Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in der vergangenen Woche nicht mehr gesunken, sondern gestiegen. Auch bei der Zahl der Corona-Toten gibt es eine bedenklich stimmende Entwicklung. © picture alliance/dpa
Wochenbilanz

Rasanter Rückgang der Zahl der Corona-Neuinfektionen jäh gestoppt

Vor einer Woche sah die Wochenbilanz der Corona-Neuinfektionen noch sehr positiv aus. Das hat sich radikal geändert. Und das ist nicht die einzige schlechte Nachricht.

Nach den wenig erfreulichen Nachrichten der vergangenen Tage war bereits abzusehen, dass auch die Bilanz in dieser Woche nicht gut ausfallen würde. So kam es, wie es kommen musste. Das Robert-Koch-Institut (RKI) registrierte zwischen dem 15. und 22. Februar in Deutschland 51.941 neue Fälle einer Corona-Infektion. Das sind 1499 Fälle mehr als in der Woche zuvor.

Erstmals seit der Woche zwischen dem 4. und 11. Januar, als viele Fälle aus den Feiertagen nachgetragen wurden, gab es damit wieder im Wochenvergleich einen Anstieg.

Der Anstieg selbst hält sich aktuell noch in einem überschaubaren Rahmen, aber er bedeutet eben dennoch eine deutliche Trendwende. Und das ist bedenklich, auch wenn wir zum Glück nach wie vor weit entfernt sind vom bisherigen Höchststand. Den gab es in der bisher schlimmsten Woche zwischen dem 14. und 21. Dezember, als 173.574 neuen Fälle einer Infektion mit dem Coronavirus registriert wurden. In der zurückliegenden Woche gab es weniger als ein Drittel.

Bei den Todesfällen setzt sich der nach unten weisende Trend zwar fort, aber auch nicht mehr so stark wie in den Wochen zuvor. Zwischen dem 15. und 22. Februar wurden dem RKI 2.827 Fälle gemeldet, in denen ein Mensch an oder mit einer Coronainfektion gestorben ist. Das sind zwar 574 Corona-Tote weniger als in der Woche zuvor, allerdings ist dieser Rückgang nur noch halb so groß wie in den davor liegenden sieben Tagen, als der Rückgang 1.154 betrug. Die höchste Zahl an Corona-Toten wurde in der Woche zwischen dem 4. und 11. Januar mit 6112 gemeldet.

In der Woche zwischen dem 7. und 14. September wurden in Deutschland 25 Corona-Tote registriert. Seither kletterte die Zahl der Corona-Toten pro Woche nach oben, seit Anfang November in einer extrem steilen Kurve. Eine Ausnahme gab es lediglich in der Weihnachtswoche zwischen dem 21. und 28. Dezember, was aber mit Sicherheit auf Meldeverzögerungen an den Feiertagen zurückzuführen ist.

Ein Vergleich mit dem vergangenen Frühling, als die erste Infektionswelle über unser Land schwappte, macht deutlich, wie ernst die Lage nach wie vor ist. Damals gab es innerhalb von sieben Tagen die meisten Neuinfektionen, zwischen dem 30. März und 6. April, nämlich 38.093. Diesen Wert haben wir auch in der dritten Februarwoche noch um fast 14.000 Fälle überschritten. Bei den Corona-Toten gab es die meisten Opfer zwischen dem 13. und 20 April: genau 1.605. In der vergangenen Woche waren es noch immer 1.222 mehr.

Auch bei der 7-Tages-Inzidenz haben sich die Zahlen in den vergangenen sieben Tagen leider nicht verbessert. Der Wert gibt an, wie viele Menschen sich innerhalb der vergangenen sieben Tage mit dem Coronavirus infiziert haben.

Als in der letzten Oktoberwoche der Lockdown light für November beschlossen wurde und unter anderem alle Kneipen und Restaurants schließen mussten, lag die Inzidenz bei etwas mehr als 80, doch der erhoffte Effekt blieb aus. Als Ende November der Lockdown light verlängert wurde, lag die Inzidenz bei rund 143. Auch diese Verlängerung konnte keine grundlegende Kehrtwende einleiten. Im Gegenteil.

Als der harte Lockdown daraufhin Mitte Dezember verkündet wurde, war die Inzidenz auf rund 176 gestiegen. Am 22. Dezember wurde mit 197,6 der bisher höchste Wert gemessen, dann ging er – mit einem zwischenzeitlich erneuten Anstieg – auf 58,9 am 15. Februar zurück. Jetzt ist er bis zum 22. Februar wieder auf 61,0 gestiegen.

Nach wie vor gibt es regional große Unterschiede. Ziel des harten Lockdowns ist es ja seit dem jüngsten Corona-Gipfel, die Inzidenz unter die Schwelle von 35 zu bringen. Das war zuletzt vor vier Monaten am 15. Oktober mit 34,1 der Fall. In Nordrhein-Westfalen liegt die Inzidenz aktuell bei 62, in Thüringen aber beispielsweise noch immer bei 126.

Insgesamt 3.312.351 Menschen wurden bis zum 21. Februar in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. 1.756.478 Menschen erhielten bereits eine zweite Impfung.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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