Scarlett aus NRW nach Wanderung im Schwarzwald verschwunden: Jetzt gibt es eine erste Spur

Das Fahndungsfoto der Polizei zeigt Scarlett S. aus Bad Lippspringe.
Scarlett aus NRW verschwand vor 2 Jahren auf einer Wanderung im Schwarzwald. © picture alliance/dpa/Polizei Freiburg
Lesezeit

Kann ein Mensch einfach so verschwinden? Vor zwei Jahren wurde die 26-jährige Scarlett S. aus Bad Lippspringe bei Paderborn bei einer Wanderung durch den Schwarzwald zum letzten Mal gesehen. Seitdem gilt sie als vermisst. Es gab wiederholt intensive Suchen, Hinweise und Zeugenbefragungen. Auch die ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY… Vermisst“ thematisierte ihr Verschwinden.

„Was mit der Vermissten passiert ist, ist nach wie vor unklar“, sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen in Baden-Württemberg auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Die junge Frau wird seit dem 10. September 2020 vermisst.

Fahnder finden Sonnenbrille – ist sie von Scarlett?

Doch jetzt gibt es eine erste Spur zu der 26-Jährigen. Laut der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen ist auf der letzten Etappe des Schluchtensteigwanderwegs die Sonnenbrille aufgefunden worden. Sie ist höchstwahrscheinlich identisch mit dem Modell, das die Vermisste auf der Wanderung getragen hat.

Für eine eindeutige Zuordnung wird die Sonnenbrille jetzt von der Polizei auf DNA-Spuren untersucht. Sollte noch ausreichend Spurenmaterial vorhanden sein, wird es mit der DNA der Vermissten abgeglichen. Weitere Gegenstände, die Scarlett S. gehört oder mit ihrem Verschwinden zu tun haben könnten, seien bei der Suchaktion aber nicht entdeckt worden.

Überwachungskamera filmt Scarlett beim Einkauf

An dem Tag brach sie von Todtmoos zur letzten Etappe ihrer Schwarzwaldtour über den Schluchtensteig auf. Aufnahmen einer Supermarkt-Überwachungskamera zeigen sie am Morgen noch beim Einkaufen. Dann verliert sich ihre Spur. Die Polizei schließt nicht aus, dass Scarlett S. in dem steilen, unwegsamen und mit Schluchten durchzogenen Waldgebiet verunglückte.

Die Aufnahme einer Supermarkt-Kamera zeigt Scarlett S. aus Bad Lippspringe (Polizeifoto).
Die Aufnahme einer Supermarkt-Kamera zeigt Scarlett S. aus Bad Lippspringe (Polizeifoto). Das Schicksal der seit zwei Jahren im Schwarzwald vermissten 26-Jährigen ist weiter ungewiss. © picture alliance/dpa/Polizei Freiburg

Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gebe es nicht. Ermittelt wird aber weiterhin in alle Richtungen. Die Polizei untersuchte auch einen Hinweis, wonach Zeugen auf einem Parkplatz bei Wehr die junge Frau noch gesehen haben wollen.

Nach TV-Sendung: 170 Hinweise

Seit der Ausstrahlung der TV-Sendung „Aktenzeichen XY“ Ende Juni sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft 170 Hinweise eingegangen. In 25 Fällen wollen Leute die junge Frau am Tag ihres Verschwindens oder noch danach gesehen haben. „Einige Hinweise sind bereits bekannt und wurden vor der Ausstrahlung durch die Sendung „Aktenzeichen XY“ abgeklärt“, so die Staatsanwältin.

Es gab Hinweise zu gefundenen Gegenständen, abgelegenen Hütten oder gefährlichen Stellen entlang des Wanderwegs. Teilweise seien aber auch nur Vermutungen über den Verbleib der Wanderin angestellt worden. Die meisten Hinweise hat die Kriminalpolizei Waldshut-Tiengen inzwischen abgeklärt. Eine heiße Spur gebe es derzeit aber nicht, sagte die Staatsanwältin.

Scarletts Familie sucht bei Facebook nach ihr

Ihre Behörde führt ein Todesermittlungsverfahren. Die Staatsanwältin betont aber: Es sei völlig offen, was mit Scarlett geschehen sei. Ein solches Verfahren endet durch Abschluss der Ermittlungen zur Todesursache oder – wenn es einen Anfangsverdacht einer Straftat gibt – durch den Übergang in ein Ermittlungsverfahren.

Scarletts Familie sucht auf der Facebook-Seite „Bitte findet Scarlett“ verzweifelt weiter. In der TV-Sendung „Aktenzeichen XY“ wurde Scarletts Vater gezeigt, wie er sich im Zimmer der Tochter Fotos und Videos anschaut und ihr Auto in Schuss hält. Er will seine Tochter nicht aufgeben. Ihn treibt immer wieder dieselbe Frage um: „Wo ist Scarlett?“

300 vermisste Kinder in NRW

Doch Scarlett ist kein Einzelfall. Auch Kinder verschwinden immer wieder spurlos. Mehr als 300 Kinder unter 14 Jahren sind es aktuell, die in NRW als vermisst gelten. Bundesweit sind es sogar mehr als 1600.

Das bevölkerungsreichste Bundesland NRW liegt mit der Anzahl der Vermissten auf Platz zwei hinter Bayern (348). In den noch nicht geklärten Fällen seien neben Dauerausreißern auch Kindesentziehungen und unbegleitete Flüchtlingskinder erfasst, die aus ihren Unterkünften verschwunden seien, so das Bundeskriminalamt (BKA).

dpa/akg