Coronavirus

Laumann: Schnelltests in NRW nicht für alle vorhanden – mehr Tempo beim Impfen

NRW-Gesundheitsminister Laumann stellt zügigeres Impfen in Aussicht. Dabei spielt der Impfstoff von Astrazeneca eine große Rolle. Schnelltests, so Laumann, sind aber nicht für alle vorhanden.
NRW-Gesundheitsminister Laumann stellt zügigeres Impfen in Aussicht. © picture alliance/dpa

Die Zurückhaltung bei einem Teil der Impfberechtigten gegen den Impfstoff von Astrazeneca schwindet nach Angaben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) deutlich. „Das bessert sich zur Zeit enorm“, sagte Laumann am Freitag in Berlin in der Bundespressekonferenz. Die Aufklärungsarbeit fruchte.

In den Vorwochen habe es eine gewisse Zurückhaltung bei dem Impfstoff geben. Ihm sei außerdem ein großer Stein vom Herzen gefallen, dass jetzt Astrazeneca auch bei den Menschen über 65 Jahre eingesetzt werden dürfe. Er sei in der Lagerung und im Transport völlig unkompliziert und ähnlich einfach zu handhaben wie Grippe-Impfstoff beim Hausarzt.

Die Impfung der chronisch Kranken werde voraussichtlich Ende März beginnen können. Laumann sprach von einer großen Baustelle in der Impfaktion, da die Organisation vergleichsweise schwierig sei. Mit den Kassenärztlichen Vereinigungen sei verabredet worden, dass die Hausärzte ihre Patientenkarteien entsprechend durchschauen sollen.

Laumann will bei Impfungen Tempo machen

Über sie sollen dann auch die Impfungen laufen. Bisher sei dies auch wegen der Impfstoffmengen nicht möglich gewesen. Bei 11 000 Praxen von Hausärzten in NRW und jeweils 100 Impfungen pro Woche wären landesweit insgesamt 1,1 Millionen Dosen erforderlich. „Und die hab ich zur Zeit schlicht und ergreifend nicht“, verdeutlichte er.

Laumann rechnet bis April mit gut zwei Millionen Erstimpfungen in Nordrhein-Westfalen. Mit der Freigabe des Impfstoffs von Astrazeneca nun auch für über 65-Jährige werde man das Impftempo erhöhen können, sagte er dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag).

Im März sollten insgesamt 756 600 Dosen von Astrazeneca als Erstimpfungen und 620 000 Dosen von Biontech/Pfizer als Erst- und Zweitimpfungen verabreicht werden. Zwei Millionen Erstgeimpfte entsprächen mehr als zehn Prozent der Einwohner.

Seit dem Impfstart Ende Dezember sind mit Stand Freitag (8.00 Uhr) landesweit 994 848 Erstimpfungen erfolgt, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Das entspricht 5,5 Prozent der Bevölkerung. Bundesweit liegt die Impfquote bei 5,7 Prozent.

Laumann will Impftermine einhalten

462 827 Menschen haben in NRW auch die zweite Spritze für den vollen Impfschutz erhalten. Das sind 2,6 Prozent der Landesbevölkerung. Bundesweit sind es 2,8 Prozent. In einem Interview der „Rheinischen Post“ sprach sich Laumann aber dagegen aus, bereits vereinbarte Impftermine für Zweitimpfungen zu verschieben, um schneller mehr Erstimpfungen zu ermöglichen.

„Wir haben jetzt den über 80-Jährigen, die sich impfen lassen wollen, einen Termin verschafft. Ich bin der Meinung, dass man das jetzt nicht unnötig durcheinanderbringen darf“, sagte er. Bei neuen Terminen werde man eine Verlängerung des Zeitraums berücksichtigen.

Anfang der neuen Woche beginnt die Corona-Impfaktion bei großen Berufsgruppen wie Lehrer, Erzieher und Polizisten. Nach der Freigabe von Astrazeneca für Menschen über 65 Jahre werde die Impfung dieser Gruppen „natürlich nicht mehr so schnell vorangehen“, hatte Laumann am Donnerstag im Landtag gesagt.

Allein 1,6 Millionen Menschen über 70 Jahre gehörten in die Priorisierungsgruppe zwei sowie rund 750 000 andere Personen wie Kita-Beschäftigte und Lehrkräfte. NRW werde sich an die festgelegte Impfreihenfolge halten, unterstrich Laumann.

Laumann: Schnelltests nicht für alle zur Verfügung

Das Angebot kostenloser Schnelltests wird nach Einschätzung des NRW-Gesundheitsminister derweil nicht gleich am 8. März für alle Bürger flächendeckend verfügbar sein. „Also es ist so, dass wir nicht nächste Woche allen Bürgern dieses Angebot machen können“, sagte Laumann.

Die Infrastruktur für die Schnelltests, die von geschulten Personal vorgenommen werden, müsse für das Angebot von mindestens einem Test pro Woche für jeden Bürger größer werden. Nicht das Material und die Verfügbarkeit sei das Problem, sondern wer es mache.

Laumann zeigte sich aber davon überzeugt, dass die flächendeckende Testinfrastruktur in NRW schnell aufgestellt werden kann. Schnelltest würden bereits in Arztpraxen, in kommunalen Testzentren, Apotheken und auch von privaten Anbietern durchgeführt.

Nun soll unter anderem sichergestellt werden, dass Apotheker die Schnelltests auch außerhalb ihrer Apotheken machen könnten, wenn das Gebäude baulich nicht für Massentests geeignet sei. Die Kreise und kreisfreien Städte könnten weitere Impfzentren auch für die Schnelltests eröffnen sowie weitere Anbieter bestimmen.

Bund stellt Geld für Schnelltests zur Verfügung

Er verwies auch auf ein Testinteresse im Bereich der Drogeriemärkte. Die Bundesländer sollen bis April die flächendeckende Infrastruktur schaffen. Der Bund stellt nach den Absprachen mit den Bundesländern ab dem 8. März das Geld für die kostenlosen Schnelltests bereit.

dpa

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