglichen, mit „Ja“ beziehungsweise „Eher Ja“.

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Deutliche Kritik an der Politik

Ganz anders sieht es bei der Frage aus, ob die Politik genug tut, um digitalen Unterricht zu ermöglichen. Hier sagen nur noch 12,8 Prozent aller Befragen „Ja“ oder „Eher Ja“, aber 75,1 Prozent „Nein“ beziehungsweise „Eher Nein“. Deutlicher kann man sein Missfallen gegenüber dem politischen Handeln der Verantwortlichen kaum zum Ausdruck bringen.

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Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass eine bessere digitale Ausstattung der Schulen, Schüler und Lehrer auf der Wunschliste aller Beteiligten ganz oben steht, direkt neben den Wünschen nach neuen Konzepten für den digitalen Unterricht und bessere Aus- und Fortbildungen für Lehrer.

Dass eines Tages digitaler Unterricht den Präsenzunterricht gleichwertig ersetzen kann, davon ist kaum jemand überzeugt. Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 der Bestwert ist, gibt es hier im Schnitt nur 4 Punkte. Das gilt, obwohl 88,1 Prozent aller Befragten davon überzeugt sind, dass die Digitalisierung der Schulen unabhängig von Corona „sehr wichtig“ beziehungsweise „wichtig“ ist.

Es bleibt viel zu tun.

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Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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