Das Foto zeigt den Angeklagten beim Prozessauftakt an der Seite seiner drei Verteidiger. © Werner von Braunschweig
Prozess

„Fall Marvin“: Angeklagter will sein Schweigen brechen – Prozess wird unterbrochen

Im Prozess um den „Vermisstenfall Marvin“ will der Angeklagte jetzt doch sein Schweigen brechen. Bis er sich äußert, wird es aber noch dauern. Der Prozess muss mehrere Wochen unterbrochen werden.

Nach knapp neun Monaten Verhandlungsdauer will der Angeklagte im Prozess um den Fall Marvin jetzt doch noch sein Schweigen brechen. Bis Lars H. (45) aus Recklinghausen sich zu den Vorwürfen äußert, wird es allerdings noch dauern. Denn der seit Juni 2020 laufende Prozess am Bochumer Landgericht steht nach 37 Sitzungstagen unmittelbar vor einer mehrwöchigen Unterbrechung. Stand jetzt ist mit einem Urteil wohl frühestens im Juni 2021 zu rechnen.

Der Grund für die bevorstehende Prozess-Pause: Eine Richterin ist hochschwanger und wird wegen des Mutterschutzes nach der Entbindung auf absehbare Zeit ausfallen. Nach dem Gesetz kann der Prozess sodann maximal für drei Monate unterbrochen werden. Verteidiger Markus Kluck kündigte am Montag an, dass Lars H. sich womöglich am 8. März noch zu seinem Lebenslauf erklären werde. „Wegen des zu erwartenden Umfangs“, so Kluck, soll die Erklärung zu den Anklagevorwürfen aber erst nach der Prozesspause erfolgen.

Nach Haftstrafe droht eine anschließende Sicherungsverwahrung

Der wegen Kinderporno-Besitzes vorbestrafte Lars H. soll den anfangs 13-jährigen Marvin in seiner Wohnung im Süden von Recklinghausen jahrelang untergebracht, mit Geld und Zigaretten belohnt und hundertfach sexuell missbraucht haben. Entdeckt worden war der als vermisst geltende Marvin im Dezember 2019 zufällig bei einer Razzia in der Wohnung des Angeklagten in einem Kleiderschrank.

Nach dem ersten Termin zur stets per Video durchgeführten Vernehmung Marvins am 1. Dezember hatte das Gericht offiziell bekanntgegeben, dass der Nebenkläger die Vorwürfe gegen den Angeklagten bislang „im Wesentlichen bestätigt hat“.

Nach einem rechtlichen Hinweis der Richter der 8. Strafkammer droht Lars H. neben einer Haftstrafe auch die Anordnung der anschließenden Sicherungsverwahrung.

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